„Der Tag hat mein Leben verändert“

Pfarrer Norbert Hofmann nahm vor fünf Jahren einen syrischen Flüchtling auf

Seit gut fünf Jahren wohnt Maher Alshadad (links) nun schon in der Gemeinde von Pfarrer Hofmann. Seit vergangenem Jahr studiert der junge Syrer in Frankfurt.
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Seit gut fünf Jahren wohnt Maher Alshadad (links) nun schon in der Gemeinde von Pfarrer Hofmann. Seit vergangenem Jahr studiert der junge Syrer in Frankfurt.

Der 25-jährige Maher Alshadad studiert an der Fachhochschule in Frankfurt und wohnt in Obertshausen. Sein Traum ist, später einmal Architekt zu werden und Häuser zu entwerfen.

Obertshausen – Dass Maher Alshadad dazu überhaupt die Möglichkeit hat, verdankt er einerseits seiner waghalsigen Flucht aus Syrien, in dem Häuser nicht aufgebaut, sondern im Bombenhagel des Bürgerkrieges vernichtet werden. Und, wie er selbst sagt, der Hilfe des Pfarrers Nobert Hofmann von der Katholischen Pfarrei Herz Jesu und St. Thomas Morus, der ihn vor über fünf Jahren von einem auf den anderen Tag aufgenommen hat.

In Syrien selbst ist Maher Alshadad bereits zweimal dem Tod von der Schippe gesprungen, als er zwei Raketenangriffe überlebt. Dann beschließt er: nur noch weg hier. Mit einem Bus reist er mit vielen anderen aus seiner Heimatstadt Damaskus in Richtung Libanon. An der Grenze wird der Bus von syrischen Soldaten aufgehalten. „Der Busfahrer sagte uns schon vorher, dass wir ganz ruhig sein sollen“, erzählt der Student, „einer der Soldaten sagte zu uns ‘Ich hoffe, dass ihr im Meer ertrinkt.’“ Über den Libanon flüchten sie in die Türkei. Mit einem Transporter geht es an die Küste, es folgt die Überquerung des Mittelmeeres mit dem Schlauchboot. Über Griechenland kommt er dann über mehrere Stationen bis nach Deutschland, wo er zunächst 2015 in einer Unterkunft für Flüchtlinge in Gießen und später dann in Obertshausen unterkommt.

Am Karsamstag 2016 dann die erste Begegnung von Pfarrer Hofmann und Maher Alshadad: „Mir ist gleich aufgefallen, dass jemand neues in der Kirche ist“, erzählt Hofmann, der die Gemeinde nun schon seit 34 Jahren kennt, „nach dem Gottesdienst bin ich zu ihm und habe ihn auf englisch angesprochen.“

Maher erzählt ihm von seiner Situation in der Flüchtlingsunterkunft und dass er der einzige Katholik dort sei. Er habe mit sieben weiteren Flüchtlingen in einem kleinen Zimmer gewohnt. Hofmann setzt noch am gleichen Tag alle Hebel in Bewegung. Er will dem jungen Mann unbedingt aus dieser Lage helfen. In einem Anbau der Kita der Gemeinde räumen Freiwillige und der Hausmeister in den folgenden Tagen eine Wohnung frei.

Als kurz darauf Maher Alshadad von diesen Nachrichten erfährt, kann er sein Glück kaum fassen. „Ich habe fast kein deutsch sprechen können, ich habe nur ‘Danke Deutschland’ gesagt“, erzählt der 25-Jährige, „dieser Tag hat mein Leben verändert, das hat mich tief im Herz berührt.“

Für ihn sei das eine Selbstverständlichkeit gewesen, denn er habe gespürt, dass man in dieser Zeit ein Zeichen setzen müsse, erzählt Norbert Hofmann. In der Gemeinde habe er viel Zuspruch wahrgenommen. „Für mich war das eine Fügung Gottes“, sagt der Pfarrer.

Für den Syrer Maher Alshadad waren zunächst ein paar Dinge in Deutschland durchaus ungewohnt. „Zum Beispiel, dass sich Männer die Haare färben.“ Er hat die Zeit seit seiner Ankunft genutzt, um deutsch zu lernen. Seit dem Sommersemester 2020 studiert er nun Architektur an der Fachhochschule in Frankfurt. Das Abitur aus Syrien sei weitgehend anerkannt worden, erzählt er. Architekt möchte der Student werden, weil es seine Leidenschaft ist, aber auch um seine Eltern stolz zu machen, die immer noch in Syrien wohnen. Von den Berichten dort weiß er, dass die Lage diffus ist, es in manchen Teilen des Landes aber mittlerweile stabiler als noch vor einigen Jahren ist.

Maher, der auch seit Jahren Messdiener ist, möchte noch möglichst lange Pfarrer Hofmann in der Messe helfen. „Hier in Deutschland ist er quasi mein Vater“, sagt er. (Von Lukas Reus)

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