Futter für die Leseratten

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Wenn Bürgermeister Roger Winter (links), Bücherei-Leiterin Christina Hellemann und Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt die Bücher aus der Hand gelegt haben, können Schüler sie ausleihen.

Obertshausen - Nach der Schule an den Computer oder vor den Fernseher, für viele Kinder ist das Alltag. Zum Buch greifen die wenigsten. Das Projekt „Ich bin eine Leseratte“ soll Schüler dazu bringen, in der Freizeit mehr zu lesen. Von Lena Marie Jörger 

Die Stadtbücherei Obertshausen darf als einzige im Kreis daran teilnehmen. Und das nicht zum ersten Mal. Zottelkralle liebt Pullover. Und Seife. Ganz schön ungewöhnlich, denn Erdmonster wie er halten normalerweise nicht viel von Hygiene. Zottelkralle schon. Er mag alles, was aus der Menschenwelt stammt und dekoriert damit seine Höhle. Eines Tages reicht ihm das nicht mehr und er nistet sich im Haus von Kalli und dessen Eltern ein. Ob das gut geht, können Kinder im Buch „Zottelkralle“ von Cornelia Funke nachlesen. Es ist eines von sieben Werken, die Schüler im Projekt „Ich bin eine Leseratte“ in der Stadtbücherei Obertshausen ausleihen können.

„Damit wollen wir den Spaß am Lesen wecken und fördern“, erklärt Christina Hellemann, Leiterin der Bücherei an der Kirchstraße. „Die Schüler sollen in ihrer Freizeit lesen, ohne schulischen Druck.“ Ins Leben gerufen wurde die Aktion von der Hessischen Leseförderung in Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. 15 Büchereien aus Hessen nehmen teil – die Obertshausener ist die einzige aus dem Kreis Offenbach. Schon vor drei Jahren war sie dabei. „Wir waren auch diesmal einfach die ersten, die sich beworben haben“, freut sich Hellemann.

Sechs Buchtitel wurden für das Projekt ausgewählt. Hellemann nahm ein siebtes, die „Zottelkralle“, dazu. „Das war Teil des Projekts 2011 und hat mir so gut gefallen, dass ich es noch einmal anbieten wollte.“ Nun liegt es neben den anderen auf einem kleinen Tisch im vorderen Teil der Bücherei und wartet darauf, von Schülern der dritten bis sechsten Klasse ausgeliehen zu werden. Wer dies tut, erhält einen bunten Button mit der Aufschrift oder einem Bild der Leseratte und ein dünnes Heft. Darin stehen mehrere Fragen zu den Büchern, die die Kinder beantworten können. Wenn sie die Fragen zu mindestens einem Titel beantwortet haben, können sie das Heft beim Bücherei-Team abgeben, nehmen an einer Verlosung teil und werden zum „Lesefest“ im Oktober eingeladen.

Bei den Büchern ist für jeden Geschmack etwas dabei: das Dünnste umfasst gerade einmal 70 Seiten, das Dickste 370. „Das Projekt soll besonders schwächere Schüler animieren, sich mal an ein Buch zu wagen“, sagt Hellemann. „Sechstklässler können auch dünnere Bücher lesen und nehmen trotzdem an der Verlosung und dem Fest teil.“ Bürgermeister Roger Winter schaute zum Projektstart in der Bücherei vorbei. „Es ist nach wie vor wichtig, dass wir Kinder zum Lesen bringen“, betonte er. Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt, die die Materialien gespendet hat, gratulierte ebenfalls zur Teilnahme. „Wir freuen uns sehr, das ist ein schöner Erfolg.“

Das Projekt läuft ab sofort und dauert bis nach den Ferien. Kinder können jeweils eines der Projekt-Bücher für bis zu vier Wochen ausleihen. 2011 sei das Projekt erfolgreich gewesen. „Damals haben wir etwa 100 Hefte ausgeteilt“, sagt Hellemann. „Es kamen viele Kinder, die sonst eher selten etwas ausgeliehen haben.“ Auch für diesen Sommer hofft sie auf viele Teilnehmer. Bisher sieht es gut aus. „Die ersten Bücher wurden schon zurückgebracht“, verrät sie.

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