Nur wenige bereit zu aktivem Schutz

Ehrenamtlicher Hobby-Ornithologe Peter Erlemann gewährt Einblicke

Suche nach Brutplätzen: Der ehrenamtliche Hobby-Ornithologe Peter Erlemann gibt Ratschläge, was man beachten muss.
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Suche nach Brutplätzen: Der ehrenamtliche Hobby-Ornithologe Peter Erlemann gibt Ratschläge, was man beachten muss.

Naturs chutz in Obertshausen hat ein Gesicht. Es ist das von Peter Erlemann. Er ist seit 1978 der Ortsbeauftragte für Vogelschutz und in vielfältiger Weise für Flora und Fauna in der Region engagiert. Die Pandemie eröffnet auch ihm Gelegenheit, auf die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in der Gemarkung zu blicken. Sein Resümee vorab:

Obertshausen-Trotz „Fridays for future“ und großem Interesse am Klimawandel stehen nur wenige auf und schließen sich den erfahrenen Naturschützern an.

Der gelernte Fernsehtechniker, der 1949 in Kirchhain bei Marburg geboren wurde, kam 1976 durch den Beruf nach Hausen. Durch Kollegen knüpfte er Kontakt zur Vogelschutzwarte, die bis vor wenigen Wochen in Frankfurt-Fechenheim beheimatet war. Sie ernannte den Oberhessen zu einem von mehr als 1000 ehrenamtlichen Ornithologie-Beauftragten in Hessen. In dieser offiziellen Funktion informiert und berät er Kommunen und Bürger über Nistmöglichkeiten für Mehlschwalbe, Meisen, Kleiber und Trauerschnäpper.

Mit Helfern hat er fast 60 Nisthöhlen im Wald aufgehängt und Kotbretter unter Hausdächern installiert, „um den Bestand zu schützen oder zu erweitern“, erklärt er. Mit seiner Gruppe hat er spezielle Unterkünfte für Steinkauz, Schleiereule und Turmfalke geschaffen, um den gefährdeten Arten zu helfen – vor allem in Rodauaue und Herbäcker.

Daneben beantwortet er Anfragen zur Winterfütterung: Meisen und Finken bevorzugen Körner und gehackte Erdnüsse, Amseln und Rotkehlchen Weich- und Fettfutter, Rosinen und Haferflocken.

In jüngster Zeit wird der Experte zur naturnahen Gestaltung von Gärten zu Rate gezogen. Erlemann empfiehlt meistens eine Wiese, die nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird, Lebensraum für Insekten und Bienen bietet, die zum Bestäuben der Obstbäume benötigt werden.

Wer neue Stauden und Sträucher anschafft, sollte laut dem Hobbyornithologen seine Wahl den Bodenverhältnissen anpassen. Grundsätzlich schaffen Hagebutte, Weiß- und Schwarzdorn Lebensraum für Insekten und bringen Früchte für Vögel hervor. Auch an Berberitze, Liguster und Holunder siedle sich ein breites Spektrum der heimischen Tierwelt an.

Verletzte Jungvögel werden von Ehrenamtlichen in Rodgau, Maintal und im Offenbacher Waldzoo betreut.

Alle zwei Monate trafen sich Mitglieder des Deutschen Bunds für Vogelschutz, dem heutige Naturschutzbund, mit Aktiven von HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie) und der NAOM (Naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Obertshausen-Mosbach) zu Pflegearbeiten an Obstbäumen, Feldhecken und auf Streuobstwiesen auf der Hochbeune und am Gräbenwäldchesfeld.

Die zwei Hektar an der B 448 gelangten als Ersatz- oder Ausgleichsfläche für den Bau der Bundesstraße und der Erweiterung der Firma Karl Mayer in den Besitz der Stadt. In Absprache mit dieser und dem Bauhof schnitten die Freiwilligen Gras und Obstbäume. „Die Zusammenarbeit klappt in Obertshausen sehr gut“, lobt Erlemann. „Das ist nicht in allen Kommunen so.“

Gerade blockiert er den Trampelpfad am Gräbenwäldchesfeld mit Astschnitt aus Pflegemaßnahmen. „Neuntöter, Dorngrasmücke und Goldammer sind wertgebende Arten, selten und stark gefährdet“, lehrt der Fachmann. Auch die EU-weit geschützten Dorngrasmücke und Goldammer erfuhren eine „massive Bestandsreduktion“, klagt der Hobby-Ornithologe, „alles totgespritzt“.

„Früher gab’s die Feldlerche noch in mindestens fünf Revieren, jetzt habe ich gerade noch drei der Sänger auf der Hochbeune gezählt“, sagt er. Der Kenner registriert den Rückzug seit 1977 und führt ihn auf den Einsatz von Insektengiften in Monokulturen zurück.

Aber auch den Vereinen gehe es nicht besser: „Die Leute sind gealtert, wir können den Nachwuchs an den Fingern einer Hand abzählen“, beklagt er. „Man kriegt sie nicht hinter dem Ofen hervor.“ Dabei beobachtet er eine Modeerscheinung: „Viele Bürger sind mit tollen Teleobjektiven in der Natur unterwegs, wollen aber nicht aktiv im Verein mitmachen.“ (Michael Prochnow)

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