Frühstück mit den Stars

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Die hiesige Fangemeinschaft des FC Barcelona, „Peña Azulgrana Frankfurt Rhein-Main“, hat ihren Sitz in Obertshausen. Die Mitglieder treffen sich in den Räumen des spanischen Elternvereins in der Brüder-Grimm-Straße.

Obertshausen ‐ Kickers oder Eintracht, das ist die Frage aller Fragen. Zumindest unter Fußballfreunden in der Region. Viele der Anhänger des runden Leders, über die hier zu berichten ist, fiebern ebenfalls für den einen oder den anderen Club. Von Michael Prochnow

In ihren Adern fließ auch rotes Blut - allerdings blau-rotes. Das sind die Farben des „besten Clubs der Welt“, wie sie selbstbewusst verkünden, des FC Barcelona. In Obertshausen hat sie ihren Sitz, die Fangemeinschaft „Peña Azulgrana Frankfurt Rhein-Main“, die seit dem vergangenen Jahr vom Vorstand des Vereins in der katalanischen Hauptstadt offiziell als „Peña No. 1955“ geführt wird. Bereits ihr jüngstes unter mehr als 60 Mitgliedern, der dreijährige Cedric, kann die Symbole im dreigeteilten Wappen der „Blau-Roten“ erklären: In der oberen linken Ecke ist das rote Kreuz auf weißem Grund zu erkennen, das Zeichen des heiligen Georg, des Schutzpatrons der Stadt Barcelona. Die rot-gelben Längsstreifen stehen für das Land Katalonien und die rot-blauen in der unteren Hälfte für den Club.

Es prangt freilich auch auf der Fahne der Gruppe, die sie zu Spielen von „Barça“ in ihrem Treffpunkt, den Räumen des spanischen Elternvereins in der Brüder-Grimm-Straße aufhängt. Besuchen Kameraden ein Spiel, wird das Banner gut sichtbar auf der Tribüne angebracht. Bei Begegnungen ihrer favorisierten Elf trafen Pablo Ariza, der Wirt im Heim des Elternvereins, und einige Kompagnons Jesus Muñoz aus Hochheim.

Heute sind die Stars zu abgeschirmt

Mehr Informationen sind auf der Internetseite des Fanclubs zu finden.

Der ist in Barcelona geboren und hatte an seinem Wohnort einen Freundeskreis gegründet. Der war jedoch zu klein, um als eigene „Peña“ anerkannt zu werden, also fusionierte er mit den Gleichgesinnten aus Obertshausen. In den Stadien auf Schalke und in Basel beobachteten die Hessen dann eine rot-blaue Flagge mit einem Gruß aus Aschaffenburg, die dem „Ein-Mann-Fanclub“ von Carlo Dietl gehörte. Der Unterfranke schloss sich begeistert den Mitstreitern an. Während es in der Metropole am Mittelmeer „in jedem Viertel zwei Clubs gibt“, wie Ariza schildert, müsse man fern der iberischen Halbinsel schon größere Kreise ziehen, um eine Anerkennung durch den Betreuer der Peñas, Manuel Costa del Toro, zu erlangen. Er hielt sich am vergangenen Samstag beruflich in Frankfurt auf, verfolgte am Abend in Obertshausen das Spiel seiner Mannschaft, dass sie mit 4:0 gegen La Coruña gewann. Denn dort empfangen sie auch spanische Fernsehprogramme.

Als eingetragene Fan-Vereinigung erhalten die Angehörigen vor allem günstigere Eintrittskarten, freut sich der im andalusischen Malaga geborene Ariza. „Früher sind wir zu den Hotels gefahren, wo der Tross des FC Barça abgestiegen ist, und haben uns die Tickets abgeholt“, erzählt er. Dabei hätten sie sogar Tisch an Tisch mit ihren Stars gefrühstückt und Autogramme ergattert. Heute seien die Kicker so abgeschirmt, dass solche Kontakte unmöglich seien. Billige Karten gebe es nur noch über einen eigenen Internet-Zugang.

Auch Reisen ins Stadion Camp Nou werden organisiert

Die Treue der „Culés“, der „Hintern“, tat dies keinen Abbruch. Diesen Spitznamen erhielten die Barça-Fans, weil viele von ihnen nach der Gründung des Vereins im Jahr 1899 auf der Stadionmauer hockten und Passanten die Hinterteile präsentierten.

Mit 57,8 Millionen Fans hat der FC die weltweit größte Anhängerschaft hinter sich. Die hiesige versammelt sich nicht bloß zu den Spielen vor dem Bildschirm, sie veranstaltet auch Reisen ins Stadion Camp Nou, bildet eine Hobby-Elf und empfängt am 30. März den Sport-Autor Ronald Reng. Und Carlo Dietl plant eine Ausstellung mit Fotos und Geschichten der Stadien, in denen der FC bereits spielte.

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