Tag der offenen Tür bei der Fitnessabteilung der TG Obertshausen

Vorsätze sind schnell vergessen

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Simone Danz hob vor drei Jahren die Fitnessabteilung der Turngemeinde Obertshausen aus der Taufe. Die Kursteilnehmer schätzen „das Obertshäuser Mädche“ wegen ihrer natürlichen Art.

Obertshausen - In ingesamt sechs Kurse konnten Besucher des „Tags der offenen Tür“ reinschnuppern, den die Fitnessabteilung der Turngemeinde Obertshausen (TGO) am Sonntag organisiert hatte. Von Stefan Mangold 

Der Januar ist dafür ganz bewusst gewählt: Zwei Wochen nach Silvester wirken noch die Vorsätze aus den Kategorien „weniger saufen, mit Qualmen aufhören, fitter werden und Kilos verlieren“. Sport hilft, dass es nicht nur bei der Absicht bleibt. Trainerin Simone Danz weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung, ab März zieht nicht selten der Schlendrian wieder ein. Dann wird erst das eine, dann das andere Training gerne mal geschwänzt, weil man sich gerade nicht so fühlt oder terminlich zu stark eingebunden wähnt. Danz sieht jedoch zu, die Leute gleich von Anfang an bei der Stange zu halten. Für Nichtmitglieder kostet die 10er-Karte 30 Euro, macht drei Euro für eine Stunde Training unter professioneller Leitung. Ein Bier in der Kneipe ist teurer.

Simone Danz übt im TGO-Haus an der Georg-Kerschensteiner-Straße mit über zwanzig Frauen eine knappe Stunde „Step“. Vor jeder Teilnehmerin liegt ein mobiles Podest. Aus den Boxen erklingt ein gleichförmiger Rhythmus. Der Pfiff beim „Step“ liegt darin, abwechselnd jeweils einen Fuß im Takt aufs Podest zu stellen, dazu auf den nächsten Schlag einmal zu klatschen, auf den übernächsten gleich zweimal. Das Training dürfte ähnlich viele Kalorien verbrauchen, wie der Ausdauerlauf über Feld und Wiesen. Der Schweiß fließt in Strömen. Von der Empore aus schaut Heiko Reitz zu. Er ist Trainer für „Deep Work und Bodystyling“, beides ebenfalls Bewegungsarten, die nichts mehr mit der Tambourin-Gymnastik aus Turnvater Jahn-Zeiten gemeinsam haben.

Vor drei Jahren gründete die TGO mit Simone Danz als Angestellte des Vereins die Fitnessabteilung. Seitdem schnellte die Zahl der Mitglieder von 1100 auf 1300 hoch. Danz gehört dem Club schon seit der Kindheit an. Sie zählte zu den besten Turnerinnen der Leistungsabteilung.

Trainieren mit dem Gymnastikball

Ihr Lebensgefährte Heiko Reitz hatte ebenfalls einmal an einem Step-Kurs bei ihr teilgenommen. Er berichtet, es sei für ihn kein Selbstläufer gewesen, den Fuß präzise im Takt aufzusetzen. „Männer haben mit der Koordination generell so ihre Probleme“, weiß die Trainerin. Ähnliches beobachtete der Kabarettist Dieter Nuhr, der einmal sagte, Kerle hielten sich bereits für multitaskingfähig „wenn sie beim Kaugummi kauen geradeaus laufen können“. Simone Danz ist ein Typ von Trainerin, der auch Leuten zusagt, die mit dem aus Übersee rübergeschwappten Gute-Laune-Terror nichts anfangen können, der in Fitnessstudios oft Usus ist. „Ich bin ein Obertshäuser Mädche“, sagt die 40-Jährige von sich, was ihr natürliches Auftreten gut beschreibt.

Auch am nächsten Kurs nehmen nur Frauen teil, knapp zwei Dutzend. Auf dem Plan steht Yoga mit Sonja Riede. Vorstandsmitglied Helmut Sarges (73) schaut vom Rand aus zu und kann auch jenen Hoffnung machen, denen es beim Anblick von Köpfen auf ausstreckten Knien innerlich die Bänder zerreißt: „Wer am Ball bleibt, der packt das noch im Alter.“

Sarges weiß, wovon er spricht. Der Mann, der in der Jugend Fußball und Feldhandball spielte und täglich 25 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs ist, macht selbst allmorgendlich eine viertel Stunde Yoga und leitet ansonsten die Gymnastikgruppe für Männer. Die fühlen sich unter sich anscheinend wohler – fern der Blicke von Frauen, wenn die Geschichte mit der Koordination wieder einmal nicht so klappt, wie erhofft... Für „Deep Work“ am Donnerstag bei Heiko Reitz wirbt Simone Danz. Da müsse niemand den Takt halten und sich von den Bewegungsabläufen nach den anderen richten. „Auch für Männer super geeignet, um sich fit zu fühlen“, sagt sie.

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