Fastnacht in Corona-Zeiten

Obertshausen: Die Elf Babbscher stürmten das Rathaus in diesem Jahr virtuell

Die Elf Babbscher lassen sich die Laune nicht verderben: Auch online war ein „dreifach donnerndes Helau“ zu vernehmen.
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Die Elf Babbscher lassen sich die Laune nicht verderben: Auch online war ein „dreifach donnerndes Helau“ zu vernehmen.

Eins ist klar: „Friedrich muss fort, am beste’ in nen annern Ort.“ Lederbaron Simon I. und Comtesse Katja I. sind sich einig, Bürgermeister Manuel Friedrich in die Verbannung zu schicken: „In der Näh’, damit mer seh’n kann, was er plant.“ „Da bleibt ja net viel außer Lämmerspiel.“ Auf dem Monitor ist zu erkennen, wie Friedrich wie im „Raumschiff Enterprise“ einfach „weggebeamt“ wird, aus seinem Sessel verschwindet.

Obertshausen – Kein Umzug, keine Straßenfastnacht zum Rathaussturm: Der Karneval- und Tanzsportverein „Die Elf Babbscher“ strich auch diesen Brauch. Der Bürgermeister hatte „den ersten virtuellen Rathaussturm fast gewonnen, den Babbschern ist die Macht zerronnen“. Im Film prahlt er, „obwohl noch jung im Amt ich bin, der Sieg ist diesmal für mich drin“.

„Friederich, versteckel’ dich, dem Schicksal, dem entkommst du nicht“, kontert die resolute Lieblichkeit. „Wir wussten vor der Wahl schon, im Rathaus sitzt Simon bald schon auf dem Thron. Stadtkass’ und Schlüssel wern mer uns hole’, schließlich wird uns die Kampagne schon gestohle’.“

„Zur Not zieh’ ich Michi Möser als Joker, der tanzte zwar schon als Narr durch diese Hallen, wird mir als Erster Stadtrat aber nie in den Rücken fallen“, wähnte sich der Attackierte in Sicherheit. Es nutzt nichts, die Übertragung zeigt ihn am Ortsschild gen Lämmerspiel.

„Egal, was er sich vorgenomme’, von dort wird er niemals entkomme’“, jubelt Katja. „Den einzigen Zug, den man je sah, der startet Fastnachtdienstag und endet auch dort!“ Und dieses Jahr werde die „Sonderfahrt“ eh nicht erklingen, wie soll ihm da die Flucht gelingen! „Bis dahin hau’n wir auf den Kopf die Kasse, leben im Luxus, tun mal richtig prasse’“, schwärmt Simon. „Die Stadt ist unser, ganz ohne Radau, auf die Fastnacht ein dreifach donnerndes Helau!“ Das rufen auch einzelne Gardisten, die eingeblendet werden. Die Aufzeichnung zeigt zudem das Aufziehen der Narrenfahne vorm Verwaltungsgebäude zur Hymnne „in Obertshausen sinmer daheim und feiern, dass wir all beisamen sin’“. Die Regenten fordern auf, zur „Faschingsmaskenpflicht“ Fotos zu schießen. „Zeigt her die Babbscher-Zeichen, damit Corona bald muss weichen.“ Vielen seien „Träume und Ziele zerbrochen“, wissen die Tollitäten und „schicken euch mit der Babbscher-Rakete ins All, ändern den Blickwinkel: Denkt bitte weiter als bis zur nächsten Wahl, denn hohle Phrasen sind für uns echt eine Qual“, ermahnt Simon die Politiker.

Vom sportlichen Rathauschef verlangt er, 11,11 Kilometer in 1.11 Stunde zu laufen, um so manches Babbscher-Herz zu erweichen - natürlich närrisch verkleidet und mit Beweisfoto! Am Freitag startet die Kneipentour – ebenfalls „virtuell“. (Von Michael Prochnow)

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