Frage nach Konzepten

SPD lädt Bürger mit „Politik is(s)t scharf“ zum Austausch

+
Austausch zwischen Chili und Spinatröllchen: Beim gemeinsamen Essen kamen Bürger und Lokalpolitiker miteinander ins Gespräch.

Ob mit einem Glas Grauburgunder, einem Pils oder einer Cola in der Hand, mit griechischen Spinatröllchen oder Chili con Carne: Essen und Trinken hält nicht nur Leib und Seele zusammen, es erleichtert es Menschen auch, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Obertshausen – Darum lud Obertshausens SPD nun unter dem Motto „Politik is(s)t scharf“ vor die Garage ihres stellvertretenden Vorsitzenden Martin Stark ein. „Wir wollen Bürgernähe zeigen“, begründete Vorsitzender Jürgen Aulbach den Aufwand. Drinnen hatten die Genossen ein kleines Büfett vorbereitet, das herrliche Frühlingswetter lockte Gastgeber und Besucher freilich an die Stehtische unter freiem Himmel. Bewohner der nahen Gräfenwaldstraße hatten eigens für das Treffen schriftlich festgehalten, wo sie der Schuh drückt. Der Katalog begann mit der Bürgermeister-Mahr-Straße, die jenseits des kleinen Walls vor ihren Küchen- und Schlafzimmerfenstern verläuft.

„Wir finden es schon gut, dass die Holperstrecke jetzt erneuert wird“, stellt Birgit Hoffmann klar. „Aber die Straße wurde nicht für eine so große Belastung mit Schwerverkehr konzipiert.“ Die Einzelhändlerin erinnerte an alte Pläne, wonach die Zufahrt zum Gewerbegebiet um die Feldstraße weiter östlich verlaufen sollte. Das sei aber wegen des Naturschutzgebiets Gräbenwäldchesfeld nicht mehr möglich. Den Nachbarn sei jedoch zu Ohren gekommen, dass wegen einer Umstrukturierung künftig 100 Laster mehr am Tag den Autozulieferer Magna ansteuern werden. „Du musst dir gut überlegen, was du wo in den Schrank stellst“, verwies die Anwohnerin auf klirrende Gläser, wenn schwere Fahrzeuge die Häuser passieren.

Ein Vermessungsbüro habe bereits die Fassaden fotografiert, um Schäden dokumentieren zu können. Alfred Maßmann, der auch dort wohnt, schlug vor, einen „integrativen Plan“ zu erstellen, der alle vorhandenen und erwarteten Verkehrsströme berücksichtige.

Ihn interessiere auch, welches Unternehmen wie viel Steuern in die Stadtkasse zahlt, wie hoch die Zinsschuld der Kommune ist, wann Kredite abgelöst werden und was die Stadtführung tue, um die Verschuldung zu reduzieren. Die Fragen wurden vor der Bekanntgabe des erwarteten Defizits bei den Steuereinnahmen für dieses Jahr formuliert, bevor Bürgermeister und Kämmerer sowie die Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses am Donnerstagabend auf bald wohl nötige Sparmaßnahmen zu sprechen kamen.

Die Fragenden wünschen sich zudem einen „nachvollziehbaren und transparenten Stadthaushalt“, notierten sie, „der derzeitige ist nur für Insider verständlich und nicht für Bürger“. SPD-Fraktionschef Manuel Friedrich griff die Anregung auf. Konkrete Antworten konnte er in Sachen Verpflichtungen fürs Freizeitbad Monte Mare geben und zu den Zuwendungen an Sportvereine und für Sportanlagen.

„Die Fröbelschule vergammelt und verursacht Kosten“, kritisierten die interessierten Hausener. Ein Planungsbüro prüfe derzeit, ob eine Kita und junge Familien in das markante Gebäude im Herzen des Stadtteils einziehen können. Auch einige FDP- und Grünen-Politiker diskutierten mit. VON MICHAEL PROCHNOW 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare