„Große Lücken“ in der Anklage

Obertshausener erhält Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Drogenhandel

Ein Obertshausener ist wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln verurteilt worden. (Symbolbild)
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Ein Obertshausener ist wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln verurteilt worden. (Symbolbild)

Wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln verurteilte das Schöffengericht in Offenbach jetzt einen 30 Jahre alten Mann aus Obertshausen zu einer Haftstrafe von 14 Monaten auf Bewährung. Die Story, die der Angeklagte erzählte, wie er in den Besitz einer relativ großen Menge Marihuana gelangte, glauben ihm Richter und Schöffen.

Obertshausen – Rechtsanwalt Axel Kollbach erklärte zu Beginn des Prozesses, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Darmstadt weise so große Lücken auf, dass er sie eigentlich nur als irreparablen Verstoß gegen die Strafprozessordnung werten könne, „ich verhehle nicht mein Missbehagen“. Allerdings wolle er das Ganze deshalb nicht sinnlos in die Länge ziehen, „ich denke, wir bekommen die Verhandlung heute über die Bühne“.

Polizei hört Telefongespräche mit mutmaßlichem Dealer ab

Staatsanwalt Christian Dilg, der die Anklageschrift unabhängig davon vertreten muss, ob er sie verfasste, widersprach der Kritik von Verteidiger Kollbach ebenso wenig wie der Vorsitzende Richter Manfred Beck.

Dilg trug vor, der Angeklagte sei am 11. Januar 2019 in Obertshausen in eine Personenkontrolle der Polizei geraten, als er ein Haus verließ. Was zum Beispiel nicht in der Anklageschrift stand: Aus Zufall hatten die Beamten den 30-Jährigen nicht im Visier. Vielmehr hatten sie zuvor Telefongespräche mit einem mutmaßlichen Dealer abgehört, wodurch der Angeklagte in den Fokus geriet.

Im Angesicht der Polizei warf der Obertshausener eine Tasche ins Gebüsch, in der 228,1 Gramm Marihuana steckten, mit einem Anteil am Rausch erzeugenden THC von 14 Prozent, also knapp 32 Gramm. Als minder schwerer Fall gilt der Besitz von bis zu 7,5 Gramm an reinem Cannabis. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei weitere 14 Gramm Marihuana. Die Anklage zielte auf Besitz in nicht geringer Menge und auf Handel.

Der Angeklagte ließ über Anwalt Kollbach gestehen, was sich nicht leugnen ließ. Allerdings habe er keinen Handel betrieben. Sein Mandant habe lediglich auf Bitten eines Freundes aus dessen Keller die Tasche geholt. Hausbewohner hätten sich schon über den Cannabis-Geruch beschwert. Dilg fragte, ob sich der Angeklagte zum Eigentümer der Drogen äußern wolle. Das verneinte sein Verteidiger, „er will niemandem zu nahe treten“.

Axel Kollbach wies auf BGH-Urteile zum klassischen Fall des Kuriers hin, der Kokain aus Kolumbien einführt, „dabei handelt es sich um Beihilfe zum Drogenhandel“. Auf dieser Ebene sei auch die Tat seines Mandanten angesiedelt. Der im Angestelltenverhältnis stehende Angeklagte wirkte glaubwürdig, als er erklärte, mittlerweile kein Haschisch mehr zu rauchen, „ich merkte, das schadet meinem Kopf“.

Staatsanwalt Dilg führte aus, die Erklärung des Mannes, das Marihuana nur transportiert zu haben, lasse sich nicht widerlegen. Dilg forderte für den wegen Schwarzfahrens und Fahrens ohne Führerschein im alkoholisiertem Zustand vorbestraften Angeklagten 14 Monate Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung, „plus einer angemessenen Geldauflage“. Wie die Auflage „angemessen“ aussehen soll, konnte sich Anwalt Kollbach „bei 600 Euro netto Kurzarbeitergeld und 400 Euro Miete nicht vorstellen“. Ansonsten folgte der Verteidiger dem Antrag des Staatsanwalts.

Richter Beck und die zwei Schöffen verhängten 14 Monate Gefängnis auf Bewährung. Von einer Geldauflage sah man ab. So schlecht, wie es dem Angeklagten wegen Corona finanziell gehe, wolle man ihn „nicht zu Dummheiten verleiten“. (Stefan Mangold)

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