Nachbarn mit Ruhestörung

„Frau aktuell“: Ärger mit Anwohnern bei Feier

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Kirchenklänge versus Rockmusik? Nicht ganz reibungslos ging das 35. Jubiläum der Gruppe „Frau aktuell“ über die Bühne. Anwohner versuchten, die Messe im Pfarrgarten auf eigene Weise zu beschallen. Für die Feiernden kein Grund aufzuhören. Die laute Rockmusik, die Nachbarn laufen ließen, hielt die Mitglieder von „Frau aktuell“ nicht davon ab, ihr 35-jähriges Bestehen ausgiebig zu feiern.

Obertshausen - Mit Helm, Zimmermannshut und Narrenkappe feierte die Gruppe „Frau aktuell“ am Pfarrer-Schwahn-Haus „gut behütet“ ihr 35-jähriges Bestehen.

Das Motto des Jubiläums-Gottesdienstes im Pfarrgarten fasste viele Erfahrungen zusammen, die der Kreis seit 1979 gesammelt hat: „Der Hut bedeutet, ein Dach überm Kopf zu haben, das Bedürfnis, geschützt zu sein.“ Die Gemeinschaft sei offen für alle Frauen und Fragen der Zeit, betonte Sprecherin Irmgard Möser. Das breit gefächerte Interesse bedienen die Organisatorinnen mit einem vielfältigen Jahresprogramm. So informierte sich die Gemeinschaft schon über die Arbeit der Telefonseelsorge, lernte die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm und das ZDF-Sendezentrum kennen. Sie bastelte Palmstöcke, lud zu Gebetsstunden und Wanderungen.

Doch ausgerechnet während der Messe unter freiem Himmel traf eine Art „Gegenbewegung“ die Feiernden: Nachbarn versuchten, die Versammlung mit lauter Rockmusik zu stören. „Es waren dieselben Leute, die Ruhestörung reklamierten, als ein Bürgermeister einen Vortrag bei der Kolpingfamilie hielt“, erinnerte Pfarrer Hans-Jürgen König. Die Anwohner versuchten bereits vor dem Gottesdienst, mit Rasenmäher-Betrieb – der sonntags verboten ist – die Proben der Musiker zu torpedieren. Was freilich nicht gelang, fühlen sich die Christen doch auch von der Rechtsprechung gut behütet: Vor Gericht gewann die Kirchengemeinde schon gegen die uneinsichtigen Nachbarn.

Hut als Symbol

Die Frauen ließen sich auch nicht beirren. Mit verschiedenen Kopfbedeckungen erinnerten einige Mitglieder an die Idee von „Frau aktuell“. 1979 starteten vier Damen das Experiment. Es sah und sieht Vorträge von Referenten vor, die Themen erläutern, die unter den Nägeln brennen. Die Informationen sollen konstruktive Auseinandersetzungen ermöglichen, erläuterte Irmgard Möser. „Wir haben Vieles erlebt und mit Abstand betrachtet“, resümierte sie. „So hat sich mancher Abend schon auf unser Denken und Handeln ausgewirkt.“

Die Gruppierung dankte für all die Erfahrungen und das Angenommensein in der Pfarrei. Symbol dafür sei der festliche Hut am Altar, der „mit Stolz und Freude“ getragen werde. Ein alter Hut in der Sammlung wies auf die verflossenen Jahre hin, der Schutzhelm auf den „geschützten Raum“, den die Gemeinschaft jedem Mitglied biete. Für Ausflüge und Wanderungen stehe der Sonnenhut, für das Aufdecken von Ungerechtigkeit und Missständen die Narrenkappe. „Aber mit Witz und Ironie - nicht verletzend“, fügte die Sprecherin hinzu. Der Hut des Zimmermanns passe zur Gemeinde St. Josef, ihr Patron übte diesen Beruf aus und lehrte, mit anderen zu teilen. Die Pudelmütze gebe in kalten Zeiten Wärme und Geborgenheit. Dazu hatten die Frauen einen reich bestückten „Zukunftshut“ gestaltet, der mit viel Kreativität Wünsche vereinte. In den Fürbitten betete die Gruppe um Geduld und Ausdauer, Offenheit für Nöte, Bereitschaft zum Dialog und die „Einsicht, dass die Kirche für den Menschen da ist, nicht umgekehrt“.

Sitzung des Kirchenchors im Pfarrer-Schwahn-Haus

Sitzung des Kirchenchors

Die Gruppe trifft sich in der Regel an jedem ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Pfarrer-Schwahn-Haus. Am 15. Juli wandert sie auf dem Barfußpfad in Bad Orb. Am 16. August klettern Interessierte auf den Commerzbank-Turm in Frankfurt, vom 5. bis 7. September reisen sie nach Goslar, Wernigerode und Quedlinburg. Im „Sprachenlabyrinth“ entführt Cordula Brandt am 21. Oktober in das Spannungsfeld von Verstehen und Nicht-Verstehen. Es folgen ein Spieleabend (18. November) und Hüttenzauber im Klein-Auheimer Wald (20. Dezember).

(M.)

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