Gähnen fürs Konzert

Frauenchor Musica querbeet engagiert für Proben Opernsängerin

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Beim Stimmtraining greift Graciela Alperyn zu besonderen Methoden. - Foto: Michael

Obertshausen - Was im Konzert harmonisch klingt, ist das Werk wochenlanger, harter Arbeit. Der Frauenchor Musica querbeet des Volkschors Germania hat sich vor seinem Neujahrskonzert am Sonntag zusätzliche Proben verordnet und eine weltbekannte Opernsängerin als Stimmtrainerin engagiert. Von Michael Prochnow

Ein schuchzendes Aaahh-jaa-jaaaaah erfüllt den ehemaligen Sitzungssaal des Rathauses Beethovenstraße, danach ertönt ein herzhaftes Gähnen. Der Eindruck täuscht: Es ist nicht so, dass die Damen von Musica querbeet das viele Proben und Singen Leid sind und Müdigkeit die Runde macht. Die Frauen bereiten sich vielschichtig und lebendig auf ihren Auftritt morgen Nachmittag vor. Zusätzlich zum Einstudieren der Werke mit Chorleiter Damian H. Siegmund haben sie die über viele Jahre weltbeste Darstellerin der „Carmen“ engagiert. Die argentinische Opernsängerin Graciela Alperyn ist inzwischen in Hausen verheiratet und half in ihrer neuen Heimat schon so manchem Talent auf die Sprünge. Nun übernahm sie die Stimmbildung der Aktiven des Obertshausener Vereins.

Bereits im Oktober brachen sie zu einem Chor-Wochenende im Odenwald auf, berichtet Vorsitzende Dagmar Kreis. Fast alle 23 Sängerinnen übten mit dem Dirigenten die Lieder fürs Konzert ein. „Wir hatten praktisch gar keine Freizeit, nur Proben“, seufzt die Sprecherin, „18 Stunden von Freitag bis Sonntag haben wir uns den anspruchsvollen Melodien Schritt für Schritt angenähert“. Das sei sehr wichtig, weil die 120 Minuten Probe dienstags kaum ausreichten.

„Denkt an die schönen Klänge, die ihr am Sonntag verbreitet“, beginnt Graciela ihren Part. „Ihr seid schön angezogen, blickt dem Publikum in die Augen, und beim Ausatmen produziert jede ihren eigenen Ton“, animiert sie, „das kann auch gähnen sein“. Anfangs verlassen nur schüchterne Laute die Lippen. „Wir haben etwas Schönes vor uns“, bestärkt der Profi. Dann klingt es wie ein zufriedenes Seufzen.

„Uuu-iiii, uuu-iiii, uuuu-iiii“, Graciela gibt den absteigenden Sirenenton mit Klaviertasten vor. Damit sollen sich ihre Schülerinnen locker machen. „Es geht um die Differenzierung von Kopf- und Bruststimme“, begründet sie ihre Atemübungen mit verschiedenen Vokalen.

„Und dabei wird natürlich viel gelacht“, verteidigt die Dozentin ihren unorthodoxen Stil. Dazu vermittelt der Star von den großen Opernbühnen der Welt auch die passende Körpersprache beim Singen. „Die Frauen sind begeistert“, resümiert Vorsitzende Kreis, „das hat uns viel gebracht und das machen wir bestimmt wieder“.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Dann drängt Chorleiter Siegmund zur Disziplin. Alle Lieder, die auf dem Programm stehen, sollen in dieser letzten regulären Probe vor dem Konzert einen Feinschliff erfahren. Die Frauen beginnen mit dem „Gloria“, „Venite populi“ und dem „Ave Maria“. Zum Ausklang erheben sie ihre Stimmen mit der Solistin Marianne Wycisk, bringen Schwung in die Basilika mit „Happy And Free“, „Nobody Knows The Trouble“ und „Joshua Fought The Battle Of Jericho“, bekannten Gospel-Melodien. Zum Repertoire von Musica querbeet gehört auch die südafrikanische Hymne „Siyahamba“, was in der Zulu-Sprache etwa, „wir gehen im Lichte Gottes“ heißt.

‘ Das Neujahrskonzert beginnt morgen um 17 Uhr in Herz Jesu. Als Gäste sind der Katholische Kirchenchor Obertshausen und der Männerchor Frohsinn Hanau sowie das Frankfurter Alphorn-Ensemble dabei. Wer sich dem Frauenchor anschließen möchte, ist dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr im alten Sitzungsaal des Rathauses Beethovenstraße willkommen.

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