Rock auf zwei Quadratmetern

Coverband „Die Krassen Lappen“ feiert ihren zehnten Geburtstag

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Mit viel Herz und noch mehr Gitarre: Zum Bandgeburtstag werden „Die Krassen Lappen“ von Talentshow-Sternchen Richard Hecht (Mitte) unterstützt.

Obertshausen - Am Anfang türmten sich Verstärker im Wohnzimmer, jetzt stehen sie im Wiener Hof: Die Coverband „Die Krassen Lappen“ wird zehn. Und feiert am Freitag, 13. November, 20. 30 Uhr, eine angemessen laute Party in Offenbach. Von Eva-Maria Lill 

Das sieht schon irgendwie nach Rock aus. Nach Untergrundmucke, nach handgemachtem Riffgedröhne. Im Probenraum stopfen sich sieben Musiker zwischen Mikros, Kabel und kniehohe Verstärker. Aus dem Minikühlschrank wird noch schnell ein Bier gezischt. Viel Platz ist nicht, alles kuschelig. Schulter an Schulter, Gitarrenhals an Keyboardkante. Von niedrigen Decken funzelt warmes Licht.

Es ist ein bisschen wie damals, 2005, als „Die Krassen Lappen“ ihre ersten Gigs organisierten. Auf Bierbänken rutschte das Publikum enger, rauchte und feierte zu zwei Gitarren und Gesang. Im Wohnzimmer wippte die Coverband den Takt. Jetzt ist alles größer, alles lauter. Ihren zehnten Geburtstag feiern die „Krassen Lappen“ am Freitag, 13. November, 20.30 Uhr, im Wiener Hof in Offenbach-Bieber.

Alles begann in Heusenstamm. Es sollte eigentlich eine einmalige Angelegenheit werden, das Konzert auf der Faschingsparty im Pfarrheim St. Cäcilia. Damals spielte die Band zu dritt. „Unser Gitarrist wurde von Freunden ‘Der Krasse Lappen’ genannt, wir brauchten einen Bandnamen“, erinnert sich Bassist Claudius Stauffenberg. Warum der Typ so hieß? „Keine Ahnung“, gibt er zu und rückt seinen Hut gerade, „aber den Namen sind wir nicht mehr losgeworden.“

Über die Jahre hat sich vieles „einfach so ergeben“, erzählt der 35-Jährige. „Lange Zeit haben wir von Mundpropaganda gelebt.“ Von Hochzeiten, Geburtstagen. Von Schwiegervätern, die der Band Geld zusteckten. Damit sie auch dann weiterspielte, als die Polizei schon vor der Tür stand. Aus einem Auftritt wurden zwei, wurden zehn Jahre Bandgeschichte. 2010 rockten die „Krassen Lappen“ das erste Mal den Zinnoberball der Turngesellschaft Hausen. 550 Besucher, Stimmung bis zum Headbang-Kopfschmerz. So soll’s auch beim Geburtstagskonzert werden. „Es ist eine Ehre, im Wiener Hof zu spielen“, schwärmt Teresa Stauffenberg. Claudius’ Frau und Leadsängerin. Typ schmal und blond und Powerstimme.

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Für die Kult-Location hat sich die Band Verstärkung geholt. Neben der Stammbesetzung Claudius, Teresa, Jens Gerwin am Schlagzeug, Florian Hain und Benjamin Hohls an den Gitarren, sitzt Robert Bedner am Keyboard. Für Gänsehautpusteln ist Richard Hecht zuständig. Der Aschaffenburger erreichte bei der Pro7-Casting-Show „Keep Your Light Shining“ den dritten Platz.

Je nach Terminplaner und Veranstaltung stehen der Band vier Frontstimmen zur Verfügung. „Wir haben Castings veranstaltet“, erinnert sich Teresa und kann sich das Lachen nicht verkneifen. Höhepunkt: Ein dubioser Geselle, der partout nicht verraten wollte, was er beruflich macht. „Wir haben im Hinterzimmer gewettet. Der hatte so ein Kreuzkettchen an. Ich habe auf Zuhälter getippt“, erzählt die 33-Jährige. „Auf’m Parkplatz hab ich ihn dann unter vier Augen gefragt und er hat mir seine Karte gereicht. War Priester. Aus Köln.“

Rund 100 Songs haben die „Lappen“ im Repertoire. „Wir erweitern das ständig, stimmen über neue Titel ab“, erläutert Claudius. Auf der Setlist finden sich Klassiker von Elvis Presley ebenso wie das obligatorische „Atemlos“ von Helene Fischer. Im Wiener Hof gibt’s außerdem Rotznummern wie „Beinhart“ und „Satisfaction“ auf die Ohren.

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In den „Lappen“-Arrangements schwingt mehr Dreck als in den Originalen. „Am Anfang hatten wir zwei Gitarren, sonst nicht viel. Diese rockige Linie zeichnet uns immer noch aus“, verdeutlicht Claudius. Da wird selbst die Schlagerkönigin Helene erträglich, ein launisches Solo ratscht über Metallsaiten. Einmal Stimmung, einmal Sentimentalität. Als Richard Hecht sanft zu Robbie Williams „Angel“ säuselt, ist Augenpipi inbegriffen. „Unsere Partys sind schamfrei“, witzelt Claudius. Da tanzen Generationen zum 90er-Medley aus „I Like To Move It“, „I’ll Be Looking For Freedom“ und der Tetris-Titelmelodie.

Die „Lappen“ sind viel unterwegs. Eine ihrer Lieblingsveranstaltungen ist Kinderfasching. „Das macht so viel Spaß, aber die saugen dich aus“, sagt Teresa mit Augenzwinkern. „Die Kleinen folgen dir bis auf die Toilette. Ich habe mich einmal als Prinzessin verkleidet. Da hätte ich auch gar nicht singen müssen, die Mädels haben eh nur mein Kleid angestarrt.“ Und dann Fanpost geschrieben. Das A3-Papier klebt an der Steinwand im Probenraum. Ein Kleinmädchenbild, Strichmännchen, Strohhaare. „Die anderen Wagenladungen Liebesbekundungen haben wir Zuhause“, fügt Claudius hinzu. Vielleicht werden es nach dem Geburtstagskonzert ja noch mehr.

Karten gibt’s auf www.wiener-hof.de und an der Abendkasse. Die „Krassen Lappen“ spielen auch auf dem Silvesterball im Bürgerhaus, Donnerstag, 31. Dezember, 20 Uhr. Info: www.krasselappen.de

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