Gerichtsprozess

Fiese Ebay-Abzocke: Autohändler treiben falsches Spiel 

Die Betrüger steuerten ihre Firma von Obertshausen aus und kauften über eBay Autos, bezahlten aber nur zehn Prozent des vereinbarten Kaufpreises. (Symbolbild)
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Die Betrüger steuerten ihre Firma von Obertshausen aus und kauften über eBay Autos, bezahlten aber nur zehn Prozent des vereinbarten Kaufpreises. (Symbolbild)

Auf Ebay und mobile.de haben Auto-Händler aus Obertshausen versucht, mit einer dreisten Masche Geld zu machen. Das hat jetzt Konsequenzen. 

Obertshausen – Um eine Summe von rund 155 .000 Euro ging es bei drei Gebrauchtwagenhändlern, die gestern vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Ingrid Schroff auf der Anklagebank saßen. 

Als Firma in Form einer GmbH sollen sie überwiegend von Obertshausen aus Autos gekauft, aber nur zehn Prozent des vereinbarten Kaufpreises bezahlt haben. Außerdem sollen sie Gebrauchtwagen annonciert haben: Kunden zahlten an, erhielten aber kein Auto.

Obertshausen: Betrüger prellen Verkäufer von Autos auf Ebay-Kleinanzeigen

Staatsanwältin Isabelle Schad liest 134 Anklagepunkte vor. Danach hätten die Angeklagten im Sommer 2018 mit eBay-Kleinanzeigen im Internet nach Gebrauchtwagen gesucht. Den Verkäufern sei erzählt worden, die Autos an Kunden außerhalb der EU liefern zu wollen. Deshalb stelle man den Kaufvertrag nur über zehn Prozent der Summe aus, um die Zollkosten zu minimieren. Nach Überweisung der Summe werde man die fehlenden 90 Prozent in bar begleichen.

Für V. (22), den Eigentümer der GmbH, verliest dessen Verteidiger Bernd Schuster ein Geständnis. Nach sechs gekauften Autos und Lastwagen hätten die geprellten Verkäufer immer größeren Druck aufgebaut.

Deshalb habe man sich auf die Internetplattform mobile.de verlagert und dort Autos angeboten, die seine Firma zwar einmal besessen, aber längst verkauft habe. Interessenten habe man erzählt, sie sollten zum Zweck der Reservierung einen Teil des Kaufpreises vorab überweisen. So gingen etwa 3 .500 Euro für einen Lastwagen oder 7.000 Euro für einen Renault Magnum ein. Die Masche klappte 28 mal.

Auto-Betrüger bei mobile.de: Betrüger aus Obertshausen vor Gericht

Auf der Anklagebank sitzt auch der 30-jährige S., den die Anwälte Julian Heiß und Hartmut R. Fritz verteidigen. Er berichtet, nach einer Haftstrafe über drei Jahre und acht Monate, die er zu Beginn 2016 angetreten hatte, habe er im Autohandel des V. gearbeitet, um seine Idee der langfristigen Autovermietung - zwischen sechs Monaten und zwei Jahren - einzubringen.

Übers Internet habe sich ein Mann aus Paris gemeldet, der vier Autos gemietet haben soll. Alles habe geklappt. Schließlich habe der Pariser erklärt, 100 Autos für zwei Jahre mieten zu wollen. Die GmbH trat als Zwischenvermieter auf, mietete selbst bei einem großen Anbieter. Die Zahlungen aus Paris seien dann aber ins Stocken geraten, was die ohnehin nicht rosige Lage der Firma verschärft habe. Durch den Betrug habe man das finanzielle Loch stopfen wollen, bis das Geld aus Paris eintreffe.

Obertshausen: Betrüger gestehen Auto-Masche bei Ebay und mobile.de

"Wir kalkulierten Zins- und Anwaltskosten bei der Rückabwicklung und die Unzufriedenheit der Kunden ein", sagt der Fachabiturient S., der unter Tränen betont, nicht irgendeine schlechte Kindheit sei verantwortlich, dass er nun schon zum zweiten Mal vor Gericht sitze, "meine Eltern sind arbeitsame Menschen, die meinen Bruder und mich gut erzogen haben". Der Bruder B. (28) ist der dritte Angeklagte. Im Rückblick sei es ein großer Fehler gewesen, als Wehrpflichtiger das Bundeswehrangebot zur Offizierslaufbahn nicht angenommen zu haben.

Die sechs Kaufaktionen der Autos seien ähnlich verlaufen, wie ein Zeuge das gestern beschrieb. Die Angeklagten hätten erzählt, sein Lastwagen solle in den Iran gebracht werden. Die Einfuhrgebühr für Gebrauchtwagen sei hoch, weshalb man den Preis im Kaufvertrag auf 1.500 Euro statt 15. 000 Euro setzen müsse. Er sei auch der Bitte nachgekommen, den Preis in seiner Anzeige auf eBay anzupassen, "zur Vorlage beim Zoll". Das Auto solle er ans Zollamt nach Hanau fahren. Die Differenz zum eigentlich vereinbarten Preis werde man ihm dort in bar geben.

Dazu kam es nicht. Statt dessen übergab er einem der Männer den Schlüssel, damit der angeblich den Kilometerstand ablesen kann. Man vertröstete ihn auf das Geld. Ein Anruf bei der Polizei habe nichts gebracht. Diese habe auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen.

Der Prozess ist mittlerweile mit dem Urteil geendet

VON STEFAN MANGOLD

In Offenbach zocken Betrüger mit einem fiesen Trick die Monatsmiete ab. Der Fall wird immer größer.

Im Kreis Offenbach versuchen Betrüger im Moment, Bürgern mit Amazon-Gutscheinen Geld aus der Tasche zu ziehen.* Bei einem bestimmten Anrufer sollten Sie sofort auflegen.

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