Farbe, wo sie nötig ist

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Alice Schütte hat gut Lachen. Ihre Kunst lässt sich nicht festlegen, was bei Ausstellungen stilistische Langeweile verhindert.

Obertshausen - „Ich male immer, was mich gerade fasziniert.“ Diese Einstellung von Alice Schütte zu ihrem Hobby hat das Hausener Rathaus-Foyer an der Schubertstraße in eine Galerie verwandelt.

Ganz unterschiedliche Stile und Motive prangen an den Stellwänden der Ausstellung, die Erster Stadtrat Hubert Gerhards eröffnet hat. Ein Löwe in der Steppe, eine enge Piazza eines italienischen Städtchens und schäumende Wellen verbreiten zudem erfrischende Urlaubsatmosphäre zwischen den Amtsstuben. „Wir dürfen teilhaben an ihrem künstlerisch-kreativen Schaffen“, dankte der Politiker dem Talent, das den nüchternen, funktionalen Zweckbau einer weiteren Nutzung zuführt. „Sie bringen Farbe ins Rathaus, und das kann Farbe vertragen“, freute sich Gerhards, dass neben dem Künstlerkreis eine ganze Reihe von Kunstschaffenden ihre Werke hier präsentieren.

Alice Schütte, Jahrgang 1967, wurde in Frankfurt-Höchst geboren, malt seit 1973, „als andere mit Puppen gespielt haben“, unterstreicht sie ihre frühe Liebe zu Pinsel und Palette. 1985 gestaltete sie Schaufenster und stellte Dekorationsobjekte für den Fachhandel in Frankfurt her. 1995 begann sie eine Ausbildung im Atelier Schuh in der Mainmetropole, dann bildete sie sich an der Faber-Castell-Akademie in Nürnberg weiter. Viele Maltechniken brachte sie sich die Autodidaktin jedoch einfach selbst bei. Seit 1999 ist sie freischaffende Künstlerin.

Im Jahr 2000 stellte sie ihre Bilder erstmals im Atelier Venus in Offenbach aus, wo sie eine Zeitlang lebte, bevor sie vor fünf Jahren nach Hausen zog. Seit 2002 ist die Sport- und Kunstlehrerin an der Bieberer Geschwister-Scholl-Schule auch Dozentin für Mal- und Zeichentechnik, gibt Kurse mit Aquarell, Kohle und Farbstift für Erwachsene und Kinder. Mit der Kinder- und Jugendfarm verwirklichte sie ebenfalls ein Kunstprojekt. Seit zehn Jahren beteiligt sich Alice Schütte mit Ausstellungen am Künstlermarkt und an den „Kunstansichten“ in der Lederstadt.

Im Allianz-Gebäude startete die Malerin 2010 eine Wanderausstellung, die sie nach Darmstadt, Speyer, Saarbrücken und Kassel führte. Im heimischen Atelier im Garten von Jörg Engelhardt zeigte die Pädagogin Sonnenuntergänge. Im Rathaus laden Aquarelle zum Träumen ein, ein Haus am Meer hinter einem Blütenzauber, ein See vor der Alpenkulisse in Pastellkreide und ein Stilleben aus Tusche.

Aktuell hat sich Alice Schütte den Acrylfarben verschrieben. In Blautönen entstanden Akte, das Offenbacher Capitol, Winterlandschaften im Taunus und die abstrakte „Familie“ - verkörpert durch Kegel unterschiedlicher Größe. „Lust auf Farben“, so beschreibt sie das. Auch das sei so eine „Phase“. Jüngst hat es ihr Schloss Wolfgarten bei Langen angetan. Mit einem Spiel aus Licht und Grüntönen schuf sie Tiefe.

„Ich möchte Stimmungen einfangen“, erklärt die Künstlerin, „dann ist da aber auch meine perfektionistische Seite“, bricht die Lehrerin hervor. Das ist der geeignete Zeitpunkt, zu ihrem Mal-Event einzuladen: Am 25. Mai gibt sie in einem kleinen Bistro in Flörsheim bei einem Vier-Gänge-Menü einen Einstieg in die Techniken ihres Hobbys.

Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, beweist die 15-jährige Tochter Michelle. Die Siegerin im regionalen Wettbewerb „Jugend musiziert“ bereicherte die Vernissage mit aktuellen Hits und anspruchsvollem Gesang. Die Bilder von Alice Schütte sind noch bis zum 12. April zu den Öffnungszeiten des Verwaltungsgebäudes zu bewundern.

M .

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