„Dancing Queen“ trifft „Daddy Cool“

Pitt alias Peter Stenger in seinem Element. Der erfahrene Hob by-Discjockey kennt sich in der Oldie-Szene bestens aus.

Obertshausen - „Pitts Piratensender“ verwandelt Pfarrsaal St. Thomas Morus zu Gunsten der Gemeindearbeit in Disco der 60er und 70er

Ein jeder, der die „Pretty Belinda“ noch kennt, den „Road Jack“ oder „Charlie Brown“, „Delilah“, „Mary Lou“ oder „Mrs. Applebee“, der war am Samstagabend im Pfarrsaal St. Thomas Morus goldrichtig. „No Milk Today“, startete „Pitts Piratensender“ die kultige Traditionsveranstaltung, und er behielt Recht: Milch war nahezu die einzige Spezialität, die nicht auf der bunten Speisekarte zu finden war.

Pitt alias Peter Stenger hatte mit dem gemeinsamen Pfarrgemeinderat von Herz Jesu und St. Thomas Morus schon zur 13. Oldie Night geladen. Das Angebot füllt eine Lücke für aktive Christen „in den besten Jahren“, und Familienväter und -mütter über 40 ließen sich nicht zweimal bitten: Von Anbeginn erfreut sich der gesellige Abend großer Beliebtheit, oft sind lange vor den ersten Takten bereits sämtliche Plätze besetzt, freuen sich die Gastgeber.

Diesmal blieben erstmal einige Stühle frei, was aber weniger in einer Finanzkrise begründet schien, sondern eher in der Grippewelle. Mehrere Besucher entschuldigten ihre fehlenden Partnerinnen oder Partner, die krank zu Hause bleiben mussten. Der prächtigen Stimmung in der 60er- sowie 70er-Jahre-Disco tat dies keinen Abbruch. Die familiäre und gelöste Atmosphäre liegt begründet in der Tatsache, dass sich die meisten Musikfreunde kennen.

Der Kreis der Oldie-Fans ist allerdings keineswegs auf die beiden Kirchengemeinden beschränkt. Im Lauf der Jahre finden immer mehr Gleichgesinnte an die Franz-Liszt-Straße, wenn Pitt seine Scheiben mit den Evergreens in die CD-Spieler schiebt. „Jetzt kommt ein Titel, den ich noch nie gespielt hab‘“, kündigt er über sein kabelloses Mikrofon an - und aus den Boxen dröhnen die Trompeten von „YMCA“, dem Hit der bunt gewandeten Village People! Helles Gelächter erfüllt die Tanzfläche auf dem Linoleum zu seinen Füßen, klar, dass ist ein Stimmungsmacher, der auf keiner Party fehlen darf. Die Stammgäste kennen obendrein die rhythmischen Armbewegungen zu dem Schlager ...

Pitt legte einen großen Katalog mit rund 400 Titeln aus, fein sortiert nach Bubblegum Music, Philly-Sound, Rock‘n‘ Roll, Pop, Soul, Disco-Sound, Schmuser und „einfach zum Mitsingen“. Dazu zählen unverwüstliche Hits wie Chris Andrews‘ „Yesterday Man“, die Aufforderung der Equals, „Baby Come Back“, Manfred Manns „Doo-Wha-Diddy“.

Nach einer halben Stunde hat der DJ gut zwei Dutzend Zettel mit rund 50 Wünschen zu Stapeln sortiert. Die „Dan cing Queen“ von Abba liegt ganz vorne, „Satisfaction“ der Stones sei ein „Muss“, erklärt der Fachmann. Im Lauf der Nacht erfüllt er aber auch ausgefallene Begehren, „Yes, Sir, I Can Boogie“ vom Baccara-Duo zum Beispiel.

„Yummy Yummy“ ist nicht nur eine Riesen-Nummer von Ohio-Express, so heißt im Pfarrsaal der trockene Weißwein. „Wolly Bully“ nennen sie den Portugieser, „Oh Happy Day“ den Sekt. Boney M.s „Daddy Cool“ ist hier das Pils und „King Of The Road“ das Seligenstädter Gebräu, „Take It Easy“ die alkoholfreie Version des Gerstensaftes.

Die rund 15 Helfer der Katholischen Jugend Obertshausen (KJO) servieren „Charlie Brown“ als Apfelsaft, „Balla-Balla“ heißt die Schorle, „You Sexy Thing“ das Frankfurter Würstchen. An die KJO geht die Hälfte des Erlöses, die damit Material für das Zeltlager oder andere Erfordernisse beschafft. Der zweite Hälfte teilen sich die Gemeinden.

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