Blick für die richtige Brille

Obertshausen: Ehepaar Schölzel überlässt Augenoptik-Geschäft Nachfolgern aus Rodgau

Wechsel an der Kreuzung: Michael und Petra Schölzel (links) übergeben ihr Augenoptik-Geschäft an Zeljko und Stephanie Radnic.
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Wechsel an der Kreuzung: Michael und Petra Schölzel (links) übergeben ihr Augenoptik-Geschäft an Zeljko und Stephanie Radnic.

Sie sind zwei „Eingeplackte“, aber sie gehören zur Stadt wie Wein- und Europafest. Und wie diese beiden Institutionen verlassen nun auch Michael und Petra Schölzel Obertshausen.

Obertshausen – Allerdings nicht wegen eines Virus: Der 66- und die 62-Jährige gehen in den Ruhestand und übergeben am Monatsende ihr Fachgeschäft für Augenoptik an Zeljko und Stephanie Radnic aus Rodgau. „Das Geschäft geht im Kopf weiter, weil ich das mit Herz mache“, beschreibt Meister Schölzel. Wenn er im Urlaub oder beim Besuch der Kinder durch die Stadt spaziert, gucke er bei jedem Kollegen ins Fenster. Bei der Tagesschau kontrolliere der Optiker automatisch, ob der Nachrichtensprecher die richtige Brille trägt. „Wir haben den Beruf sehr gern gemacht“, betont er.

Als sein Vater als Leiter der Polizeischule und der Bereitschaftspolizei in Hessen von Wiesbaden nach Mühlheim versetzt wurde, ereilte den Sohn ein „Kulturschock“, erzählt Michael Schölzel lächelnd. Zum Glück traf der in Hofgeismar geborene Lehrling die Kollegin aus der Mühlenstadt. Während er in ihrer Heimatstadt lernte, fuhr sie zur Ausbildung nach Gravenbruch.

Am 1. Januar 1987 übernahm das Ehepaar das Geschäft von Karl-Heinz Fischer. Rückblickend habe „es wunderbar geklappt“, dass sie auch geschäftlich ein Team sind. Das Geschäft an der Kreuzung von Gutenberg-, Seligenstädter und Schönbornstraße habe viele Stammkunden, mit denen die beiden Spezialisten auch „schöne persönliche Kontakte“ pflegen. „Wir müssen uns gegenüber Groß- und Internetanbietern positionieren“, weiß der Fachmann. „Das geht durch persönlichen Einsatz, Präsenz und Zeit für den Kunden.“ Den Wandel in ihrer Branche definiert das Duo als „ständiges Auf und Ab“. Die Gestelle werden größer, dann wieder kleiner, mit Balken, einem Rand mit Goldauflage oder ganz „oben ohne“. Als Material verarbeiteten sie schon Edelstahl, Titan, Karbon, selbst Holz zum Nachschnitzen, Papier und recycelte Stoffe. Manche Modelle waren in alle Richtungen drehbar.

Die berühmte Pilotenbrille war eigentlich für amerikanische Flugkapitäne geschaffen. „Sie verschwindet immer wieder, gerade ist sie wieder topaktuell“, sagt Petra Schölzel. „Als Sonnenbrille geht die immer“, bemerkt Nachfolger Zeljko Radnic. Knallbunte Rahmen sind jedenfalls „out“, Retro ist der Renner. „Die Kunst ist, für seine Kunden immer die richtige Brille im Regal zu haben“, sind sich die Experten einig. „Eine Brille kann man schließlich nicht wie ein Kleid nach einem halben Jahr weglegen.“

„Kunden wissen heute viel mehr“, meint Radnic. Das Vertrauen sei wichtig, „du brauchst Kenntnisse in Physik, Chemie, Medizin, als Dekorateur und Modeberater“. Diese Kombination verkörpert Stefan Wilz, der seit 30 Jahren im Geschäft ist und die Kundschaft kennt. Er wird auch nach dem Wechsel weiterhin ihr Ansprechpartner sein. (Von Michael Prochnow)

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