Gesangsgala der Generationen

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Der Jugendchor 2000 hat mit Leiter Peter Krausch mittlerweile das Niveau erreicht, auf dem seinerzeit der Chor ‘84 startete.

Obertshausen ‐ Wenn es in der liebenswerten Kleinstadt ein gesellschaftliches Ereignis gibt, eines, von dem die Besucher auch in Wochen und Monaten noch sprechen, dann ist es das Konzert der Sängerlust. Von Michael Prochnow

Wobei „Hausen singt“ wörtlich zu verstehen ist, mehrmals fordern die Dirigenten das Publikum auf, gemeinsam die Stimme zu erheben. „Bunt sind schon die Wälder“, schmetterte der Saal und „Freude, schöner Götterfunken“ mit Beethovens Bearbeitung von Schillers Text.

Zwar nicht auf Flugblättern wie vor rund 200 Jahren, jedoch auf der Rückseite der Eintrittskarten war die alte Sehnsucht nach Freiheit zum Mitsingen abgedruckt. Die Gedanken der Autoren des vorgetragenen Liedguts interpretierte am Sonntagabend Oskar Mürell. Selbst mit der Musik groß geworden stellte der Moderator launig wie sachkundig die Künstler und ihr Umfeld vor.

Los ging es mit deutschen Schlagern

Im übervollen Bürgerhaus-Saal tauchte der Männerchor zunächst ein in die Hoch-Zeit des deutschen Schlagers, die 70er Jahre. Damals jubilierte Jürgen Marcus die Jack-White-Produktion „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“. „Meine Kleine“, „Mala moja“ darf bei keinem Konzert fehlen, ebenso wenig eine Hommage an den Vorgänger von Chorleiter Dr. Martin Trageser, den Hausener Robert Pappert. Diesmal sangen sie „Hörst du wie die Brunnen rauschen“.

Respekt und Begeisterung zollte das gut gemischte Publikum den Chören.

Auch Hans Otto Vetter, Bassist aus den eigenen Reihen, wählte ein Pappert-Werk, ließ die „Rosenzeit“ erklingen. Im zweiten Teil hieß es dann für ihn „Aus ist‘s mit der Liebe“, zumindest mit jener zum Sologesang. Vetter wagte einen Blick zurück auf seine Karriere, nahm Blumen von Bürgermeister Bernd Roth entgegen, winkte noch einmal und verabschiedete sich mit einer tiefen Verneigung von den Zuhörern. In 50 Jahren habe der Laie „stimmgewaltig, einfühlsam und humorvoll“ sehr positiv zum Image Obertshausens beigetragen, so Roth

Vergnügter stimmte da ein anderer Grund zu feiern: Der Chor ‘84 wird 25 und einigte sich schon vor zehn Jahren darauf, dass ihre Gemeinschaft nun keine „junge“ mehr sei: „Sie sind reifer geworden“, entschied Mürell, und „sie könnte noch Männer vertragen!“. Trageser vereitelte diesen Mangel mit passenden Werken, wobei er keinesfalls Gassenhauer bevorzugte, vielmehr die hohe Kunst des Chorgesangs vermittelte.

Mit dem „Cantate Domino“ von Vytautas Miskinis sowie mit dem „Ave Maria“ des Simon Wawer bewies das jubilierende Ensemble mit präzis dosierten Stimmen sehr viel Feingefühl. Dieses exakte Arbeiten führte das von Erfolg verwöhnte Team in „Shenandoah“ und in „Hoch über der Stadt“ fort. Locker, wie auch Autor Randy Newman, nahmen die 84er „Short People“, zischten „I‘m A Train“ und alberten „Mah-na mah- na“.

Sind die Aktiven des Hochleistungschors vielleicht nicht mehr die Jüngsten, der Nachwuchs steht in den Startlöchern: Der Jugendchor 2000 gewann das treue Publikum mit den projizierten interessanten deutschen Texten der Pop-Hits. Die jungen Talente erinnerten mit „Man In The Mirror“ an Michael Jackson, würdigten die Kölner „Besserwisser“, die „Wise Guys“ und wagten sich mutig und erfolgreich an das Acapella-Werk „Only You“ von den Flying Pickets. Der Teeniechor gefiel ebenso mit Aktuellem, wählte das Duo „Ich und Ich“, Marit Larson und Ashlee Simpson.

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