Erinnerung an den Mauerfall

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Dr. Johann Zilien vom Hessischen Hauptstaatsarchiv (links) eröffnete am Montag Abend die Ausstellung „20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, die noch bis zum 5. Februar zu den Öffnungszeiten des hausener Rathauses an der Schubertstraße zu sehen ist.

Obertshausen ‐ Zwei Jahrzehnte sind schon wieder vergangen, seit dem in Berlin die Mauer fiel. Vieles werde rasch vergessen, erinnerte Bürgermeister Bernd Roth, doch jeder wisse noch, was er am 9. November 1989 getan habe, als die Meldung von der Öffnung der innerdeutsche Grenze die Nachrichten bestimmt habe. Von Michael Prochnow

Roth eröffnete am Montagabend gemeinsam mit Dr. Johann Zilien vom Hessischen Hauptstaatsarchiv die Ausstellung „20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“. Sie ist bis zum 5. Februar zu den Publikumszeiten im Rathaus an der Schubertstraße zu sehen.

Hessen sei aus Thüringen hervorgegangen, erinnerte der Gast an die heilige Elisabeth. Die Tochter des ungarischen Königs unterstützte im 13. Jahrhundert die Franziskaner in Eisenach und baute nach dem Tod ihres Mannes, des Landgrafen Ludwig, in Marburg ein Hospital. Die enge Verbindung der beiden Bundesländer wurde am Nikolaustag 1989 neu belebt, also gerade mal vier Wochen nach dem Mauerfall.

Zu dieser Zeit existierten in den Grenzen des heutigen Thüringens die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl.

USA unterstützten den Zusammenschluss

Dennoch bewilligte die Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Walter Wallmann als erstes eine Aufbauhilfe Ost und stellte 250.000 D-Mark für soziale und wirtschaftliche Hilfe bereit. Dr. Zilien hob bei einem Rundgang die entscheidenden Glücksfälle hervor, die zum 3. Oktober 1990 führten: Dass den friedlichen Demonstranten nicht mit Gewalt begegnet wurde, der Versprecher Günter Schabowskis zugunsten einer „unverzüglichen“ Öffnung der Grenzen und das Einverständnis für die Vereinigung nach den „2 plus 4“-Gesprächen.

Die USA unterstützten den Zusammenschluss von Anbeginn an. Der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschows stimmte unter der Bedingung zu, dass Deutschland seine Ostgrenze endgültig anerkenne. Auch Engländer und die französischen Freunde verzichteten schließlich auf ein Veto, obwohl sie eine Zwei-Staaten-Lösung bevorzugten. 1990 war die letzte DDR-Regierung eine frei gewählte und eine große Koalition aus CDU und SPD. Angela Merkel sei damals übrigens stellvertretende Pressesprecherin in Ost-Berlin gewesen, erklärte der Gast im Rathaus. Das Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden erwarb 20 Tafeln von der Bundesstiftung zu Aufarbeitung der SED-Diktatur, die vor einem dreiviertel Jahr zunächst in der Hessischen Staatskanzlei gezeigt wurde. Archivoberrat Zilien hatte dazu zwei weitere Schauwände speziell zur Verbindung der beiden heutigen Länder gestaltet. Sie erwähnen auch die gemeinsame Landesbank und den „Point Alpha“, ein Museum um die Grenzanlage bei Rasdorf in der Rhön.

Reich illustrierte Broschüre

Die Schau beginnt mit der „Scheinstabilität“ in der DDR, ein paar sozialen Errungenschaften. Sie dokumentiert die Realität einer unzufriedenen Bevölkerung und gefälschter Kommunalwahlen. Bürger wurden verstärkt in die Trabantenstädte geschickt, die Altstädte vernachlässigt, die Umweltverschmutzung stieg an. Es folgte der „Abschied“ mit vielen Ausreiseanträgen und die Flucht in die westdeutschen Botschaften.

Zu der Wanderausstellung liegt eine reich illustrierte Broschüre vor, die auch in Klassensätzen für interessierte Schülergruppen bestellt werden kann. Bürgermeister Roth empfahl die Geschichtsaufarbeitung auch dem Nachwuchs und erwähnte die Situation anno 1989 in Meiningen. Darüber informieren am kommenden Sonntag beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus Gäste aus der thüringischen Partnerstadt.

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