Elend lässt keine Zeit für Pause

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In einem Feldhospital vor der Klinik in Bogo City hat Dr. Werner Haag auch Kleinkinder mit Prellungen, Hauterkrankungen, Erkältung und Traumata behandelt. - M./ Foto: p Der ehemalige Hausener Hausarzt Dr. Werner Haag praktiziert regelmäßig mit den German Doctors auf den Philippinen. Der Taifun Haiyan führt den medizinischen Wirbelwind jetzt mit der Hilfsorganisation LandsAid zur Nothilfe auf die Insel Cebu.

Obertshausen/Bogo city - Er nennt es schon „zweite Heimat“ und spricht von „Freunden“, wenn er von seinen Patienten und Kollegen auf den Philipinnen erzählt. Einmal im Jahr haust er sechs, acht Wochen auf einer Müllhalde und im Dschungel, um Bewohnern zu helfen. Von Michael Prochnow

Doch diesmal reiste er, kaum daheim,, erneut in den 7000-Insel-Staat. Haiyan war es, der Dr. Werner Haag keine Verschnaufpause gönnte. Der Taifun, der am 7. November über die Philippinen raste, dabei Tausende Todesopfer forderte und kaum ein Haus ohne Schäden zurückließ, rief den einstigen Hausener Hausarzt erneut auf den Plan. Eigentlich ist er regelmäßig als Mitglied der Hilfsorganisation German Doctors in den Elendsvierteln der Stadt Cebu tätig, fährt mit Jeep und einheimischen Mitarbeitern in den Regenwald.

In den abgelegenen Dörfern untersucht und behandelt er Menschen mit Verletzungen, typischen Krankheiten und Mangelerscheinungen. Als das Team kurz vor Haags Rückreise noch in den Bergen unterwegs war, wurde Cebu von einem Erdbeben erschüttert. „Der Kirchturm ist umgefallen“, sah der Arzt später, zum Glück waren jedoch keine Opfer unter der Bevölkerung zu beklagen. Das sollte sich gut 14 Tage später ändern. Haiyan zog eine Schneise der Verwüstung über die zentralen Inseln der Philippinen. Haag, dessen Organisation langfristige Unterstützung, aber keine Katastrophenhilfe leistet, las einen Aufruf von LandsAid.

Diese Vereinigung von Medizinern, Krankenschwestern und Pflegern ist spezialisiert auf Nothilfe, schnelle Einsätze nach Naturkatastrophen. „Ich kann doch nicht auf dem Sofa sitzen und die Füße hochlegen, wenn ich dieses Elend sehe“, erklärte er seiner Familie und machte sich erneut auf den Weg zum Flughafen. Sein Ziel: Bogo- City, rund 80 Kilometer nördlich seines gewohnten Standorts auf der Insel Cebu. Vor dem städtischen Hospital hatte die israelische Defence Force ein voll ausgestattetes Feldlazarett mit Operationssaal und Röntgengeräten aufgebaut. „Die Israelis leisten Nothilfe in den ersten Stunden“, lernte der erfahrene Helfer. Die LandsAid-Gruppe übernahm die Zelte vor dem Klinikbau, in dem zu diesem Zeitpunkt weder Strom noch Wasser flossen.

Zu seiner Mannschaft zählten Ärzte und Pfleger aus den Reihen des österreichischen und des slowakischen Arbeiter-Samariterbunds (ASB). Sie wohnten alle in einem Gesundheitszentrum im sechs Kilometer entfernten St. Remigio, wo sie auch verpflegt wurden. Bis zu zwölf Stunden am Tag behandelte das Dutzend Spezialisten aus Europa Einwohner, die zumeist mit Prellungen, Hauterkrankungen, Abszessen und Erkältungen in den Hof der Klinik kamen, weil sie in ihren Häusern ohne Dächer schliefen.

„Die schwersten Fälle hatten die Israelis schon versorgt“, berichtete der Helfer aus Hausen. „In der Region gab es glücklicherweise wenig Tote, dafür um so mehr Sachschäden“, konnte Werner Haag auch bei den Fahrten zu seinem Arbeitsplatz auf Zeit beobachten. „Zahlreiche Bewohner sind traumatisiert von dem höllischen Geräusch des Taifuns“, diagnostizierte der Sportmediziner. Er verschrieb den Betroffenen Beruhigungsmittel, dass sie wieder schlafen können.

Haag beeindruckte die große Dankbarkeit und der Fleiß der Philippinos. Mit diesem Charakter und Kettensägen hatten sie rasch die Straßen freigemacht und ihre Häuser mit Planen gedeckt. Das LandsAid-Team stiftete Wellblech für ein besonders stark in Mitleidenschaft gezogenes Dorf und praktizierte noch einige Tage in St. Remigio, bis die Klinik in Bogo City wieder einsatzbereit war.

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