Konfession spielt keine Rolle

Obertshausen - Lange hat die Stadt nichts von ihm gehört. Jetzt ist er wieder da, rechtzeitig zum 25. Geburtstag, verjüngt und mit der nächsten Generation am Ruder: der Deutsch-Türkische Kulturverein. Von Michael Prochnow

„Wir wollen aktiver werden“, sagt Ebru Al, die im vergangenen Jahr zur Vorsitzenden gewählt wurde. Auch fast alle anderen Vorstandsmitglieder sind Kinder der Gründer, heute junge Familienväter und -mütter – mit einer Ausnahme. Adem Cavus, Geschäftsführer der gleichnamigen Großbäckerei in Offenbach, ist stellvertretender Vorsitzender des „Alman-Türk Kültür Dernegi“. Er gestaltete das Vereinsleben bereits kurz nach dem Start durch Initiator Hakan Uysal mit. Die Posten von Schriftführer und Kassierer vereint derzeit Murat Yildiz auf sich, Beisitzer sind Merve Eksert, Salim Cavus, Faruk Arik und Bilge Güner.

Zum 25-jährigen Bestehen plant das Team eine größere Feier nach den Sommerferien, kündigt Al an. Ort und Zeit stehen allerdings noch nicht fest. Zunächst veranstaltet die Gemeinschaft in den letzten zwei April-Wochen eine Ausstellung im Rathaus an der Schubertstraße. Die Künstlerin Selda Tobur aus Bad Orb hat in der Türkei studiert und zeigt ihre Werke, Bilder in Öl und Aquarell. Dazu will sie auch Workshops anbieten. Der Kulturverein zählt derzeit 16 Familien, insgesamt 45 Personen. „Damit sind wir relativ konstant“, kommentiert die Vorsitzende beim Blick in die Mitgliederliste. Auf der Wunschliste des Führungsgremiums steht auch ein sonntäglicher Gitarrenkurs, der moderne türkische Musik vermitteln soll. Als Lehrer haben die Organisatoren bereits den Obertshausener Aktan Aktas gewonnen.

Die Gruppe steht für Weltoffenheit

In Zukunft sollen weitere Ausstellungen stattfinden, Lesungen und Musikabende wie zu Zeiten, als ihre Eltern den Verein führten. Damit hatte der „Türk-Alman Kültür Dernegi“ früher auf sich aufmerksam gemacht: Klänge auf historischen Instrumenten, Komponisten, die einen neuen Stil von Musik aus türkischen Regionen prägen, und Autoren, die ihre Bücher in zwei Sprachen vorstellten. Dazu reichten die Gastgeber kulinarische Spezialitäten aus ihrer Heimat. „Wir haben eine etwas andere Vorstellungen vom Leben, wir sind offen für alles, jeder ist bei uns willkommen“, erklärt Unternehmerin Al. „Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle, bei uns zählt der Mensch“, fährt die Kauffrau fort und fügt gleich hinzu, „wenn man möchte, versteht man sich“. Sie und ihre Gruppe stehen für Weltoffenheit. Zu den aktuellen Diskussionen um den Islam meint die Muslima, „manche interpretieren Vieles in ihren Glauben hinein“.

„Unwissen ist der Tod einer Gesellschaft“, plädiert sie für Bildung und Ausbildung. „Das Wichtigste ist, die Sprache in Wort und Schrift zu beherrschen.“ Fast sämtliche Mitglieder des Deutsch-Türkischen Kulturvereins seien hier geboren und zur Schule gegangen. Zwei machen gerade Abitur, die meisten anderen haben studiert. „Wir sind alle berufstätig“, skizziert Al die Runde. Sie selbst arbeitet viel am Telefon, „meine Gesprächspartner hören bei mir eher die Hessin raus als die Türkin“. Treffpunkt des Vereins sind die Räume im Hausener Feuerwehrgerätehaus. Dort wird an jedem zweiten Sonntag im Monat zur Förderung der Gemeinschaft gefrühstückt. Die Gruppe pflegt auch ein gutes Miteinander mit den anderen beiden von Landsleuten geführten Vereinen, der Moschee an der Alexander- und dem Türkisch-Deutschen Kultur- und Freundschaftsverein, der vor allem dem Folkloretanz frönt. Zu den Aktivitäten des Vereins sei jeder eingeladen – gleich welcher Religion oder Nationalität, betont Al.

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