Zahlreiche Infizierte

Corona-Alarm in zwölf Pflegeheimen im Kreis Offenbach: „Die Lage ist ernst“

Im Haus Jona in Obertshausen haben sich zahlreiche Bewohner und Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert, deshalb gilt vorerst ein striktes Besuchsverbot.
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Im Haus Jona in Obertshausen haben sich zahlreiche Bewohner und Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert, deshalb gilt vorerst ein striktes Besuchsverbot.

Die Corona-Krise wütet im Kreis Offenbach. In Obertshausen hat es das Pflegeheim „Haus Jona“ besonders stark getroffen. In Heusenstamm werden die Rufe nach Schnelltests lauter.

  • Der Kreis Offenbach meldet Corona-Ausbrüche in zwölf Alten- und Pflegeheimen.
  • In Obertshausen sind in einer Einrichtung dutzende Bewohner und Beschäftigte infiziert.
  • Ein Heim in Heusenstamm fordert vom Land Hessen, die angekündigten Corona-Schnelltests endlich zur Verfügung zu stellen.

Obertshausen/Heusenstamm – Nach wie vor steigt die Zahl der Corona-Infizierten rasant, nun trifft es vermehrt auch wieder die besonders gefährdete Gruppe der Senioren. Wie der Kreis Offenbach mitteilte, ist – Stand Freitag (06.11.2020) – in insgesamt zwölf Alten- und Pflegeheimen im Kreisgebiet das Virus ausgebrochen, „die Lage ist ernst“, heißt es.

Corona im Kreis Offenbach: Kritische Lage im „Haus Jona“

Besonders betroffen ist das Haus Jona in Obertshausen (Kreis Offenbach), wobei es da unterschiedliche Zahlen gibt: Laut dem Gesundheitsamt wurde bis Freitag bei 58 älteren Menschen sowie 28 Beschäftigten Sars-CoV-2 nachgewiesen, dem Betreiber Mission Leben zufolge sind 48 Bewohnerinnen und Bewohner sowie acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infiziert. „Das Haus Jona ist schon länger betroffen, einige Infizierte sind bereits wieder genesen“, erklärt Kreissprecherin Ursula Luh die unterschiedlichen Angaben. „Die Zahlen ändern sich täglich und sind immer nur eine aktuelle Momentaufnahme.“

Wie das Virus in die Einrichtung gekommen ist, lässt sich angesichts des diffusen und dynamischen Infektionsgeschehens nicht nachvollziehen. „Es gibt keinen Schuldigen und keinen Sündenbock, der das reingebracht hat“, betonen Claudia Hahn und Elke Weyand aus der Geschäftsfeldleitung „Leben im Alltag“ des Betreibers. „Man kann auch nicht sagen, dass das auf eine Person zurückzuführen ist, zumal Infizierte ansteckend sein können, ohne Symptome zu zeigen.“

Striktes Corona-Besuchsverbot im Haus Jona im Kreis Offenbach:

Man habe die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und aus der Politik strikt befolgt, eigene Hygienekonzepte erstellt und regelmäßig überarbeitet. Die Schutzmaßnahmen seien nun nochmals verstärkt worden, so sei etwa zusätzliche Schutzausrüstung angeschafft worden. Mittlerweile werde bei Beschäftigten und Bewohnern zweimal täglich die Temperatur gemessen, außerdem prüfe man bei den Senioren zweimal täglich die Sauerstoffsättigung im Blut. „Ältere Menschen sind insgesamt anfälliger für das Virus, gleichzeitig ist es die vulnerable Gruppe, die besonders geschützt werden muss“, so die Geschäftsfeldleiterinnen.

Im Haus Jona gilt nun wieder ein striktes Besuchsverbot, man habe eine Hotline für Angehörige eingerichtet, außerdem nutze man Videostream-Dienste, „damit die Bewohner mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben“. Ein Problem bereitet den Betreibern die Personalsituation, die durch die Pandemie verschärft werde. „Unsere Ressourcen sind ohnehin nicht optimal, wir stoßen an unsere Grenzen“, heißt es. Momentan greife man auf Personal aus Zeitarbeitsfirmen zurück.

Corona im Kreis Offenbach: Mitarbeiter dankbar für Lockdown

„Wir sind sehr dankbar, dass es angesichts der aktuellen Situation diesen erneuten Lockdown gibt“, so die beiden Mitarbeiterinnen von Mission Leben. Nur so könne es gelingen, die Senioren zu schützen.

„Zum Glück“ noch weniger betroffen ist das Horst-Schmidt-Haus (HSH) der Arbeiterwohlfahrt an der Herderstraße in Heusenstamm (Kreis Offenbach). „Bei uns wurde vor zwei Wochen ein Mitarbeiter positiv getestet“, berichtet Betriebsleiter Marcus Hundsdörfer auf Anfrage. Die Bewohner der betroffenen Station sowie alle anderen Mitarbeiter seien daraufhin getestet worden: „Leider liegen uns die Ergebnisse noch nicht vor.“ Allerdings seien derzeit alle wohlauf, Symptome zeige niemand. Und von Betroffenen initiierte Tests bei Hausärzten seien allesamt negativ gewesen.

Coronavirus im Kreis Offenbach: Rufe nach Schnelltests in Heusenstamm

Dennoch habe man sofort die Schutzmaßnahmen erweitert, versichert Marcus Hundsdörfer. Besuche im HSH seien weiterhin möglich, jedoch nicht in der betroffenen Station. „Und ansonsten ohnehin nur mit Anmeldung und Terminvergabe.“ – „Wir haben dabei großen Rückhalt bei den Angehörigen“, betont der Leiter des Seniorenzentrums. Denn man habe ja eine große Verantwortung, bei der man im Grunde zwischen allen Stühlen sitze. „Aber wir versuchen, es den Bewohnern trotz aller Einschränkungen so angenehm wie möglich zu machen.“

Einen großen Wunsch hat Marcus Hundsdörfer: „Es wäre gut, wenn die seit Anfang Oktober vom Land angekündigten Schnelltests endlich zur Verfügung stünden. Das könnte uns das Handeln erleichtern und mehr Flexibilität geben.“ (Claudia Bechthold und Niels Britsch)

In der Region um Offenbach gibt es immer mehr Neuinfektionen. Im Kreis Offenbach stieg die Zahl der Corona-Fälle besonders stark – die Lage im News-Ticker.

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