Chef der „Bürger für Obertshausen“

Rudolf Schulz, der fleißige Pragmatiker

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Rudolf Schulz freut sich über den Erfolg der BFO bei der Kommunalwahl im März.

Obertshausen - Kein anderes Gesicht prägt die „Bürger für Obertshausen“ mehr als das von Rudolf Schulz. Als Hans Dampf in allen Gassen prägt er seit über 20 Jahren die Stadtpolitik. Von Peter Back

Ein Blick auf seine Biografie zeigt: Politisches Engagement liegt dem gebürtigen Offenbacher im Blut. Rudolf Schulz hat sein politisches Engagement in die Wiege gelegt bekommen: Geboren im Jahr 1956 in Offenbach, wuchs der Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Obertshausen“ (BFO) im Gewerkschaftermilieu im Altstadtviertel an der Hermann-Steinhäuser-Straße auf. Sein Vater arbeitete bei den Farbwerken Hoechst und war in der Gewerkschaft aktiv. Als „proletarischen Adel“ bezeichnet der 59-Jährige gern sein soziales Umfeld aus Kindertagen. Ein Leben ohne politisches oder soziales Engagement war undenkbar bei der „ehrlich arbeitenden Bevölkerung“ im Altstadtviertel. Diese Einstellung hat auch Schulz geprägt. So verwundert es nicht, dass er schon in seiner Schulzeit politisch war. Während der Oberstufenzeit an der Rudolf-Koch-Schule in den 1970er Jahren vertrat er als stellvertretender Stadtschulsprecher die Interessen der gesamten Offenbacher Schülerschaft. „Ein Schulstreik jagte den anderen“, erinnert sich der Bürger-Chef an bewegte Pennälerzeiten.

Eine der ersten Oberstufenreformen, bei der Klassenverbände aufgelöst wurden und die Schüler nahezu frei ihre Schwerpunkte setzen konnten, eröffneten ihm die Möglichkeit, sein Faible für die Politik auch im Unterricht einzubringen. Fast logisch, dass es ihn nach dem Abitur ins renommierte Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft nach West-Berlin zog. „Es war genau das, was ich machen wollte“, sagt Schulz. Im Jahr 1982 hielt er seinen Abschluss in Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Verwaltung in Händen; ein Magister-Aufbaustudium in den Verwaltungswissenschaften in Speyer folgte.

SPD die Partei der Wahl

Der berufliche Weg des damals 26-jährigen Mannes aus dem Gewerkschaftermilieu schien vorgezeichnet, die SPD die Partei der Wahl. Und zunächst verschlug es Schulz tatsächlich in den Parteiapparat der Sozialdemokraten, in die sozialdemokratische Hochburg Nordrhein-Westfalen. Aber die Befürchtung, das eigenständige Denken im politischen Alltag einzubüßen, veranlassten den jungen Mann nach nur zwei Jahren in NRW, eine Kehre im Lebenslauf zu vollziehen. Der engagierte Mann machte das Soziale zu seinem beruflichen Lebensmittelpunkt. 1984 fing Schulz als Jugendbildungsreferent beim Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität mit Sitz in Offenbach an, ehe er 1998 zum Geschäftsführer avancierte und ab 1990 im Sportamt Frankfurt seine berufliche Heimat fand.

In seinem Wohnort Obertshausen ist er dem Motto „Dort, wo du lebst, musst du das Leben politisch und sozial mitgestalten“ treu geblieben. Seit über 20 Jahren bekleidet er den Vorsitz bei der AWO und hat den Ortsverein in dieser Zeit zu einem mittelständischen Betrieb mit rund 100 Beschäftigten samt ambulantem Hilfsdienst und zwei Häusern für betreutes Wohnen entwickelt. „Mit zwei Bürokräften, einer Krankenschwesterhelferin und zehn Zivildienstleistenden haben wir angefangen“, erinnert sich Schulz. Konsequent, dass er den Posten des Geschäftsführers professionalisierte und gleich selbst übernahm, um Arbeitsabläufe zu optimieren. Daneben führt er seit einigen Jahren die Naturfreunde Obertshausen.

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In den 1990er Jahren missfiel dem überzeugten Pazifisten die außenpolitische Haltung der SPD derart, dass er sein Amt des Vorsitzenden der Sozialdemokraten in Obertshausen niederlegte und die Bürger für Oberts-hausen mitbegründete. Die BFO, die Mitglied der Freien Wähler Hessens sind, etablierten sich rasch in der Kommunalpolitik. Von 6,3 Prozent (2001) über 9,9 Prozent (2006) und 13,5 Prozent (2011) bis zu 20,12 Prozent im März wuchs die Zustimmung der Bevölkerung kontinuierlich.

Rudolf Schulz meint, das Erfolgsgeheimnis zu kennen: „Das Charmante an den Bürgern ist, dass sich in dieser Partei Menschen zusammenfinden, die auf kommunaler Ebene Sachpolitik machen wollen und sich nicht um Parteiprogramme, die von Landes- und Bundesvorständen definiert werden, scheren müssen“, erklärt er. Gleichwohl sieht er die Notwendigkeit, die Freien Wähler in den Länderparlamenten und gar im Bundestag zu verankern. Auch ein Grund, warum er seit Herbst einer von vier Stellvertretern im Bundesvorstand ist.

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