Die Gruppe für Demenzkranke „Die Herbstzeitlosen“ beginnt wieder mit ihren Treffen

Entlastung für die Angehörigen

Boxer Cuba ist mit dabei: Die Awo-Gruppe begrüßt Ersten Stadtrat Michael Möser (rechts).
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Boxer Cuba ist mit dabei: Die Awo-Gruppe begrüßt Ersten Stadtrat Michael Möser (rechts).

Frauen und Männer sitzen an Tischen unter einem riesigen Herz mit Fotos darauf. Die Besucher plaudern angeregt und lachen laut. Boxer Mischling Cuba schlängelt gemächlich um die Stuhlbeine, verharrt, wenn jemand ihm den Nacken krault.

Obertshausen – Die „Herbstzeitlosen“ haben hohen Besuch, Mitglieder des Vorstands der Arbeiterwohlfahrt (Awo) begrüßen im Bistro des Horst-Warnecke-Hauses Vertreter der Stadtführung, die sich über das wiedereröffnete Angebot für Demenzkranke informieren wollen.

Zum Neustart sind Begegnungen reduziert

Die Initiative stammt von Ursula Stadler, die damals zum Leitungsteam der sozialen Dienste in der Awo zählte. 2003 ging die Gruppe als erstes Projekt dieser Art im Kreis Offenbach an den Start. Sie führte auch zu einer der ersten Kooperationen auf kommunaler Ebene: Die Städte Obertshausen und Mühlheim, wo die Awo ebenfalls Treffen für Demente anbietet, schlossen sich zur Finanzierung des Projekts zusammen, 2014 wurden die ersten Verträge unterzeichnet. Auch der Kreis und die Pflegekassen beteiligen sich.

Bis zum Beginn der Pandemie-Maßnahmen liefen drei Termine pro Woche in dem Zentrum an der Seligenstädter Straße in Hausen, zwei in den Awo-Räumen an der Fährenstraße der Mühlenstadt. Qualifizierte Kräfte und ehrenamtliche Begleiter basteln mit den Menschen, die Erinnerungen verloren haben, malen, singen, kochen und unternehmen Ausflüge. Die Aktivitäten dienen auch der Entlastung der Pflegenden, die meistens Angehörige sind.

Zum Neustart, den die Politik jüngst gewährte, sei die Begegnung reduziert auf fünf Gäste pro Gruppe, erläutert Silvia Acemi vom Awo-Führungsgremium. „Die Gäste und die Mitarbeitenden müssen doppelt geimpft sein, damit wir auf der sicheren Seite sind.“ An den Tischen hat jemand ein Ratespiel angeregt. Sie sammeln „Essbares, das mit A anfängt“, dann Tiere, Städte und Vornamen.

„Wir wollen, dass sie sich wohlfühlen“, erklärt Acemi. Gymnastik ist auf Abstand wieder möglich. Die Helfer Marlis Denker, Mara Schröder und Elisabeth Kress lesen auch regelmäßig vor, „kurze Geschichten kommen gut an“, sagen sie. Ins Freie zieht es die Runde, wenn es das Wetter zulässt, im Park am Rathaus genießen sie auf Bänken Blumen und Grün.

„Das Thema Tier fördert Gespräche und Erinnerungen“

Im Vier-Wochen-Rhythmus wollen sie ihr Angebot entsprechend der Corona-Verordnungen erweitern, bestätigt Fachbereichsleiterin Ulla Moser. Früher konnten zehn bis 15 Personen kommen, das geben die Räume unter den Bedingungen nicht her. Manche Betroffene nahmen an allen Tagen teil – auch das sei jetzt nicht mehr möglich. Zum Glück darf Cuba dabei sein, „der Hund tut Gästen wie Mitarbeiterinnen gut, holt sich seine Streicheleinheiten ab“, schildert Leiterin Moser. „Das Thema Tier fördert Gespräche und Erinnerungen und spricht die Gefühlsebene an.“

In Zukunft möchte die Arbeiterwohlfahrt Wohngemeinschaften für Demenzkranke mit einer 24-Stunden-Betreuung führen, schmiedet Awo-Chef Rudolf Schulz Pläne, „das diskutieren wir schon zwei Jahre“. Anvisiert war ein Grundstück an der Waldstraße, auf dem auch ein Kindergarten gebaut werden sollte. Nach dem Scheitern des ersten Anlaufs wegen eines Mix aus privaten und kommunalen Flächen suchen Awo und Stadtregierung ein neues Grundstück und einen Investor, heißt es. (Michael Prochnow)

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