Farbenfrohe Kreativität

Eine Familie – zwei Läden: Blumenladen von Familie Bratfisch

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Nicole Krüger sucht im Blumentransporter neue Ware aus, denn keine Pflanze, die verkauft wird, ist älter als zwei Tage.

Obertshausen - Seit den 1950er-Jahren ist der Name „Bratfisch“ nicht aus Obertshausen wegzudenken. Mit der Gärtnerei an der Hochbeune und dem Blumenladen im Rembrücker Weg macht die Familie bereits in der dritten Generation die Stadt farbenfroher. Von Yvonne Fitzenberger 

Was namentlich zusammengehört, sind aber zwei unabhängige Unternehmen. Im zweiten Teil geht es um die Floristinnen der Familie. Die automatischen Schiebetüren gehen auf und ein Mann kommt herein. Zielstrebig bewegt er sich auf den Tresen zu. „Ich hätte gerne einen Blumenstrauß für einen Geburtstag“, sagt er. „Welche Farben?“, fragt Nicole Krüger. Das sei egal. Krüger, geborene Bratfisch, nickt und weiß genau, welche Blüten sie für den Strauß benötigt. Sie läuft direkt zu den Vasen mit orangefarbenen Rosen; noch etwas Gelbes dazu – die passenden Töne für den Sommer. „Was man für Farben und Sorten wählt, hat man irgendwann im Gefühl“, sagt die 42-Jährige.

Krüger arbeitet seit 1997 im Familienbetrieb und das bereits in der dritten Generation. Ihre Mutter, Anni Bratfisch, übernahm das Geschäft von ihrer Schwiegermutter. Die Ausbildung absolvierte Krüger in einem Frankfurter Betrieb. „Es war mir wichtig, die Lehre woanders zu machen“, berichtet die zweifache Mutter, während sie den Strauß für den Kunden bindet.

In der dritten Generation verkaufen die Frauen der Familie Bratfisch bunte Gestecke und Kränze. Manche Obertshausenerin kennt das Geschäft seit der Kindheit und absolvierte sogar mal ein Praktikum bei Inhaberin Anni Bratfisch.

Die Rosen bilden den Mittelpunkt. Drum herum wickelt Krüger schmückendes Grün. Neben dem Farn verwendet sie Kräuter und Gräser. „Das ist gerade modern“, berichtet sie. „Vintage“ nenne sich der Stil, bei dem mehr wild wachsende Pflanzen in den Strauß mit eingearbeitet werden. Ja, auch beim Floristen gibt es Trends. „Kreativität muss in einem stecken“, sind sich Mutter Anni und Tochter Nicole einig. Es gebe Zeitschriften und Kurse, die einem die neuen Trends und Techniken zeigen, „aber man muss kreativ sein, um daraus etwas eigenes zu machen“, sagt Krüger. Dabei gehe es aber nicht darum, allein die eigenen Vorstellungen und den eigenen Geschmack umzusetzen, sondern auch auf die Kundenwünsche einzugehen.

„Vor Kurzem hat eine Kundin einen Gothic-Hochzeitsstrauß in Auftrag gegeben“, berichtet die 42-jährige Floristin, die sich auch für Aufträge begeistern kann, die nicht ihren eigenen Vorlieben entsprechen. Mit strahlenden Augen berichtet sie von der Zusammenstellung aus schwarzen Rosen und dunkelroten Dahlien. Ein Foto soll das stolze Ergebnis zeigen, aber „leider schaffen wir es nicht immer alles zu fotografieren“. Dabei sind Mutter und Tochter stolz auf ihre Arbeit und würden sie gerne für die Ewigkeit festhalten.

Nachdem alles zusammengebunden ist, knipst Krüger die Stiele ab. „Bei dem warmen Wetter ist es besser, wenn sie kurz sind“, erläutert sie. Denn so können die Blumen das Wasser besser aufnehmen und schneller in die farbenfrohen Blüten transportieren.

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Das Wissen eigneten sich Mutter und Tochter in ihrer Ausbildung zur Floristin an. Für Anni Bratfisch war es allerdings nicht die erste Wahl. „Ich bin durch meinen Mann zu dem Beruf gekommen“, erinnert sie sich. Zuvor arbeitete sie mitunter mit Lederwaren und in einem Büro. Der abwechslungsreiche Beruf als Floristin macht der 66-Jährigen sehr viel Spaß.

Krüger übergibt den Strauß an ihre Kollegin, denn der Lieferant ist gekommen. „Bei uns bleibt keine Blume länger als zwei Tage“, erläutert die 42-Jährige. Daher komme regelmäßig ein Lieferant vorbei. Auch auf den Blumenmarkt nach Frankfurt verschlägt es das vierköpfige Team in regelmäßigen Abständen. „Wir versuchen auch nach Möglichkeit, Pflanzen zu verkaufen, die in der Region gezüchtet werden“, betont Krüger. Diesmal benötigen die Floristen nichts vom Lieferanten. Dieser verabschiedet sich mit einem Lächeln – man kennt sich ja schließlich lang genug. In der Zwischenzeit füllt sich das Geschäft. Die nächsten Kunden warten schon auf die Floristinnen. „Ich hätte gerne einen Blumenstrauß zum Verschenken“, sagt eine junge Mutter. So etwas verschenke sie gerne, zusammen mit einem Wein aus dem Laden um die Ecke.

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