DHL zieht positives Fazit

Erfolg des Paketzentrums belastet Autofahrer

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Mit einer bebauten Fläche von 37.000 Quadratmetern und 150.000 Quadratmetern insgesamt ist das Paketzentrum Deutschlands größter DHL-Standort.

Obertshausen - Vor zwei Jahren hat das DHL-Paketzentrum im Gewerbegebiet Herbäcker seinen Betrieb aufgenommen. Jetzt zieht der Logistiker ein positives Fazit. Doch aus der Nachbarschaft kommt auch Kritik. Von Thomas Holzamer und Claudia Bechthold

Zwei Jahre ist es her, seit der gelbe Riese im Obertshausener Gewerbegebiet Herbäcker seinen Betrieb aufgenommen hat. Seither hat sich Deutschlands größtes Paketzentrum, das auch europaweit zu den Riesen zählt, aus Sicht des Betreibers DHL wie geplant zum Vorzeigebetrieb entwickelt. So entstehen derzeit zwei weitere solcher Groß-Standorte in Bochum und Ludwigsfelde bei Berlin. Bis zu 50.000 Pakete können die Sortieranlagen des Giganten pro Stunde bearbeiten. Eine Leistung, die man angesichts der aktuellen Zuwächse auch benötige, wie DHL-Pressesprecher Stefan Heß erläutert. Ein Plus von zehn Prozent verzeichnen die Obertshausener aktuell, erwartet hatte man ursprünglich etwas weniger, wie der Leiter des Paketzentrums, Holger Rehberg, erläutert.

Doch ausreichen dürften die Kapazitäten der Anlage auch für zukünftige Herausforderungen. Rund 41.000 Pakete haben die Obertshausener in der Vorweihnachtszeit bereits in der Stunde gehabt. Bis im täglichen Betrieb jedoch die Kapazitätsgrenze von 50.000 Stück erreicht wird, dürfte es selbst bei den aktuellen Zuwächsen wohl noch ein, zwei Jahre dauern, schätzt Rehberg. Mit der stetig wachsenden Zahl der Pakete wird auch der Verkehr rund um das Paket-Zentrum weiter zunehmen. So werden an den mehr als 330 Laderampen des Giganten täglich rund 400 Lkw und Transporter be- und entladen. Und die müssen bei der An- und Abfahrt zum überwiegenden Teil durch das Nadelöhr L 3117, an dem sich auf gerade einmal 500 Metern gleich drei Ampeln aneinander reihen. Dieser Verkehr zu den Stoßzeiten stellt bereits jetzt ein Ärgernis für viele Autofahrer dar, die aus Richtung Heusenstamm kommen.

Kritik an der Situation mit der Auffahrt zur A3 äußert auch Heusenstamms Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu. Allerdings: „Wir wissen aber auch, dass es in Deutschland Jahrzehnte dauert, bis an einer Infrastruktur etwas verändert wird.“ Hauptproblem ist auch aus seiner Sicht, dass der Verkehr in den Hauptzeiten nicht auf die A3 abfließen kann. Bei DHL sieht man das Problem derweil weniger kritisch. So beschränke sich das Gros der Fahrten auf die Nachtstunden zwischen 21.45 und 23 Uhr sowie auf den frühen Morgen zwischen 6.30 und 8 Uhr. Da habe man in der Vergangenheit auch schon nachgebessert, sodass die Transporte vor allem in den Morgenstunden inzwischen früher fahren, erklärt Heß.

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Ein Problem sei natürlich immer noch der Mangel an Plätzen, auf denen die Fahrer der Lkw ihre Pausen machen könnten, bestätigt Holger Rehberg. „Wir brauchen nicht nur eine Erweiterung der A3, sondern vor allem Parkplätze für Lkw“, sagt er. Da diese auch in der näheren Umgebung um das Paketzentrum selten sind, hat die DHL einige Haltemöglichkeiten zusammengefasst und ihren externen Spediteuren an die Hand gegeben. Mehr könne man an dieser Stelle jedoch nicht tun, erläutert Stefan Heß und sieht ebenfalls das Land Hessen in der Pflicht für mehr Parkplätze entlang der Autobahnen zu sorgen. Denn auf dem weitläufigen Firmengelände könnten die Fahrer der externen Speditionen über Nacht nicht stehen, da dies aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen gestattet werden könne.

Das sieht Obertshausens Bürgermeister Roger Winter anders. Zwar sei man gemeinsam mit der Nachbarkommune Heusenstamm mit dem Land im Gespräch, um auf den Ausbau der A3 zu drängen, „aber nur zu sagen, Stadt und Land sollen was tun ist dann doch etwas zu einfach“, sagt er. Denn wenn die Geschäfte so gut laufen, wie DHL stolz verkünde, sollte sich das Unternehmen auch den nötigen Wachdienst leisten können, um den Fahrern das Übernachten auf dem Firmengelände erlauben zu können, findet Winter.

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Auch Hajdu, beklagt dass im Gewerbegebiet Herbäcker nicht genügend Parkplätze für Lastwagen vorhanden sind. In der Folge suchten die Fahrer Plätze in den Nachbargemeinden – zum Beispiel im Heusenstammer Gewerbegebiet Zwerggewann/Martinsee. Zig Laternen wurden dort bereits von Lastwagen beschädigt. Inzwischen sind diese durch Betonblöcke gesichert. „Wir werden jetzt einen Seitenstreifen als Parkplätze für Lastwagen ausweisen“, kündigt Hajdu an. Ansonsten gibt es Parkverbote.

Georg Duwensee, kaufmännischer Leiter der gleichnamigen Spedition aus Heusenstamm, bestätigt, DHL sei sehr bemüht, die Verkehrssituation rund um den Standort nicht zu verschlimmern. Man habe bereits viel getan, um den Lieferverkehr des Zentrums auf die Randzeiten zu begrenzen, sagt er. Zur Parksituation macht er den Vorschlag, zur Planung von Gewerbegebieten künftig die Stellplatz-Satzung so zu ändern, dass nicht jede Firma auf dem eigenen Gelände Plätze ausweisen muss, sondern über eine Ablösung einen „Parkplatz-Pool“ zu schaffen, der für alle Unternehmen nutzbar ist und auch genügend Raum für große Laster lässt.

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