„Genau, gerecht und streitlustig“

Kollegen und Herrmann-Hesse-Schüler verabschieden Dietmar Borrmann

Abschied: Der pädagogische Leiter der Hermann-Hesse-Schule, Dietmar Borrmann (vorne), verlässt die Herrmann-Hesse-Schule.
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Abschied: Der pädagogische Leiter der Hermann-Hesse-Schule, Dietmar Borrmann (vorne), verlässt die Herrmann-Hesse-Schule.

„Eine Schülerin ist total schulunlustig. Herr Borrmann bespricht mit ihr ihre Situation, motiviert, organisiert ein Praktikum, das eine Perspektive eröffnet.“ Mit diesem und weiteren Beispielen skizziert Ulrich Schmidt als kommissarischer Schulleiter den bisherigen pädagogischen Leiter der Hermann-Hesse-Schule. Dietmar Borrmann verließ die Einrichtung zum Ende des Halbjahrs mit guten Wünschen aus dem Kollegium, von vielen aktuellen und auch ehemaligen Schülern.

Obertshausen – „Wenn ich an Sie denke, fällt mir als erstes der Pädagoge ein, der sich um die Menschen kümmert“, würdigte Schmidt in einer Feierstunde. „Sie unterrichten gut und interessant, die Schüler mögen Sie.“ Mehr noch, Jugendliche bescheinigten ihm einmal, „dass Sie neue Unterrichtsformen ausprobieren, sehr genau und gerecht sind, aber auch streitlustig“.

Souverän führte Borrmann Klassenkonferenzen, besprach mit Kollegen schwierige Situationen. „Sie hören zu, wägen ab, geben Hinweise, helfen mit Rat und Tat“, hieß es in der Laudatio. „Sie wissen ungeheuer viel über schulische Zusammenhänge, Notwendigkeiten, Eigenheiten einzelner Menschen und die alltägliche Praxis. Auf Ihre Einschätzung können wir uns verlassen“, analysierte Schmidt den „Verwaltungsfuchs“. Für den Verabschiedeten sei Inklusion „nicht nur eine mühevolle Tätigkeit“, nein, er begleitete sie durch Gutachten, den Kampf um Förderstunden und die Koordination mit Förderschulen.

Berufsförderung hat Borrmann neu erfunden. Er suchte das Gespräch mit den Mädchen und Jungen über ihre persönliche Zukunft, knüpfte Kontakte zu örtlichen Betrieben, richtete Praxistage ein, überwachte die Praktika und organisierte alljährlich sein „Meisterstück“, eine schulübergreifende Berufsbörse. „Sie können all das, rechtssicher, verwaltungssicher, strategisch, konstruktiv“, bewunderte Schmidt. Seit dem Jahr 2000 gab er seine Erfahrungen in der Lehrerfortbildung weiter und wurde zum Oberstudienrat befördert.

Borrmann gründete die Schülerfirma APN, die Arbeitsmaterial vermittelt, plante und verwirklichte mit Jugendlichen die Schülerbücherei, beteiligte sich mit Hauptschülern am Hessen-Solar-Cup. „Schule ist für Sie kein Selbstzweck, sondern findet ihren Sinn darin, die jungen Leute konkret auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.“

Dank seines „Herz für Schüler“ wurde der Lehrer bereits nach fünf Monaten Im Hasenwinkel zum Vertrauenslehrer gewählt. 2008 wurde er zum Pädagogischen Leiter berufen. „Sie verbinden ein sehr großes Wissen mit hohen Fachkompetenzen“, hob der Direktor hervor, ferner die Fähigkeiten, Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, „hervorragend zu beraten, Konflikte zu moderieren“. Der „lebenskluge Pädagoge“ sei ein „Teamplayer mit Leitungskompetenz“, vermittelte auch zwischen Schülern und Kollegen.

Borrmann stammt aus Einbek bei Göttingen. Der gelernte Bäcker baute auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur, studierte in Gießen Arbeitslehre, Sport, katholische Religion und Ethik auf Lehramt. Er erhielt ein Referendariat in Idstein, bestand das zweite Staatsexamen an der Helmholtz-Schule in Frankfurt, kam 1990 an die Hesse-Schule und war zeitweise ans Reichwein-Gymnasium nach Heusenstamm abgeordnet.

Früher fuhr er gerne Motorrad, heute bevorzugt er das Fahrrad oder läuft. Der Gitarrenspieler liebt die Offenbacher Jazz-Szene und Rotwein. (Von Michael Prochnow)

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