Poesie und der Duft nach Toast

Robert Scheffner präsentiert sein Erstlingswerk im Büchertreff 

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Autogramme für kleine und große Fans: Bei seiner ersten Lesung verriet Autor Robert Scheffner den Besuchern viel über die Entstehung seines Erstlingswerks – das Bilderbuch „Cornell und der Toaster“.

Obertshausen - Selten findet eine Abschlussarbeit so viel Interesse in der Öffentlichkeit wie „Cornell und der Toaster“. Jetzt stellte Robert Scheffner, der Erschaffer der beiden Figuren, das Kinderbuch zum Animationsfilm vor – bei seiner ersten Lesung überhaupt im Büchertreff an der Schulstraße.Von Michael Prochnow 

Ein Dutzend Kinder hockt im Schoß seiner Mütter oder auf den ausgebreiteten Decken zwischen Regalen, Vitrine und dem Tisch mit dem Toaster. Einmal hat Monika Küchler schon zwei Scheiben geröstet und so den Buchladen mit dem typischen Duft erfüllt. Das passt zum ersten Kinderbuch von Robert Scheffner, und bei ihm ist’s umgekehrt: Erst war der Trickfilm da, dann kam das Bilderbuch mit den seitengroßen, gut ausgeleuchteten Fotos.

Als es entstand, arbeitete der heute 33-Jährige noch im Keller des elterlichen Reihenhauses. Er baute die Körper seiner Figuren mit Aluminiumdraht, die Köpfe formte er aus „Super Sculpey“, eine Art Modelliermasse, Silikon benutzte er für Hände und Hals. Auch die Kleider hat Robert selbst genäht, die Kulissen aus Styrodur gestaltet, einem feinkörnigen Poron.

Jede neue Bewegung hielt er mit seiner Spiegelreflexkamera, einer Canon 5D, fest. Am Stück abgespielt ergaben sie einen kleinen Film – und das Diplom an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design. Stop-Motion heißt die Technik für den Puppentrickfilm, für den der junge Künstler jetzt den Kinderbuchverlag Oetinger gewann.

Der Verlag bietet auf der Frankfurter Buchmesse eine Illustratoren- und Autoren-Sprechstunde. „Ich habe mich in die lange Schlange gestellt und kam als Letzter an die Reihe“, erzählt der Autor. Doch Geschäftsführer Till Weitendorf fand die Idee ganz klasse, so kam’s zur Zusammenarbeit. Robert Scheffner wollte schon immer Kinderbücher machen. „Ich liebe es, Geschichten zu erfinden, das Buch ist ein super-tolles Medium“, schwärmt er.

In dem Band geht der Toaster von Cornell kaputt. „Du fehlst mir so sehr“, trauert der Eigenbrötler und schippt ein Loch im Garten, um das Gerät zu beerdigen. Tags darauf findet er im Rasen ein Loch, der Toaster fort, die Spuren führen zum Nachbarhaus. Cornell schleicht sich rein und findet seinen Toaster in Teile zerlegt. Dann geht er zu Boden, der Nachbar hat geglaubt, er sei ein Einbrecher. Doch schon bald strömt der Duft von Toastbrot durch die Luft. Nachbar Sam lädt zum Frühstück ein, sie werden Freunde, schmieden Pläne, toasten Brötchen und Vollkornbrot und bereisen die Welt. „Alles zu dritt!“

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Vier weitere Konzepte liegen schon in Scheffners Schublade. Als Nächstes wird er mit eigenen Figuren für den Verlag Esslinger eine Geschichte rund ums Aufräumen realisieren. Daneben produziert der kreative Kopf mit Filzhut noch Industriefilme, Werbespots für einen Verlag, eine Krankenkasse und selbst für Audi sowie das Software-Unternehmen SAP. Auch einen Umschlag für eine CD von Kinderliedermacher Frederik Vahle hat er schon mit seinen Puppen gestaltet.

Die Arbeiten entstehen im Studio in den Samerwiesen, wo er das Atelier in der Werkstatt des Vaters nutzt. Der Noch-Offenbacher wird mit seiner Ehefrau im Juli wieder Obertshausener. Jetzt aber genießen die Besucher im Buchladen frischen Toast mit französischer Marmelade. Und wahre „Cornell“-Fans tragen einen Toaster als Anstecker an der Brust.

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