Gerhards bleibt im Amt

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Nach seiner Wiederwahl bedankte sich Erster Stadtrat Hubert Gerhards (links) spontan bei allen, die ihm ihre Stimme gegeben hatten. Er respektiere aber auch das Votum derjenigen, die ihn nicht gewählt hätten, so Gerhards.

Obertshausen ‐ Hubert Gerhards bleibt für weitere sechs Jahre Erster Stadtrat in Obertshausen. Bei der geheimen Wahl in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend erhielt Gerhards allerdings nur 19 Stimmen, die schwarz-gelbe Koalition, die ihn zur Wiederwahl vorgeschlagen hatte, verfügt im Stadtparlament über 22 Sitze. Von Karl-Heinz Otterbein

Gegen Gerhards votierten zehn Stadtverordnete, zwei enthielten sich.

Möglicherweise hat die Wahl noch ein juristisches Nachspiel, denn SPD-Fraktionschef Walter Fontaine erklärte nach der Sitzung in einem Gespräch mit unserer Zeitung, seine Fraktion prüfe rechtliche Schritte, da es nach seiner Ansicht bei der Abstimmung, in der entschieden wurde, die Wiederwahl des Ersten Stadtrats vorzunehmen, erhebliche formale und inhaltliche Fehler gegeben hatte. „Ich habe große Bedenken, dass diese Wahl rechtens ist“, so Fontaine.

An der eigentlichen Wahl des Ersten Stadtrats nahmen dann sechs der sieben Parlamentarier der SPD-Fraktion nicht teil. Sie hatten zuvor unter Protest den Saal verlassen.

„Wir werden zu unserer nächsten turnusmäßigen Fraktionssitzung am 30. März einen Verwaltungsjuristen einladen, uns von ihm beraten lassen und dann entscheiden, ob wir vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadtrats-Wahl klagen“, erläuterte Fontaine. „Da brauchen wir nichts übers Knie zu brechen.“

Versehentlich falsches Formular als Stimmzettel kopiert

Der SPD-Fraktionschef monierte, dass in dem von ihm beanstandeten Wahlgang falsche Stimmzettel verwendet worden seien. Er habe die frisch gebackene Stadtverordneten-Vorsteherin Heide Heß darauf hingewiesen, diese habe zunächst den Wahlgang wiederholen wollen. Nach Intervention des CDU-Fraktionschefs Robert Huber habe sie dann aber anders entschieden. Bei dieser Abstimmung hatten 21 Stadtverordnete dafür votiert, in der Sitzung die Wiederwahl des Ersten Stadtrats vorzunehmen, 15 waren dagegen, einer hatte sich enthalten.

Bürgermeister Roth räumte ein, dass eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung versehentlich ein falsches Formular als Stimmzettel kopiert habe, das dann auch für den Wahlvorgang verwendet worden sei. Er glaube aber nicht, dass deshalb die Abstimmung ungültig sei, jeder der Stadtverordneten habe gewusst, worüber er abstimme.

Nach der Wiederwahl von Hubert Gerhards als Erster Stadtrat ließ die Stadtverordneten-Vorsteherin Heide Heß nicht mehr über den Antrag der SPD-Fraktion abstimmen, die einen Wahlvorbereitungsausschuss und die öffentliche Ausschreibung der Stelle gefordert hatte.

Keine Probleme mit dem engen Wahlausgang

Dass bei der Abstimmung über die Wiederwahl des Ersten Stadtrats mindestens drei Mitglieder der schwarz-gelben Koalition Hubert Gerhards ihre Stimme verweigert hatten, sorgte bei den Verantwortlichen offenbar nicht für Katerstimmung.

„Mehrheit ist Mehrheit“, lautete der knappe Kommentar von CDU-Fraktionschef Robert Huber zum Wahlergebnis. „Ich gehe davon aus, dass trotz der Abweichler die Koalition steht.“

Ähnlich sah der stellvertretende FDP-Fraktionschef Jürgen Krapp die Situation. „Ich glaube nicht, dass von uns jemand gegen Hubert Gerhards gestimmt hat“, so Krapp. „Dafür haben wir vorher ein zu großes Opfer gebracht.“

Er habe keine Probleme mit dem engen Wahlausgang, sagte der wiedergewählte Erste Stadtrat auf Anfrage. „Gute Pferde springen immer knapp“, so Gerhards gestern. „Und übermorgen interessiert sich niemand mehr dafür, ob ich mit 19, 22 oder 28 Stimmen wiedergewählt wurde. Ich werde mich nicht an Mutmaßungen und Verdächtigungen beteiligen, wer aus der Koalition nicht für mich gestimmt hat. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft“.

Er sehe durch die Abweichler keine Gefahr für die Koalition, sagte Bürgermeister Roth. „Ich kann mir nicht vorstellen, wer aus der Koalition Hubert Gerhards nicht gewählt hat und ich habe mir auch noch keine Gedanken darüber gemacht.“, so Roth gestern. „Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit ihm weiter arbeiten kann“.

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