Ergebnisse von Wettbewerb im Rathaus

Familienzentrum: Billiger als Elbphilharmonie

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So könnte es einmal aussehen, das Familienzentrum Vogelsbergstraße. Die Pläne der bestplatzierten Architekten sind im Rathaus an der Schubertstraße noch bis zum 24. März zu besichtigen.

Obertshausen - Das Projekt Familienzentrum Vogelsbergstraße ist gedanklich schon weit fortgeschritten. Wer sich für das Thema interessiert, wird im Rathaus Schubertstraße fündig. Dort hängen ab sofort die Pläne eines Architekturwettbewerbs aus. Von Stefan Mangold 

Die vier Erstplatzierten machen sich Hoffnung, am Ende den Auftrag zu ergattern. „In drei Jahren muss der erhoffte Meilenstein in der Stadtentwicklung fertig sein“, betont Bürgermeister Roger Winter. Bis 2020 fließen noch Fördermittel von Land und Bund. Gleich mehrere Gruppen sollen im neuen Zentrum Platz finden. Zwar wird der aktuelle Nachwuchs, der im Tausendfüßler-Kindergarten an der Seligenstädter Straße morgens einläuft, vom Umzug nichts mehr haben, die Erzieherinnen dürften aber aufatmen, können sie doch die beengten Verhältnisse endlich hinter sich lassen.

Nicole Luque, die Tausendfüßler-Leiterin, war ebenso wie Micha Sendelbach und Renata Menga von der Sonnentauschule beratend dabei, als das Preisgericht tagte, um zu entscheiden, welche der 14 Bewerbungen am Ende vorne liegen. Die Betroffenen bei der Planung hinzuzuziehen, senkt die Gefahr von Schildbürgerstreichen erheblich. Die beiden Stadtverordneten und Jurorinnen Martina Biehrer (CDU) und Julia Koerlin (SPD) berichten, dass die Diskussionen zur Preisvergabe, die sich über einen ganzen Tag zogen, angenehm sachlich und harmonisch verliefen.

Neben den Tausendfüßlern und der Krippe für Kinder unter drei Jahren soll auch die Mensa der Sonnentauschule von nebenan im Familienzentrum unterkommen. Die Vorgabe an die Architekten: Alle unter einem Dach, doch gleichzeitig voneinander getrennt. Das hängt vor allem mit Haftungsrecht und Aufsichtspflicht zusammen und mit der Frage, wer wo nach welchem Kind schaut. Auch Vereine könnten Räume nutzen, wenn die Kinder abends aus dem Haus sind. Die Stadt betrachtet das Thema jedenfalls „als optional“.

Architekturtrend: Energetisches Sanieren

Was bei den vier prämierten Entwürfen auf den ersten Blick auffällt: alle deckt ein Flachdach ab. In den 70er Jahren war das schon einmal Mode. Bungalows galten so lange als schick, bis immer mehr Hausbesitzer am Mittagstisch zusahen, wie es von der Decke in die Suppenschüssel tropfte. „Das passiert heute nicht mehr“, verspricht der Architekt Nicolas Bahnemann aus Kaiserslautern, der mit seinem Kompagnon Denis Andernach den Wettbewerb gewann. Zum einen verfüge das Dach über ein Gefälle von zwei Prozent. Das Wasser fließe also ab. Zum anderen sei das heute verwendete Material mit dem aus früheren Zeiten nicht mehr vergleichbar. Die beiden, die zusammen studierten, kennen sich in dem Metier aus. Vor Kurzem bauten sie eine Kindertagesstätte in Trier. Im Entwurf mit einer durch Holz und Alufenster verkleideten Fassade kam es dem Baumeisterduo auch auf den städtebaulichen Kontext an. Das Familienzentrum soll „ein Pendant zum Altenpflegeheim auf der gegenüberliegenden Straßenseite bilden“. Die Funktion des Hauses, das über zwei Innenhöfe verfügt, erschließt sich auch für den Passanten, der draußen vorbeiläuft.

Der erste Platz beim Wettbewerb bedeutet zwar noch nicht den Auftrag, aber er verbessert die Chancen im Vergabeverfahren. Außerdem lässt sich durch das Preisgeld zumindest der Aufwand decken, der im Entwurf steckt. Was den Betrag betrifft, der auf der Rechnung steht, wenn die letzte Lampe hängt, will Bürgermeister Roger Winter beruhigen: „Es wird billiger als die Elbphilharmonie“, feixt er. Die Entwürfe der Erstplatzierten hängen noch bis zum 24. März im Rathaus-Foyer (Schubertstraße 11) aus.

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