Faszination Tauchen

Ausflug in die Tiefe

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Bei einem Selbstversuch im monte mare Freizeitbad lernte Lena Marie Jörger die Faszination des Tauchens kennen.

Obertshausen - Wer tauchen will, muss zunächst einmal schleppen. Das ist die erste Regel, die ich im monte mare Freizeitbad lerne. Von Lena Marie Jörger

Schließlich will die Ausrüstung an Ort und Stelle gehievt werden: Flossen, Brille, Druckluftflasche samt Tarierweste, an der sie befestigt wird, Atemregler und Bleigewichte. Schon bevor es eigentlich losgeht, bin ich schweißgebadet. Doch so schnell lässt mich Ronald Brandt, Tauchlehrer und Vorsitzender des Unterwasser Sport Club Obertshausen (USCO), nicht ins Wasser. „Das Wichtigste ist der Druckausgleich“, beginnt er seine Einweisung. „Mit zwei Fingern die Nasenflügel zusammendrücken und einmal kräftig ausatmen, bis es in den Ohren knackt.“ Wer schon einmal geflogen ist, weiß, was Brandt meint. Sorgen mache ich mir trotzdem. „Was passiert, wenn ich das nicht mache?“, frage ich und ernte prompt einen belustigten Blick von meinem Gegenüber. „Im Schwimmbad kann gar nichts passieren“, grinst der 59-Jährige, „gefährlich wird es erst in tieferen Gewässern, da kann das Trommelfell platzen.“

Brenzlige Situationen hat Brandt schon einige erlebt, aber das gehört dazu, sagt er. „Es ist wie beim Autofahren: Nach einer gewissen Zeit wird man wagemutig.“ Ein bisschen Bauchgrimmen habe ich bei der ganzen Sache schon. Schließlich endeten meine bisherigen Tauchversuche im Schwimm-unterricht in der Schule meist mit hochrotem Kopf und lautem Husten. Doch auch die Bedenken, plötzlich keine Luft mehr zu bekommen, nimmt mir Brandt. „Dank Atemregler kann man unter Wasser völlig normal ein- und ausatmen“, erklärt er. Um die 2200 Mal ist der Seligenstädter schon getaucht, unter anderem vor den Malediven und im Roten Meer. Sein Bruder, ein begeisterter Sporttaucher, brachte ihn auf den Geschmack. „Daraus hat sich eine echte Leidenschaft entwickelt“, erinnert sich Brandt.

Tipp gegen Beschlagen der Brille: Spucke

Bevor ich endlich herausfinden kann, was ihn an diesem Sport so fasziniert, ist noch die Brille dran. Damit die nicht beschlägt, gibt es einen Trick: Spucke. Einen großen Klecks davon auf der Innenfläche des Glases verreiben, dann die Brille mit Wasser füllen und mit dem Glas nach unten an den Beckenrand legen. „Die Spucke bewirkt, dass sich die Poren im Glas schließen“, erklärt Brandt. „Aber bis zum Tauchgang darf jetzt keine Luft mehr daran kommen, sonst ist der Effekt futsch.“ Also hilft mir mein Tauchlehrer erst einmal in die mehrere Kilogramm schwere Tarierweste, an der die Flasche befestigt ist. Sie enthält keinen reinen Sauerstoff, sondern normale Atemluft in komprimierter Form. Mithilfe von Ventilen kann ein Taucher Luft ein- oder auslassen und so sinken oder steigen. Noch die Flossen übergestreift und schon bin ich bereit für meinen ersten Tauchgang. Die Brille spüle ich auf Brandts Anweisung hin mit etwas Wasser aus und ziehe sie mir über den Kopf.

Im Becken geht es plötzlich ganz schnell. Ehe ich mich versehe, bin ich unter Wasser, und kann es selbst kaum fassen. Nach einem kurzen Blick zu meinem Tauchlehrer, beschließe ich, eine Bahn zu schwimmen. Wider Erwarten klappt das mit den Flossen ohne Probleme, fast schon automatisch. Um mich herum ist alles still, nur meine gleichmäßigen Atemzüge sind zu hören. Plötzlich verschwinden die blauen Schwimmbadfliesen, stattdessen wähne ich mich im offenen Ozean inmitten von exotischen Fischen und Korallen. Die USCO-Mitglieder, die über mir schnorcheln, holen mich allerdings schnell auf den Schwimmbadboden zurück. Nach einer halben Stunde ist mein Ausflug in die Tiefe auch schon vorbei – schade, eigentlich. Doch für mich steht bereits fest: Das war zwar mein erster, aber definitiv nicht mein letzter Tauchgang.

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