Großtauschtag bei der Arbeitsgemeinschaft Philatelie im Bürgerhaus

Geschichtsträchtige Marken

Rund 80 Briefmarkensammler waren diesmal beim Großtauschtag dabei.

Obertshausen – Die Zeiten, in denen ihre Marken noch als „Aktien des kleinen Mannes“ gehandelt wurden, sind wohl endgültig vorbei. „Außer, wenn du chinesische hast“, klärt Günter Brosch auf. VON MICHAEL PROCHNOW

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Philatelie Obertshausen-Heusenstamm begrüßt rund 80 Teilnehmer beim Großtauschtag im Bürgerhaus. Die meisten konzentrieren sich auf das Tauschen von Postwertzeichen aus deutschsprachigen Ländern.

Die Briefmarken aus der BRD bringen zumindest finanziell nicht viel. Zwischen 2000 und 3000 verschiedene Motive seien aus der Zeit zwischen 1960 und 2000 im Umlauf. Ein Verkauf bringe jedoch nur zehn bis 20 Prozent des Wertes, der im Michel notiert ist, der Bibel der Sammler. „Bei Auktionen bekommt man nur noch fünf“, weiß Brosch, der auch als Händler bei Tauschtagen und Börsen auftritt. Exemplare der knapperen Serien aus der Schweiz bringen immerhin noch 40 bis 45 Prozent des Katalogwerts.

Und nur die Chinesen kaufen – fast – alles, sagt der Experte. Nach der Mao-Ära kamen Marken aus dem Reich der Mitte auf den Markt. Wie einst in der Bundesrepublik Tankstellen die Aufkleber an treue Kunden verteilten, so gab es in China vor sechs, sieben Jahren Abzeichen zusammen mit Visitenkarten. Solche Besonderheiten gelten unter Sammlern freilich als „Renner“.

Dem Fachmann wurden auch diesmal wieder dick gefüllte Alben angeboten, die Besucher von ihren Eltern geerbt oder auf dem Dachboden ausgegraben haben. Doch selbst für komplette Serien zahlen Händler wie Brosch kaum mehr als einen Fünfziger. „Wer heute sammelt, macht das aus Freude an den Marken oder an der Historie“, die sich in den Bildern auf den kleinen Papieren spiegelt, stellt er klar.

32 Mitglieder zählt die Arbeitsgemeinschaft derzeit, 18 Obertshausener, einige Heusenstammer und einzelne aus Offenbach, Rodgau und Hainburg. Nur einige Enkelkinder der Aktiven, von denen sich die meisten im Rentenalter befinden, bilden den Nachwuchs. Als vor zwei Jahren der Jugendwart verstarb, erstickte auch das zarte Pflänzchen Jugendarbeit im Keim. „Wir bräuchten einen Vater oder eine Mutter, der oder die selbst Kinder hat, die zur Schule gehen“, haben sie im Vorstand schon mal definiert.

Beim Großtauschtag fehlte auch die erwartete Gruppe aus der Partnerstadt Meiningen. Der Vorsitzende dort arbeitet bei einer Tageszeitung und organisiert mit dieser das 25-jährige Bestehen der Briefmarken-Freunde, was dem Ausflug nach Hessen entgegenstand. Mit den Thüringern verbindet die AG Philatelie jedoch eine gute Freundschaft, betont Brosch. Er begrüßte schon am Morgen Gäste aus Aschaffenburg, Hanau und Hammelburg, die Ehefrauen boten belegte Brötchen, Kaffee und Kuchen an und baten um eine Spende für den Verein.

Die Gruppe trifft sich jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat ab 9 Uhr im Saal des Altenwohnheims an der Bachstraße im Stadtteil Hausen. Interessierte sind immer willkommen. Wer sich vorab informieren möchte, kann Günter Brosch unter z 06104 41692 oder per Mail an guenter.brosch@gmx.de kontaktieren.

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