Ran an die Geräte

Fitnessstudio öffnet wieder trotz Corona: Sport verbieten? „Genau das Falsche“

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Trainer mit Faceshield: Sicherheit für Mitarbeiter und Kunden steht weiterhin an erster Stelle. 

In Obertshausen öffnet das Fitnessstudio Relax Fit wieder - trotz Corona-Krise. Denn Sport zu verbieten, wäre „genau das Falsche“.

Obertshausen – Eine Dame schreitet zügig auf dem Crosswalker, einem Gehband, eine andere strampelt auf dem Fahrrad-Ergometer und der Chef führt gerade den Backpull vor: Ein Monitor fordert, innerhalb von drei Sekunden, die Gewichte neben dem Sitz anzuheben und vier Sekunden, um sie wieder herunter zu lassen. Seit gestern ist das Relax-Fit an der Bürgermeister-Mahr-Straße wieder geöffnet. Nicht nur das vierköpfige Team freut sich riesig.

Am Eingang steht ein Bistrotisch mit einem Spray zur Handdesinfektion, ein Plakat bittet um eineinhalb Meter Abstand. Mundschutz ist keine Pflicht. „Dabei würden Sportler zu viel Kohlendioxid einatmen“, erläutert Geschäftsführer Peter Wanderer, „das Immunsystem würde zusammenbrechen“. Die Umkleiden und Duschen im Keller sind gesperrt, die Kunden kommen im Trainings-Dress, wechseln auf einer Bank die Schuhe. Im Trainingsraum stehen weitere Desinfektionsspender. „Die Trainer reinigen nach jeder Nutzung die Geräte und Flächen, aber auch das ist keine Auflage“, erklärt Wanderer. Auch die Faceshields, die durchsichtigen Plastikmasken, sind nicht vorgeschrieben. „Damit geben wir einfach mehr Sicherheit“, begründet er die Maßnahme. Für die Gruppenkurse haben sie im Übungsraum Felder abgeklebt, in denen sich die Teilnehmer bewegen. Vor allem aber bittet das Team seine Besucher, sich anzumelden. „Sonst kommt jeder, wann er will. Sonntags um 10 haben sie uns die Bude eingerannt“, berichtet der Inhaber. Jetzt trainieren vier, maximal fünf Personen an den Geräten. „Wir orientieren uns an der Regelung von Nordrhein-Westfalen, dort kann pro sieben Quadratmeter eine Person üben“, weiß Wanderer. Er verfügt über rund 200 Quadratmeter reine Trainingsfläche, hat im Vorfeld alle Kunden kontaktiert und über die Änderungen informiert. 

Der Chef macht‘s vor: Peter Wanderer freut sich wie seine Kunden über die Rückkehr an die Geräte.

Gleich nach der Schließung hat das Team Briefe an Abgeordnete in Berlin und Wiesbaden sowie Politiker in Stadt und Kreis verfasst, um auf die Bedeutung der Angebote im Studio hinzuweisen – insbesondere wenn andere Tätigkeiten wegfallen. „Im Shutdown sportliche Betätigung zu verbieten, ist genau das Falsche“, betont der Maschinenbau-Ingenieur, der schon als Jugendlicher in der Fitness-Branche aktiv war. „Du musst das Immunsystem durch Bewegung stärken“, unterrichtet Wanderer, „Muskeln garantieren Gesundheit durch die Ausschüttung von Myokine“, das sei wichtig für den ganzen Körper. Vier Trainer und sieben Kursleiter arbeiten in dem Studio. „Während der Schließung haben wir sehr viel Fortbildung per Webinar, also im Internet, gemacht“, erzählt Peter Wanderer.

„Viele Kunden haben angerufen, wann sie denn wieder kommen dürfen, sie kämen die Treppe nicht mehr hoch.“ Das viele Sitzen zu Hause verursache auch psychische Schäden, gerade bei Älteren. Junge Leute fänden schnell eine Alternative, Joggen, Rad- oder Inlinerfahren. „Ein Senior hat geweint, weil er nicht trainieren durfte“, berichtet der Inhaber.

Die Mitarbeiter hören sich Wünsche und Ziele der Kunden an, überprüfen deren Leistungsfähigkeit in Watt pro Kilogramm Körpergewicht und programmieren die digitale Kundenkarte entsprechend. Die Geräte fordern dann die entsprechenden Werte ab. Kundin Petra ist Tennisspielerin und wandert auch, „aber das ist nicht dasselbe wie ein Ergometer, da werden noch andere Muskeln angesprochen“. Gabi ist in der Krankenpflege tätig und müsse sich „mal wieder abreagieren“, gesteht sie. 

VON MICHAEL PROCHNOW

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