„Babbscher“-Vorsitzender Andreas Murmann

Ein-Mann-Forschungsgruppe

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Auf den Spuren der Fastnacht: Andreas Murmann, Vorsitzender der „Elf Babbscher“.

Obertshausen - Andreas Murmann ist waschechter Fastnachter – und seit Kurzem eine Art Hobbyhistoriker. Sein Spezialgebiet: die Obertshäuser Fastnacht. Für das neue „Babbscher-Blättche“ sucht er noch nach Fotos und vor allem nach Namen. Von Lena Marie Jörger 

Aufgeregt klickt sich Andreas Murmann durch die vielen Schwarz-Weiß-Fotos auf seinem Laptop. „Hier!“, ruft er und zeigt auf den Bildschirm. „Das ist ein Foto von der Garde aus den 50er Jahren.“ Mehrere digitale Ordner füllen die Bilder mittlerweile. Und doch sind es nicht genug. Murmann, Vorsitzender des 1. Obertshäuser Karnevalsverein „Die Elf Babbscher“, ist ständig auf der Suche nach alten Fotos und anderen Dokumenten über die Fastnacht, wie sie früher war. Damit es besser klingt, gründete er innerhalb des Vereins die „Forschungsgruppe Fastnacht“ – ein Name, der hochtrabender klingt als das, was er umschreibt: Eigentlich besteht die „Gruppe“ nämlich nur aus Murmann selbst. „Ab und an hole ich mir Leute dazu, zum Beispiel meine Frau“, sagt er. Seine Funde veröffentlicht er im Babbscher-Blättche, das der Vereinsvorsitzende mit seinem Bruder und Stellvertreter Oliver Murmann und Schriftführer Steffen Harzer erstellt und das dann kostenlos in Geschäften in der Stadt ausliegt.

Murmann wirft im Blättchen alljährlich einen Blick in die Geschichte der Obertshäuser Fastnacht. Schwerpunkt in diesem Jahr: Kinderprinzenpaare, die von 1980 bis 2002 regelmäßig gewählt wurden. Für seine Recherche durchsuchte Murmann mehrere Stunden lang das Archiv des „Heimatboten“. Das Ergebnis ist eine Liste mit den Namen der Hoheiten. Allerdings nicht mit allen – für die Jahre 1980, 1981, 1983 und 2000 konnte er keine finden. „Aber es gibt Belege dafür, dass dort Paare gewählt wurden“, sagt er und rückt seine Brille zurecht.

Fastnachtssitzung in Obertshausen (Archiv)

Fastnachtsitzung des Katholischen Kirchenchors Obertshausen

In Gesprächen mit Zeitzeugen versuchte er, die Lücken zu füllen, was ihm aber nicht ganz gelang. „Der Wahlmodus machte es mir nicht leicht“, erläutert Murmann. Die Prinzenpaare wurden am Fastnachtssamstag gewählt und amtierten bis zur nächsten Kampagne. „Deshalb finden sich in Artikeln oft mehrere Namen, und es ist nicht klar, in welchem Jahr das Paar im Amt war.“

Die „Babbscher“ haben daraus gelernt. Damit später mal nicht irgendwer vergeblich nach Informationen über sie sucht, heften sie alles akribisch ab. „Das wird genau dokumentiert“, sagt Murmann. Nur von seiner Rede zur Vereinsgründung im Jahr 2008 gibt es kein Foto – zumindest keins, von dem er wüsste. Also: Wer eins hat, her damit!

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