Seit vielen Jahren in mehreren Vereinen aktiv

Günter Kämmerer: Ehrenamtliche Sportskanone

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Die Ausgaben von 1963 hat Günter Kämmerer bis heute aufgehoben.

Obertshausen - Immer weniger Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen. Viele aber finden seit vielen Jahren Erfüllung, Spaß und Geselligkeit in der Gemeinschaft. Einer von ihnen ist Günter Kämmerer, Mitglied der Turngemeinde Obertshausen (TGO). Von Michael Prochnow 

Es war der 1. Januar 1954. An diesem Tag trat Günter Kämmerer, gerade 14 Jahre alt, der TGO in seinem neuen Heimatort Obertshausen bei. Leichtatlethik ist bis heute sein Ding, im Dreikampf ist er kaum zu schlagen. Günter Kämmerer ist wohl der erste Obertshäuser, der zweimal, nämlich im Alter von 23 und 29 Jahren, die 100 Meter unter elf Sekunden gelaufen ist. Und darauf ist der gebürtige Frankfurter mit Recht stolz. „Damals hätte ich auch gerne Fußball gespielt“, verrät er, „aber ich durfte nicht“. Also spielte er vor der alten TGO-Turnhalle an der Heusenstammer Straße Faustball. Dahinter haben sich Jugendliche in Leichtathletik geübt. Günter ließ sich zum Kugelstoß überreden – und hat das Gerät weiter geworfen als all die trainierten Kameraden. Ein paar Tage später hat er beim Wingertsbergfest in Dietzenbach als Mitglied der TGO-B-Jugend den Wettbewerb gewonnen.

1963 wurde er Sieger des Feldbergfestes im 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Kugelstoß. Das war der Offenbach-Post Foto und Meldung auf der Titelseite wert. Auch mit der Mannschaft hat Kämmerer mehrmals gewonnen – allerdings startete er da im Trikot der Turngemeinde Dietesheim. „Die haben uns mit Musikkapelle und Festzug durch den Ort geführt“, erinnert sich Obertshäuser, der jedes Jahr (außer im vergangenen) erfolgreich die Prüfungen zum Deutschen Sportabzeichen ablegt. Mehr als 30 goldene zieren bereits seine Sammlung. „Das mache ich alles mit links“, lächelt der passionierte Sportler. „Die einzige Schwierigkeit ist das Schwimmen“, dazu muss er alle vier Jahre ins Becken.

Vor der Generalversammlung der TGO 1985 rang er erstmals mit sich, ob er denn einen Vorstandsposten annehmen soll. „Ich stand vor dem Spiegel und habe dann zu meiner Frau gesagt, wenn die keinen finden, mache ich einen Beisitzer.“ So begann die Karriere als Funktionär. Als Petra Fuchsberger 2001 das Amt der Ersten Vorsitzenden übernahm, bat sie ihn, ihr als Zweiter Vorsitzender zur Seite zu stehen. Der Schreibtisch ist nicht sein Freund. Also kümmert sich der Elektriker ums neue Vereinsheim, kennt jede Steckdose mit Namen, wechselt Leuchtkörper aus und säubert die Ziegel. „Weil ich als Antennenbauer keine Angst auf dem Dach hab“, erklärt er. Längst engagiert er sich auch in der evangelischen Kirchengemeinde, chauffiert seit 15 Jahren mit einem Kollegen ältere Christen zum Seniorenkreis oder ins Haus Jona, wo er im „Cafe Hoffnung“ mit anpackt. „Es macht Spaß, ältere Menschen zu betreuen.“

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Dann hilft Kämmerer samstags morgens noch beim Männerfrühstück, begleitet Bewohner mit Rollatoren von den Stationen. „Sie sind schon sehr dankbar, wenn man ihnen nur die Jacke überzieht.“ Corinna Seeger und Pfarrerin Kornelia Kachunga gestalten derweil ein kleines Programm, Günter und seine Ehefrau Marlene, Marie-Luise Kluge und Gisela Schreiber bewirten die Gruppe. Ferner räumen die Kämmerers den Saal des Bürgerhauses ein, wenn Frauen-Frühstück angesagt ist.

Mit 56 Jahren hat er dann doch noch angefangen zu kicken. „Bei der Leichtathletik ist nichts mehr los“, klagt er. „Einmal springen, einmal laufen, sonst nur warten“. Mit 60 hat er begonnen, Inliner zu fahren, rollte beim Frankfurt-Marathon mit einem Schnitt von mehr als 25 Kilometern pro Stunde. Die ersten Rollschuhe hat er mit 40 gekauft, weil er nicht länger neben seinen Kindern auf den Rädern herrennen wollte. „Joggen ist zu langsam – Inliner-Fahren gelenkschonend“, lehrt die Sportskanone.

Kämmerers Opa war der Bürgermeister von Obertshausen. Der junge Günter lernte in Offenbach den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers, wurde bald als „ungeeignet“ rausgeschmissen, bestand später aber bei Radio Schmitt die Meisterprüfung. Mit 25 machte er sich in der ehemaligen Babbscherei von Lothar Wilst selbstständig. 1976 eröffnete er seinen Laden an der Friedhofstraße, den er ’99 an zwei Mitarbeiter übergeben hat, um sich selbst verstärkt dem Ehrenamt zu widmen. Der Ehemann und Vater zweier Kinder, Opa eines Enkels ist auch Gründungsmitglied im Kreis freundlicher Fachgeschäfte. „Ich war immer da, eher im Hintergrund, aber immer zur Stelle.“ Und nach seiner Schulterverletzung werde man ihn bald wieder mehr auf Inliner sehen.

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