Einzelkämpferin mit Ausdauer

Elke Kunde hat sich als Vorsitzende etabliert

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Elke Kunde liebt Gartenarbeit und findet darin Ausgleich zum stressigen Alltag.

Obertshausen - Die gebürtige Stuttgarterin Elke Kunde hat eine Gemeinsamkeit mit Kanzlerin Angela Merkel und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: Sie hat sich als eine der wenigen Frauen in der Politik durchgesetzt. Von Peter Back 

Für Elke Kunde ist ihr politisches Engagement selbstverständlich. Sie gehört seit vielen Jahren zu den wenigen Frauen in der Stadtverordnetenversammlung, die ganz vorne mitmischen. Das eint sie mit keiner geringeren als Bundeskanzlerin Angela Merkel, erste weibliche Kanzlerin Deutschlands und Arbeitsministerin Andrea Nahles, die einen der fünf Ministerposten des 15-köpfigen Bundeskabinetts innehat. Wie ihre bundespolitischen Pendants, hat also auch Elke Kunde gelernt, schwierige Situationen auszuhalten. In der letzten Legislaturperiode saß sie als Einzelkämpferin alleine für die FDP im Stadtparlament.

Als Tochter eines selbstständigen Gas- und Wasserinstallateurmeisters wuchs die 1968 in Stuttgart Geborene am Fuße des Fernsehturms im Stadtteil Degerloch auf. Ganz bodenständige Schwäbin sollte sie den elterlichen Betrieb übernehmen, zog jedoch nach Realschule und drei Jahren beruflichem Gymnasium das Studium an einer Berufsakademie in ihrer Heimatstadt vor. Kunde wurde Diplom-Betriebswirtin mit den Schwerpunkten Konzernrechnungslegung und Marketing.

Das Bedürfnis, sich politisch zu engagieren kam kurz vor der Wende, im Jahr 1989. Damals ließ sich die junge Frau die Programme aller Parteien zuschicken. Bei der FDP fand sie die meisten Schnittmengen mit ihren eigenen Überzeugungen. Insbesondere der selbstbestimmte Ansatz, der auf die Eigenverantwortung der Bürger setzt und ihnen zutraut, selbstständig gestalten zu können sowie die ausgeprägte Diskussionskultur bei den Liberalen überzeugten sie. Eine freie IBM-Stelle lockte sie beruflich ins Rhein-Main-Gebiet, sodass sie 1990 in eine Einzimmer-Wohnung am Rand der Altstadt Neu-Isenburgs zog. Der Liebe wegen sollten es bald einige Quadratmeter mehr sein. „Ein Kommilitone, der in Obertshausen aufgewachsen war, hatte mir während der Studienzeit immer wieder vom legendären Freibad vorgeschwärmt“, erinnert sich Kunde. Eine passende Annonce tat ihr Übriges, sodass sie 1992 ihren Lebensmittelpunkt nach Obertshausen verlegte.

Der Kontakt mit Ulrich Mayer, dem Urgestein der Oberts- hausener Liberalen, bildete die Grundlage für ihren weiteren politischen Weg. Erst war sie Beisitzerin im Ortsverband, dann Schatzmeisterin, stellvertretende Vorsitzende und schließlich wurde sie zur Vorsitzenden des Ortsverbandes bestimmt.

Versprochen - gebrochen: Die bekanntesten Wahllügen

Wie ins kalte Wasser geworfen fühlte sie sich, als sie gleich an ihrem ersten Tag im Parlament zur Vorsitzenden des Sozialausschusses gewählt wurde. „Ich hatte von der Thematik wirklich wenig Ahnung“, räumt sie ein. Mit der ihr eigenen Akribie und ihrem Fleiß arbeitete sie sich rasch in das Themengebiet ein. 2001 wurde sie zur ehrenamtlichen Stadträtin in den Magistrat gewählt. In der vorletzten Legislaturperiode bekleidete sie den Vorsitz des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses und begleitete das Stadtentwicklungsprogramm.

Den Absturz 2011 in der Wählergunst auf 3,4 Prozent und damit auf ein Drittel des vorherigen Ergebnisses begründet sie mit dem Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima. Und die engagierte Lokalpolitikerin ließ sich nicht von ihren politischen Idealen abbringen und hielt im Parlament allein die Stellung. Von der Niederlage konnte sie auch etwas positives abgewinnen. „Der große Verlust an Unterstützung hatte innerhalb der Partei eine fruchtbare Diskussion über ein neues Leitbild angestoßen“, erzählt Kunde. Ausgleich zum Alltag findet sie bei Fahrradtouren an den Ufern von Flüssen wie Neiße, Rhein und Donau.

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