Eigene Vorschläge machen

SPD-Chef Manuel Friedrich liegt Diskussionskultur am Herzen

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Beim Laufen ist auch Manuel Friedrichs achtjähriger Dalmatiner Lucky gerne mit von der Partie.

Obertshausen - Mit dem neuen SPD-Fraktionschef Manuel Friedrich sitzt eine Sportskanone im Stadtparlament. Die Führungsqualitäten, die er sich auf dem Fußballplatz aneignete, will der begeisterte Langstreckenläufer auch in der Politik nutzen. Von Peter Back 

Beim Laufen ist auch Manuel Friedrichs achtjähriger Dalmatiner Lucky gerne mit von der Partie.

Auch wenn Manuel Friedrich, der frisch gekürte Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtparlament, in Frankfurt das Licht der Welt erblickte: Der 29-Jährige fühlt sich als waschechter Obertshausener Bub. Nach seiner Zeit in einer städtischen Kita startete er seine Tour durch Obertshausener Schulen: Sonnentau-Grundschule, Förderstufe der Joseph-von-Eichendorff-Schule, gymnasialer Zweig der Hermann-Hesse-Gesamtschule und die anschließende Oberstufe in der Georg-Kerschensteiner-Schule. Für seinen Traumberuf Veranstaltungskaufmann allerdings fuhr er täglich in seine Geburtsstadt zurück und arbeitet dort inzwischen in einer Eventagentur. Da es anscheinend zu seinem Naturell gehört, sich stetig neue Ziele zu setzen, studierte er berufsbegleitend, um als Sportfachwirt mehr Verantwortung übernehmen zu können. „Der Beruf bildet eine ideale Verbindung zu meinem Hobby“, findet der passionierte Langstreckenläufer, der schon mit vier Jahren beim TV Hausen kickte, bevor er zu Kickers Oberts-hausen wechselte.

Schon auf dem Fußballplatz liebte Friedrich Positionen, bei denen er führen und dabei den Überblick behalten konnte. Der klassische Libero war es in den Anfangsjahren seiner aktiven Fußballerzeit. Später, als die Raumdeckung auch in den Jugendmannschaften etabliert wurde, glänzte er als defensiver Mittelfeldspieler, der den Spielaufbau gestalten kann. Früh übernahm er darüber hinaus Verantwortung und trug bereits als Elfjähriger die Kapitänsbinde. Der Sprung in den Erwachsenenbereich blieb ihm verwehrt, denn ein Kreuzbandriss zwang den damals 18-Jährigen, seine sportliche Laufbahn zu unterbrechen. Allerdings entdeckte er während der Reha-Zeit das Laufen als alternative Sportart für sich. Bald waren ihm 30 Minuten Joggen aus dem Aufbautraining zu wenig. Sukzessive steigerte er die Streckenlänge, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis er seinen ersten Marathon lief. Respektable drei Stunden und 37 Minuten zeigte die Uhr am Zieleinlauf im April 2007 in Hamburg. Inzwischen hat er sieben Marathonläufe – darunter einen in New York – absolviert.

Konsequent und beharrlich war er auch beim Werben um Stimmen für sich und seine Überzeugungen im Kommunalwahlkampf. Sechs Wochen lang hat er zusammen mit seinen Parteikollegen fast 5000 Haushalte besucht, Blümchen und Parteiprogramme überreicht, Diskussionen geführt. Auch wenn er mit den meisten Stimmen gewählt wurde und so auf Listenplatz 1 stand, war er doch enttäuscht: über die geringe Wahlbeteiligung und das Ergebnis seiner Partei, die mit 21,4 Prozent acht Sitze hielt.

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Der Wunsch, mit Gleichaltrigen Begegnungsstätten wie Bolz- und Skaterplätze für Jugendliche einzufordern, ließ ihn 2006 in die SPD eintreten. Außerdem werde in der Partei der Diskussionskultur - ob zwischen den Mitgliedern oder mit den Bürgern - ein hoher Stellenwert eingeräumt, erzählt Friedrich. Rasch übernahm er auch in der SPD Verantwortung. Er bekleidete ab 2008 den Vorsitz der Jugendorganisation Jusos. „Bei der Kommunalwahl 2011 war ich auf Listenplatz 5 nominiert und wurde durch die direkt vergebenen Stimmen auf Platz 1 gewählt“, erinnert er sich an den Start seines politischen Schaffens im Parlament. Der stellvertretende Fraktionsvorsitz war für ihn die logische Konsequenz. Bei seiner ersten Rede vor fünf Jahren forderte er ein bessere Bürgerbeteiligung, in seiner jüngsten erläuterte er die Position seiner Partei zum Haushaltsplan. Die Möglichkeit, Ideen der Bürger aufzugreifen, aber auch, eigene Vorschläge zu machen und diese aktiv voranzutreiben, faszinieren ihn an der Lokalpolitik. Da passt es gut ins Bild, dass Manuel Friedrich sein Engagement bei den Naturfreunden mit der Position des stellvertretenden Vorsitzenden krönt.

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