Eine Frisur zum halben Preis

Obertshausens Figaro Boni Carrasco startet Aktion zugunsten der vom Lockdown betroffenen Berufsgruppen

Boni Carrasco möchte Wirten, Köchen und Kellnern helfen.
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Boni Carrasco möchte Wirten, Köchen und Kellnern helfen.

Köche, Kellner und Lokalbesitzer bangen wegen der aktuellen Einschränkungen durch die Pandemie erneut um ihre Existenz. Aber auch Künstler sind davon betroffen. Deshalb kürzt Boni Carrasco Angehörigen dieser Gruppe derzeit im Salon Chamäleon vergünstigt das Haar.

Obertshausen – Der spanische Kult-Figaro an der Einfahrt zum Omega-Tunnel kennt diese Situation selbst. Wie alle Kollegen musste er im ersten Lockdown sein Geschäft für mehrere Wochen schließen. Und Carrasco fürchtet, dass er in dieser Woche bei einer möglichen Verschärfung der Maßnahmen durch Bund und Land oder spätestens bei den nächsten Corona-Wellen ebenfalls erneut betroffen sein könnte.

Boni Carrasco: „Viele von ihnen haben derzeit überhaupt kein Einkommen“

Außerdem sei sein Betrieb bis heute durch eine Großbaustelle auf der anderen Straßenseite beeinträchtigt, berichtet er. Sämtliche Parkplätze vor seiner Tür seien weggefallen, immer wieder einspuriger Straßenverkehr mit Ampelbetrieb eingerichtet worden, was die Abgase erhöht habe.

Mit dem aktuellen Lockdown habe es nun erneut die Gastwirte erwischt, aber auch Masseure, Trainer und Kinobetreiber, Kosmetikerinnen, Tätowierer und Discjockeys, Kulturschaffende und Veranstaltungstechniker. Ihnen und den besonders belasteten Berufsgruppen wie Paketboten oder Personal in Pflege und Reinigung bietet der bekannte Friseur an der Bahnhofstraße deshalb „Waschen, Schneiden, und Föhnen zum halben Preis“.

Die Menschen sind vorsichtiger geworden, sagen Termine kurzfristig ab

„Viele von ihnen haben derzeit überhaupt kein Einkommen“, weiß der Geschäftsmann Carrasco. Dabei hätten viele Unternehmer gerade in Gastronomie und der Bühne Hygienemaßnahmen nach höchsten Standards installiert, achteten auf Maske, Desinfektion und Abstand. Die von der Bundesregierung versprochenen Hilfen können nach jüngsten Informationen überhaupt erst ab dieser Woche beantragt werden.

Im Chamäleon werden Kunden aus den Risikogruppen in einem Separee bedient. Und es gibt ein Einbahnstraßen-System. Dennoch plagen auch Carrasco und seine Berufskollegen Sorgen: Viele Kunden blieben aus Angst zu Hause, vor allem seit die Covid-Ausbrüche im Logistikzentrum und im Haus Jona bekannt wurden. „Die Menschen sind vorsichtiger geworden, sagen Termine kurzfristig ab, auch wenn sie nur ein wenig erkältet sind“, berichtet der Haarschneider.

Derzeit können in seinem Salon noch alle vier Mitarbeiter beschäftigt werden. „Wir wollen den Leuten vermitteln, dass wir zusammenhalten“, betont der Inhaber und versucht, weitere Geschäftsleute für Hilfsaktionen zu gewinnen: „Die Leute leiden, weil es keine Feste und Treffen gibt, Theater und Kinos geschlossen sind.“ (Michael Prochnow)

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