Florierender Abholservice

Gastronomen: Tägliche Polizeikontrollen und ungenutzte Tische

Gastronomie in Obertshausen: Kornelia Kokoric vom Kaffee K im Kapellenhof wartet auf Gäste und notiert Reservierungen. Am Seeblick hingegen wurde nach Anrufen bei der Polizei ein Teil des Außengeländes des Restaurants gesperrt. 
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Gastronomie in Obertshausen: Kornelia Kokoric vom Kaffee K im Kapellenhof wartet auf Gäste und notiert Reservierungen. Am Seeblick hingegen wurde nach Anrufen bei der Polizei ein Teil des Außengeländes des Restaurants gesperrt. 

Drei Gastronomen in Obertshausen machen in der Corona-Krise ganz unterschiedliche Erfahrungen.

  • Die Corona-Krise hat spürbare Auswirkungen auf Obertshausen bei Offenbach.
  • Die Gastronomie leidet spürbar unter den Folgen der Krise.
  • Drei Gastronomen aus Obertshausen machen ganz unterschiedliche Erfahrungen.

Obertshausen – Wie meistert die Gastronomie in der „liebenswerten Kleinstadt“ die neuen Zeiten? Wie reagieren die Kunden auf die Anforderungen und Einschränkungen? Zu Besuch im „Kaffee K“ im Kapellenhof, im Restaurant „Seeblick“ und in der Pizzeria „Da Piero“. „Das Sonntagsgeschäft ist total eingebrochen.“ Kornelia Kokoric vom Kaffee K verkörpert eine frische, junge Gastronomie, hat vor ein paar Jahren das Café im Herzen Hausens übernommen. „Wir waren immer auf drei, vier Wochen ausgebucht“, sagt die Unternehmerin, „jetzt komme ich kaum noch auf 50 Prozent des Umsatzes“. Und das auch nur, wenn das Wetter erlaubt, dass die Gäste im Hof sitzen können. „Im Innenraum geht gar nichts“, lautet das Fazit. „Vatertag war okay“, resümiert die Kroatin, „aber viele Leute trauen sich noch nicht in eine Gaststätte“.

Obertshausen bei Offenbach: „Mein Konditor hat null Aufträge“

Aber Koko, wie die Wirtin des Kaffee K von Freunden gerufen wird, ist zufrieden. „Mein Konditor hat null Aufträge, der würde am liebsten wieder schließen.“ Sie nicht, sie hat die Tische weit auseinandergerückt, viele Stammgäste und einige neue Gesichter begrüßt, und alle halten sich an die Auflagen, füllen Listen aus, tragen Maske und halten Abstand.

Während der Zwangsschließung hat sie „alles runtergefahren, was Strom frisst, um laufende Kosten zu senken“. An zwei Wochenenden hat sie je drei Stunden lang Kuchen verkauft, „mein ganzes Team hat mitgemacht“. Sie haben Kekse gebacken, in Tütchen gefüllt und mit Gutscheinen in Beates Blumenladen verkauft. „Sie hat uns super unterstützt, damit wir nicht in Vergessenheit geraten.“ Eine feste Mitarbeiterin befindet sich noch in Kurzarbeit, die Aushilfen musste Koko abmelden, „der Vermieter ist uns sehr entgegengekommen“. Jetzt möchte die Wirtin „alles zum Laufen bringen, die Leute müssen wieder Vertrauen gewinnen“. Sie hat überall Werbung geschaltet, doch „wenn die zweite Corona-Welle kommt, wird es noch schlimmer“.

Obertshausen bei Offenbach: Tägliche Polizeikontrollen 

Im Ausflugslokal „Seeblick“ beim Angelsportverein haben sie andere Sorgen. Die Wiese zwischen Terrasse und Gewässer, auf der bis dahin Bierzelt-Garnituren standen, wurde Mitte April durch das Ordnungsamt gesperrt, wie Schilder mahnen.

Ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte, berichtet von täglichen Polizei-Kontrollen: „Nach einem anonymen Anruf kamen die Beamten mit drei Einsatzfahrzeugen.“ Das Team wisse auch nicht, wie lange das Verbot gelte, suche das Gespräch mit der Behörde. „Der neue Bürgermeister ist sehr bemüht, ein Fürsprecher für die Gastronomie“, zeigt sich der Gastronom dankbar.

Die Wiese zwischen Terrasse und Gewässer, beim Lokal „Seeblick“ wurde Mitte April durch das Ordnungsamt gesperrt, wie Schilder mahnen.

Das „Seeblick“ bietet seit seiner Eröffnung 2016 einen Abholservice an, hat während der Zwangsschließung Menüs seiner deutschen Küche und Fischspezialitäten auch ausgeliefert. Jetzt steht zwischen den Tischgruppen ein ungenutzter „Corona-Tisch“, insgesamt musste die Zahl der Plätze im Hauptraum, im Wintergarten und auf der Terrasse auf die Hälfte reduziert werden. Von dem Dutzend Mitarbeiter sind noch einige in Kurzarbeit. „Die Gäste versuchen, in den Alltag zurückzukehren“, beobachtet der Angestellte. Zu ihnen zählen auch einige Eintracht-Spieler.

Obertshausen bei Offenbach: Lieferdienst mit Pizza 

Ohne Besucher läuft’s in der Pizzeria Da Piero an der Waldstraße. „Wir sind mit Lieferung und Abholung zufrieden“, dankt Antonio Naomo seinen Kunden, die ihm „in schwerer Zeit die Treue halten“. Die Pizza in Sternform ist am beliebtesten, doch „alle Versionen werden bestellt“. Seit rund 40 Jahren wird das italienische Nationalgericht vor den Augen der Gäste im Ofen zubereitet. Antonio führt das Geschäft seit einem Jahr mit einem Kompagnon.

„Wir haben schon im Januar begonnen, den Lieferdienst aufzubauen“, sagt der Inhaber. Sie haben die Situation in China beobachtet und befürchtet, dass das Virus auch nach Europa kommt. „Unsere Gaststätte bleibt geschlossen, um Familie und Kunden zu schützen“, betont der Wirt. Die Männer wollen „kein Risiko eingehen, bis eine neue Regelung kommt“. So lange bleibt einer von vier Kollegen in Kurzarbeit.

VON MICHAEL PROCHNOW

Das Coronavirus fordert Offenbach, Hanau und Darmstadt heraus. OB Claus Kamnisky poltert gegen Informationspolitik zu Infektionen nach Gottesdienst. Der News-Ticker.

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