Natur statt Maschine: Imker Tim Westpfal produziert am Gräbenwäldchesfeld eigenen Honig

Gepresst, nicht geschleudert

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Fünf Bienenstücke besitzt Imker Tim Westpfal. Daraus gewinnt er seinen Presshonig – per Hand und ohne chemische Zusätze.

Obertshausen - Gepresst, nicht geschleudert, so soll er eigentlich sein, der Honig. Weil er in dieser Form aber schwer zu kriegen ist, produziert Tim Westpfal den gesunden Brotaufstrich eben selbst – nach allen Regeln der Natur in fünf Bienenstöcken am Gräbenwäldchesfeld. Von Michael Prochnow 

Jetzt, wenn’s draußen warm ist und der Herbst langsam naht, ist die Saison für Tim Westpfal schon vorbei. Der Imker produziert seit 2010 seinen eigenen Honig. Ein echtes Obertshausener Naturprodukt, sozusagen. Die süße Sammlung ist aktuell bereits entnommen. Die kleinen Brummer brauchen nun einen Ersatz, um über den Winter zu kommen, erklärt der 39-Jährige vor seinen fünf Bienenstöcken am Gräbenwäldchesfeld. „Viele Kollegen geben Zucker-Sirup“, erläutert er. „Aber der hat einen Säuregrad von sechs Prozent und birgt die Gefahr, dass Erreger, Sporen oder Bakterien gedeihen.“ Deshalb bevorzuge er eine Variante auf Weizen-Basis: Die habe mit 5,4 den selben Ph-Wert wie der Honig selbst. Außerdem sende sie keinen Geruch aus, der Räuber wie Wespen anlocken könnte.

Ende März, wenn die Weide blüht und die Pollen fliegen, brüten die Völker. Dann hilft der Imker und befestigt Waben in Holzrahmen in den Stöcken. Die Mittelwände haben dann bereits die typische, sechseckige Struktur. Westpfal legt Wert auf Rähmchen aus lebensmittelechtem Kunststoff und Wachs seiner eigenen Bienen. „Es gibt nur wenige Betriebe, die so arbeiten“, klärt der Hausener auf. „Meistens wird Material von vielen Kollegen zusammengetragen, chemische Mittel reichern sich an und gelangen auch in den Honig.“ Geerntet wird Anfang Juli, wenn etwa zwei Drittel der Öffnungen im Stock mit weißem Wachs verdeckelt sind. „Der Honig sollte einen Wasserwert von 18 Prozent und einen hohen Anteil an Traubenzucker haben“, lehrt der Imker. Ist der Wert höher, bilden sich Blasen, der Deckel wölbt sich, „der Honig eignet sich dann höchstens noch für Met-Wein“.

Der Produzent schabt die Ernte in eine Presse, wo sie per Hand frisch verarbeitet wird: „Durch heiße Luft von einem Fön und den Druck werden die Waben geöffnet“, schildert er das historische Verfahren. „Schleudern geht natürlich schneller, aber dadurch gelangen andere Stoffe wie belastetes Altwachs in den Honig, die den Geschmack verfälschen.“ Bei seiner Methode hingegen bleiben auch die Pollen und damit das Propolis, dem Heilwirkungen zugesprochen werden, und ein individuelles Aroma im Honig. Beruflich hat Tim Westpfal überhaupt nichts mit Nahrungsmitteln und Naturschutz zu tun. Der kaufmännische Angestellte arbeitet für einen Anbieter von Sicherheitstechnik. Seit neun Jahren wohnt der gebürtige Frankfurter in Hausen, ist verheiratet und seit 17 Monaten stolzer Papa eines Sohnes, der schon bald das gesunde Hobby kennen lernen soll.

Abnehmer für die kleinen Gläschen mit „Timsen Honig“ hat er bereits gefunden. Im Naturkostladen Karotte hat er mit seiner Spezialität schon Stammkunden gewonnen, im Blumentraum ist sie als Beigabe beliebt. Bürgermeister Roger Winter orderte eine größere Menge als Ge schenke bei Jubiläen und anderen Anlässen. Für eine Verbreitung über örtliche Supermärkte, hat der Kleinhändler erfahren, bedürfe es aufwändiger Regis- trierungen. Ein an- deres Pro- blem: Die städtischen Flächen werden bereits Ende Juni gemäht, was gerade den Bienen viel Nahrung nimmt. „Weil’s sonst unordentlich aussieht“, habe die Antwort aus dem Rathaus gelautet.

Die Bienenrasse Buckfast, die Westpfal beherbergt, wurde vor dem Ersten Weltkrieg von einem Mönch namens Adam kreiert. Damals hatte eine Milbe ein Bienensterben auf dem gesamten Kontinent ausgelöst, also versuchte er eine Art zu züchten, die resistent ist. „Die Buckfast ist sehr vital, gesund und schwärmt nicht und ist sehr friedlich“, sagt Westpfal. Auch ein Vorteil: Selbst die Besucher ohne Schutzkleidung direkt am Stock werden nicht gestochen. Die Züchtergemeinschaft helfe außerdem Kollegen in Krisengebieten, um das Erbgut der dortigen Völker trotz schwerer Bedingungen zu erhalten. So werden Bienen aus Tunesien, Kenia, Griechenland und der Türkei hierzulande weiterbetreut.

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