Gänsehaut vom eigenen Vortrag

Obertshausener Manuel Lojo überzeugt als „Keynote-Speaker“ andere Menschen

Als Keynote-Speaker kann Manuel Lojo aus Obertshausen Menschen bei Vorträgen überzeugen.
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Als Keynote-Speaker kann Manuel Lojo aus Obertshausen Menschen bei Vorträgen überzeugen.

Würde man den Sohn von Manuel Lojo fragen, was sein Vater arbeitet, würde er antworten: „Papa hilft anderen Menschen.“ Nun ist der 44-Jährige weder Pfleger noch Sozialarbeiter – sondern Speaker. Ein Beruf, den Lojo selbst so beschreibt: „Ich helfe Menschen im Umgang mit Menschen – und der Aha-Effekt kommt zum Schluss.“

Obertshausen – Wir greifen vor: Ein Speaker ist mit dem klassischen Vortragsredner verwandt. Ein Mensch also, der engagiert wird, um einer Gruppe von Zuhörern etwas näherzubringen – allerdings so, dass es Klick macht. Lojo ist ein sogenannter „Keynote-Speaker“ und darauf bedacht, einen Grundsatz (englisch: keynote) einer Präsentation oder einer Veranstaltung zu vermitteln. „Keynote-Speaker werden dann eingesetzt, wenn Überzeugungsarbeit geleistet werden soll.

Miguel, der elfjährige Sohn, weiß diese Technik schon einzusetzen, wenn er seine Cousins überreden will, zum Spielen vorbeizukommen. „Eigentlich ist es ganz einfach: Wie es in den Wald schallt, schallt es zurück“, erläutert Lojo. Ob das nun auf dem Schulhof, beim Arzt oder vor einem Plenum ist – er erfinde das Rad nicht neu. Seinen eigenen Stolz dabei hintanzustellen und seinem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben, hat noch niemandem einen Zacken aus der Krone gebrochen. Gerade im Kundenservice bewirke es manchmal Wunder, an der richtigen Stelle ein „Ich weiß es nicht – hilf du mir weiter“ oder einfach nur ein „Danke für Ihre Zeit“ zu platzieren. Lojo führt aus: „Man muss doch nicht der 50. Kunde an einem Tag sein, der meckert.“ Man müsse sich sein Gegenüber bewusst machen.

„Am Ende geht es nur um Verkauf“

Mit seinen Tipps und Tricks rund um das Thema Kommunikation hat er schon ganze Call-Center geschult oder hatte für Bürgermeister Manuel Friedrich die passenden Worte parat. „Meine Kunden bereite ich so auf etwaige Situationen vor, dass sie sich fühlen, als könnten sie mit einer Gabel in den Krieg ziehen“, beschreibt Lojo.

Kommunikation findet überall statt. Als Coach nimmt sich der 44-Jährige auch einzelner Kunden an, etwa Führungsspitzen, die ihr eigenes Team wiederum motivieren sollen. Lojo betont: „Am Ende geht es nur um Verkauf.“ Und selbst der Nachmittag bei der Großmutter sei eine Art Verkaufssituation. „Man investiert seine Zeit, um am Ende ein seliges Lächeln von der Oma zu bekommen.“ Selbst etwas tun, damit andere sich gut fühle. „Das ist mein Ziel.“

Und: Ehrlichkeit währt am längsten. Auch diese Annahme ist nicht neu – jedoch wirksam. Nicht umsonst wird Lojo auch „Mr. No Bullshit“ genannt. Während Lojo spricht, bekommt er Gänsehaut. Immer wieder, während er Dinge erzählt, von denen er überzeugt ist; seine Kunst geht ihm selbst nahe. Er deutet auf die aufgestellten Armhaare und scherzt: „Das ist mein Wahrheitsbarometer.“

Auf dem Aha-Effekt kommt es an

In internationalen „Speaker Slams“ messen sich Vortragsredner untereinander. Dort haben die Teilnehmer fünf Minuten Zeit, das Publikum und die Jury von sich zu überzeugen – oder von einer Sache, einer Meinung, einer Botschaft. Die Vermutung liegt nahe, dass er auch während seines Auftrittes beim internationalen Speaker Slam eine Gänsehaut bekam, als er von dem Tod seines Vaters sprach. Dieses Ereignis sieht Lojo als Chance, nicht als tiefe Wunde. „Ich habe mich auf eine Sinnsuche begeben, denn der Tod sollte nicht sinnlos gewesen sein“, lautet ein Zitat aus der Gewinnerrede, womit Lojo ein Karussell von „Was wäre, wenn…“ anstößt. Was das Erfolgsrezept einer guten Rede ist? „Erzähl eine Geschichte – und beende sie“, sagt Lojo. Das „Zumachen“ hängt manchmal von nur einem einzigen Wort an der richtigen Stelle ab. „Wenn ich in den Gesichtern den Aha-Effekt sehen kann, weiß ich, dass es richtig war“, schwärmt der Speaker.

Die Rede über das eigene Leben sorgte nicht nur für Gänsehaut, sondern bewirkte, dass Manuel Lojo den Award des internationalen Speaker Slams im Frühjahr 2019 mit nach Obertshausen nehmen durfte. In die Stadt, in der er seit zwölf Jahren heimisch ist, nachdem er als Musiker 25 Jahre lang auf Bühnen rund um den Globus stand. Zwischenzeitlich führte er eine Werbeagentur, die schnell wuchs, aber auch schnell an Fahrt verlor. „Ich muss einfach sagen, dass ich mich in eine Pleite geritten und danach wieder bei Null angefangen habe“, erzählt er.

Dennoch: Seine Einstellung und sein Ehrgeiz haben den Obertshausener mit deutsch-spanischen Wurzeln zu einem der gefragtesten Speaker der Branche gemacht – und brachten ihn gewissermaßen zurück auf die Bühne. Der Award soll nicht die letzte Station bleiben. Zurzeit befindet sich der Speaker in Vorbereitungen. „Ich sag nur so viel: Das kriegt man dann schon mit.“ (Lisa Schmedemann)

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