Bei Geflüchteten und Migranten

Freiwillige Feuerwehr wirbt um Mitglieder

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In voller Montur simulierten die Feuerwehrleute den Ernstfall auf dem Gelände der Malteser an der Bieberer Straße.

Obertshausen -  Warum nicht zur Feuerwehr? Der Malteser Hilfsdienst (MHD) hat das Projekt Vereinsreise gestartet, mit dem Migranten und Geflüchtete mit dem heimischen Vereinswesen vertraut gemacht werden sollen. Zum Start stellte die Freiwillige Feuerwehr ihre Aufgaben vor. Von Michael Prochnow 

Alarm im Haus der Malteser an der Bieberer Straße. Aus dem Keller dringen harte Metal-Musik und Rauch. In der verqualmten Bar liegen die Brauereistühle und Barhocker auf dem Boden und auf der Kellertreppe ein Junge mit blutverschmierten Wangen. Das von Laura Franke geschminkte Mitglied der Jugendfeuerwehr entdecken die angerückten Helfer mit ihrer dicken schwarzen Kleidung und den hellgelben Helmen zuerst, tragen ihn auf einer Decke und legen ihn neben ihrem Löschfahrzeug ab – vor 40 staunenden Augen.

Schaulustige erwünscht: Die Hausener Wehrleute haben zuvor 20 Kinder, junge Menschen und Erwachsene aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Äthiopien, Bangladesch und dem Irak mit ihren Begleitern von der Flüchtlingshilfe an ihrem Stützpunkt an der Schillerstraße begrüßt. Leith Aissa und Florian Biermann, der stellvertretende Stadtbrandinspektor und der stellvertretende Hausener Wehrführer, haben ihren Gästen das System des Ehrenamts erläutert, die Gruppen des Vereins, die Qualifikation und die Aufgaben der Einsatzkräfte.

„Freiwillige Dienste kennen sie aus ihrer Heimat nicht“, stellt Aissa beim Treffen fest. Nichtsdestotrotz sind die großen und kleinen Besucher von der Ausstattung der Fahrzeugboxen schwer beeindruckt. In vier Gruppen verfolgen sie mit Wehrleuten, die nicht an der Übung am Malteser-Gebäude beteiligt sind, das Vorgehen der Kameraden. „Die mit den gelben Westen sind die Chefs“, vereinfacht Isabelle Wenzel von der Kinderfeuerwehr.

In kleinen Gruppen verfolgten die Flüchtlinge die Übungen der Wehrleute.

Mindestens ein Mädchen aus dem Kreis der Neu-Obertshausener hat sie schon für die Nachwuchsgruppe gewonnen. Ein junger Mann signalisiert Interesse an der Einsatzabteilung. Das ist das Ziel des Projekts Vereinsreise. „In Deutschland gibt es immer mehr Vereine, die aber immer weniger Mitglieder haben“, sagt Katy Walther, Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit beim MHD. „Viele Menschen wollen sich weder verpflichten noch festlegen, höchstens flexible oder zeitlich begrenzte Angebote nutzen.“ Bei manchen Gruppierungen geht das aber nicht, so bei den Brandschützern, da sei das feste Team bei Lösch- und Rettungsaktionen unerlässlich.

Um die Wehr und andere Gemeinschaften bei der Suche nach neuen Mitgliedern zu unterstützen, haben Walther und der MHD die Vereinsreise ins Leben gerufen. „Die Integration geflüchteter Menschen in die Gesellschaft bedeutet auch die Integration ins Vereinsleben“, meint sie. In den Reihen der Malteser sind bereits mehrere Migranten tätig, zum Beispiel als Hausmeister. „Unser Projekt möchte den Geflüchteten eine Brücke in die Vereinswelt bauen und Hemmschwellen bei der Kontaktaufnahme abbauen“, unterstreicht Reiner Faust, Dienststellenleiter des MHD Stadt und Kreis Offenbach.

Große Übung der Feuerwehr in Obertshausen: Bilder

Der von einer Nebelmaschine simulierte Schwelbrand ist noch nicht gelöscht. Aber die Retter tragen bereits die zweite schwere Puppe ins Freie. Der Löschzug hat Schläuche ausgeworfen und gekoppelt, Männer mit Atemschutzmasken und Sauerstoffflaschen auf dem Rücken kriechen ins verqualmte Untergeschoss. Neben dem Rauch sei der Lärmpegel ein „Störfaktor“ bei der überlebensnotwendigen Kommunikation der professionellen Helfer, erläutert Aissa. Doch rasch haben sie den „Brand“ unter Kontrolle.

Beim anschließenden Imbiss kommt das Publikum noch einmal ins Gespräch mit den Akteuren. Und vielleicht erscheinen noch ein paar mehr „Neue“ zu den Übungsstunden von Kinder- und Jugendwehr sowie der Einsatzabteilungen.

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