Corona-Krise

Freizeitbäder warten auf ein Signal der Politik

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Täglich prüft das Team um Betriebsleiter Carsten Kuczewski (rechts) und Techniker Enzo Volpicella die Wasserqualität und kümmert sich um kleine Reparaturen im Freizeitbad. 

Der Freizeitbadbetreiber monte mare aus Obertshausen hofft, dass er in der Corona-Krise bald wieder den Betrieb aufnehmen kann. Doch die Politik hält sich bedeckt.

Obertshausen – „Kühl hier unten, gell?“, fragt Carsten Kuczewski, nachdem er die Tür zum „Allerheiligsten“ des Hauses geöffnet hat. Von den angenehmen Temperaturen, die derzeit in den Katakomben des monte mare herrschen, können der Betriebsleiter und sein Team sonst nur träumen. Denn im Regelbetrieb sorgt die Abwärme der unzähligen Umwälzpumpen, Kompressoren, Heiz- und Lüftungsaggregate dort unten für schweißtreibende Temperaturen. 

Doch die würde der Badchef freilich gerne in Kauf nehmen, dürfte das beliebte Freizeitbad, das Schwimmfans und Saunagänger weit über die Grenzen der Stadt hinaus anlockt, nur bald wieder öffnen. Dann wäre es auch endlich wieder vorbei mit der fast unheimlichen Stille in den Hallen unter und über den Becken. Zwar ist auch jetzt in der Schließzeit das leise Dröhnen der Pumpen für die großen Wasserkreisläufe zu hören, das wirkt im Gegensatz zum Geräuschpegel der gesamten Anlagen unter Normalbetrieb jedoch eher wie ein Flüstern im Wind.

Seit der coronabedingten Schließung des Bades im März ist die Technik soweit wie möglich heruntergefahren, auch wenn das Team freilich nicht komplett den Stecker ziehen kann. „Die Heizungsanlangen sind komplett ausgeschaltet“, erläutert Kuczewski. Ebenso die Lüftungsanlagen sowie die kleineren Wasserkreisläufe. Lediglich die größeren laufen auf minimaler Leistung weiter. „Das ist notwendig, um das Wasser auch weiterhin aufbereiten zu können.“

Dessen Qualität werde trotz Schließung täglich überwacht. Dafür ist an diesem Tag Enzo Volpicella vom Technikteam des Bades zuständig, der nebenan gerade die Werte des Wassers kontrolliert. „Wir haben einen pH-Wert von 7,01 und einen Redoxwert von 828“, erläutert er die Zahlen, die auf dem kleinen Kontrolldisplay im Herz der Aufbereitungsanlage angezeigt werden. Letzterer steht für die Keimabtötungsgeschwindigkeit und liegt in diesem Fall im Idealbereich, genauso wie der pH-Wert. „Der Gehalt an freiem Chlor ist aktuell bei 1,28 Milligramm pro Liter, also viel höher als sonst“, ergänzt er.

Im normalen Schwimmbetrieb liege dieser lediglich bei bis zu 0,6. „Wir chloren im Moment nur intervallweise und dafür stärker, sodass wir immer ein paar Tage davon zehren können“, erläutert Betriebsleiter Kuczewski. Ins Wasser dürfte daher gerade niemand, auch wenn der Wert freilich nicht gefährlich wäre. „Im Sommer in Italien beispielsweise sind solche Werte gang und gäbe“, weiß Enzo Volpicella, der derzeit wie die übrigen Festangestellten des Freizeitbades in Kurzarbeit ist. 

Im Wechsel kümmert sich das Team dabei um kleinere Schönheitsreparaturen oder weitere Arbeiten, die an der großen Anlage so anfallen. Auch die Funktion der technischen Anlagen müssen die Techniker überwachen. „Wenn beispielsweise die Kompressoren ausfallen würden, hätten wir hier mal schnell zweieinhalb Millionen Liter Wasser im Keller“, sagt der Techniker. „Und der Rasen wächst ja auch trotz Corona weiter“, ergänzt Kuczewski und schmunzelt.

Täglich warte man auf ein Signal der Politik – eine Perspektive, wann es mit dem Betrieb weitergehen könne, erzählt der Betriebsleiter. Doch bisher blieb es bei vagen Aussagen, ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer ist nicht in Sicht. „Ab und an hört man zwar mal ein Datum, aber konkrete Details weiß niemand“, meint Jörg Zimmer, Sprecher des Freizeitbadbetreibers mit Sitz im rheinland-pfälzischen Rengsdorf. Doch solange die konkreten Auflagen nicht bekannt sind, sei eine Eröffnung höchstens in der Theorie planbar.

Und selbst dann dürfte es wohl noch eine Weile dauern, bis wieder Schwimmer ihre Bahnen in den Oberthausener Becken ziehen können. Rund zwei Wochen würde es dauern, den Betrieb hochzufahren, sagt Kuczewski. Mehrere Tage dauere allein das Aufheizen der Becken. Erst danach könne das Gesundheitsamt die nötigen Wasserproben nehmen, deren Auswertung im Labor in der Regel drei bis vier Tage dauere. Erst wenn die Behörde grünes Licht gebe, dürfe das Bad wieder öffnen.

Und dann ist da noch die Frage der Kosten, für die nicht zuletzt auch die Anforderungen durch die Corona-Beschränkungen eine zentrale Rolle spielen. „Allein die Kosten bis der Betrieb wieder komplett hochgefahren ist, liegen für uns im sechsstelligen Bereich“, beziffert Sprecher Zimmer. Und auch bei stark reduzierten Besucherzahlen fielen letztlich die vollen Betriebskosten an.

VON THOMAS HOLZAMER

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