Obertshausen

Läden in Obertshausen nach Wiedereröffnung

Hinter Plexiglas und mit Sicherheitsabstand: So wie bei Orthopädie-Schustermeister Andreas Jagic sieht es in all den Geschäften der „Kleinstadt mit Herz“ aus, deren Fläche geringer als 800 Quadratmeter ist.
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Hinter Plexiglas und mit Sicherheitsabstand: So wie bei Orthopädie-Schustermeister Andreas Jagic sieht es in all den Geschäften der „Kleinstadt mit Herz“ aus, deren Fläche geringer als 800 Quadratmeter ist. 

Seit Montag (20.04.2020) dürfen die Läden in Hessen in Teilen wieder öffnen. So haben Geschäfte in Obertshausen den Tag der Wiedereröffnung erlebt.

Obertshausen – Der Roman „Das Haus der Frauen“ war angesagt, während der Büchertreff nur vorherige Bestellungen ausgeben konnte. Neben dem Werk von Laetitia Colombani standen bei mehreren Leseratten Gerichts-Thriller des amerikanischen Rechtsanwalts John Grisham, Unterhaltungslektüre und weitere Romane von der Bestseller-Liste hoch im Kurs, fasst Anja Sauer die vergangenen vier Wochen zusammen. Am Montag (20.04.2020) konnte die Inhaberin den Büchertreff an der Schulstraße wieder öffnen, doch auch während der Zwangsschließung war die Händlerin – so wie viele Kollegen in der Stadt – gut beschäftigt.

Bücherladen in Obertshausen: Viele Bestellungen während Corona-Schließung

„Es war deutlich mehr Betrieb als sonst“, berichtet Anja Sauer vom vergangenen Montag. In den ersten Stunden waren Puzzle, Gesellschaftsspiele und Schulhefte gefragt. Viele kamen zum Stöbern, wenn auch unter gewissen Auflagen: Schilder am Eingang weisen darauf hin, dass nicht mehr als drei Personen eintreten dürfen und Abstand halten müssen. Das Personal schützt sich und die Besucher mit Plexiglas, Masken und Handschuhen, desinfiziert Klinken und Kartenlesegeräte. „Wir hatten viele Anrufe“, erzählt die Chefin. „Vor Ostern durften wir noch einen Abholservice über eine Barriere anbieten, dann haben wir per Rad oder Auto Waren ausgefahren, weil der Paketdienst überlastet ist.“ Der beliebte Treffpunkt verbuchte „sehr, sehr viele Bestellungen über den Web-Shop und sehr positive Reaktionen“ – ebenso für die Idee, dass Kunden Bücher in Tüten am Bauwagen von Beates Blumeneck abholen konnten. Auch die Selbstbedienung am Zeitungsständer vor der Tür hat bestens funktioniert, die Leser haben abgezähltes Geld in eine Box eingeworfen.

Gar nicht so viel verändert hat sich für Günter und Harald Wagner. Ihr Elektro-Fachgeschäft hatte lediglich geänderte Öffnungszeiten, weil ihre Dienste zur Grundversorgung zählen. Wagners Team wechselte Sicherungen oder reparierte Gefriergeräte, „weil die Leute mehr zum Einfrieren eingekauft haben“. Bei Telefonen und Blutdruckmessgeräten haben die Männer mit Mundschutz oft Batterien ausgetauscht.

Orthopädie in Obertshausen hat während Corona-Schließung nur wichtige Fälle bearbeitet

Manche Ältere haben „lieber ein neues Modell gekauft, das funktioniert“, berichten die Inhaber. Mit nicht so eiligen Aufträgen wie der Gartenbeleuchtung haben die Elektriker gewartet, einige Mitarbeiter nahmen Resturlaub. „Das hat Lücken abgefedert und dafür gesorgt, dass nicht zu viele Leute aufeinander hocken.“ Harald Wagner hat zudem Termine für Besuche im Laden vereinbart und so einen „fast normalen Umsatz“ gehalten. Auf Werbung mit der wieder erweiterten Öffnung verzichten die Brüder vorerst, „damit nicht zu viele vorm Laden stehen“.

Die Orthopädie-Schuhtechnik gilt als Gesundheitshandwerk, die Werkstatt von Andreas Jagic durfte offen bleiben. Wie in den Arztpraxen wurden jedoch „nur wichtige Fälle“ bearbeitet. Als Schuhmacher konnte er weiterhin Treter besohlen, aber keinen Schnürsenkel verkaufen. Es kamen nur vereinzelt Kunden, so fertigte Jagic in Ruhe Maßschuhe an, während sein Mitarbeiter bald vom Urlaub in die Kurzarbeit wechselt.

„Die Leute sind weniger unterwegs“, erklärt der Experte die Flaute. „Wer im Home Office sitzt, macht keine Schuhe kaputt.“ Jagic erwartet eine sehr langsame Steigerung und öffnet bis zum 3. Mai nur montags, freitags und samstags.

Für den Verkauf von Tabak und Zeitschriften, Toto- und Lotto-Losen schloss Birgit Hoffmann ihr Geschäft bislang nur vormittags auf. Ihre Stammkunden holten weiter Zeitungen und Zeitschriften – die lieferte die Inhaberin des Spiel- und Schreibwarenladens Älteren und Kranken auch vor Corona schon ins Haus. Daneben lief der Traditionsladen ganz gut mit einem Büro-Lieferservice nach Katalog für Firmenkunden. „Es ist sehr erklärungsbedürftig, wie sich die Kunden jetzt verhalten sollen, erst Hände desinfizieren, gucken, wie viele Leute im Laden sind, und eventuell draußen warten.“

Von Michael Prochnow

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