Wirtschaftliche Einbußen

Massagestudios während Corona: „Die verlorenen Einnahmen können wir nicht aufholen“

Das Pawarisa-Team bereitet alles für die nächste Massage vor. Dabei sind auch für die Masseurinen Mong (links) und Noi (rechts) Masken Pflicht.
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Das Pawarisa-Team bereitet alles für die nächste Massage vor. Dabei sind auch für die Masseurinen Mong (links) und Noi (rechts) Masken Pflicht.

Hinter dem niedrigen Zaun am Eingang flitzen vier junge Enten auf der Suche nach Futter durch den Garten. Das ist ein paar Meter weiter undenkbar.

  • Das Corona-Kontaktverbot sorgt in Obertshausen für massive wirtschaftliche Einbußen
  • Massagestudios dürfen neben Friseurläden wieder öffnen
  • Es gelten strenge Hygieneregeln

Obertshausen – In den Räumen der Thai-Massage Pawarisa gilt gleich eine ganze Reihe von Regeln zur Verbesserung der Hygiene, obgleich diese in dem Haus traditionell auf einem hohen Niveau gepflegt wird. Seit gestern darf der Betrieb an der Mühlheimer Straße wie Friseursalons und Kosmetikstudios wieder öffnen.

Corona in Obertshausen: Hände waschen und Mundschutzpflicht im Massagestudio

Gleich am Treppenaufgang bittet ein Schild, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen und vorab die Hände zu waschen. Ein Freund hat noch eine Plexiglasscheibe vor den Schreibtisch gehängt, zeigt Inhaber Norbert Hans Host. Kaffee, Tee, Wasser und Bonbons sowie der Tisch im Büro – „alles weggeräumt“. Host bedauert, dass er auf die gewohnte Gastfreundschaft verzichten muss.

„Niemand weiß, wie lange die Beschränkungen gelten“, vermisst der Geschäftsführer Informationen durch den Gesetzgeber. „Ich glaube, das bleibt dieses Jahr so, oder mindestens bis zum Spätherbst.“ Die Liegen in den blitzsauberen Räumen im Souterrain müssen nach jeder Massage desinfiziert werden. Früher wurden die Bettlaken und Handtücher gewechselt, letztere muss nun jeder Kunde selbst mitbringen. Der Terminplan sieht immer 30 Minuten Abstand vor, „wenn mal jemand fünf Minuten später kommt, damit er sich später auch in Ruhe ankleiden kann“.

Massagestudio in Obertshausen in der Corona-Krise: Verlorenen Einnahmen können nicht aufgeholt werden

Am 14. März musste Pawarisa schließen. Das Team aus Mong, May und Noi musste die Zeit mit Kurzarbeitergeld überbrücken. Die beantragte Soforthilfe sei immer noch nicht da, berichtet Host, die Behörde habe weitere Unterlagen eingefordert. Derweil laufen die Abbuchungen von Krankenkasse, Miete und Gehältern weiter. Immerhin, für April musste er nichts ans Finanzamt überweisen.

„Aber die verlorenen Einnahmen können wir nicht aufholen“, fürchtet er. Zum Glück hat das Team viele Stammkunden. „Viele haben angerufen, gefragt, wann wir wieder öffnen, und gute Wünsche hinterlassen.“ Mong hat zu Hause aufgeräumt, erzählt sie, ist viel Fahrrad gefahren. Der Chef hat seinen Kunden Anleitungen mit nach Hause gegeben. Sie konnten auf die Internetseiten von Thai-Ausbildern gehen, die auf englisch verfasst sind. Daneben hat er jeden Tag gelüftet, das Studio sauber gehalten, die Hecke geschnitten und Topfpflanzen gesetzt.

Corona in Obertshausen: Pawarisa-Massagestudio hat vielfältige Kunden 

Seit Januar 2011 führt er die Praxis, die den Namen seiner damaligen Ehefrau trägt. „Damals sind Erzieherinnen vom Kindergarten rübergekommen, haben Rotlicht-Angebote befürchtet“, plaudert Host. Er hat die Nachbarn zu einer Massage eingeladen und sie so von den seriösen Leistungen überzeugt. Mitarbeiterinnen aus Thailand, die sich ständig weiterbilden, wie zahllose Urkunden an den Wänden belegen, bieten Kopf-Nacken-Massage, Rücken-, Fußreflexzonen- und Ganzkörper-Massagen.

Anfangs seien nur ältere Menschen gekommen, jetzt lassen sich auch Sportler und ganze Fußballmannschaften durchkneten. Viele haben überdehnte Knie oder Probleme an Rücken und Schultern, kommen ein-, zweimal pro Woche – wie Stefanie. „Das war sehr schön und notwendig“, schwärmt sie von der Behandlung. „Ich bin froh, dass es wieder losgeht. Ich sitze den ganzen Tag am Computer, da schmerzt es im Nacken, aber die Mädels wissen, was sie machen müssen.“

Masken werden in der Corona-Krise dringend gebraucht. Bei Picard Lederwaren in Obertshausen wird jetzt die Produktion wegen des Coronavirus umgestellt.

Die Corona-Krise stellt die Verwaltung in Obertshausen vor viele Herausforderungen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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