Grüne fordern Verzicht von Unkrautvernichtern

Ohne Glyphosat städtische Grünflächen pflegen

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Die Verwendung von Glyphosat ist derzeit umstritten. Der Wirkstoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Obertshausen - Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht seit Längerem im Verdacht, krebserregend zu sein. Obertshausens Grüne möchten den Einsatz des Mittels im Stadtgebiet verbieten. Von Thomas Holzamer 

Es sorgt für einen Rückgang der als Nahrungsquelle für Insekten essenziellen Blühpflanzen, soll sich negativ auf die Fortpflanzung bei Mensch und Tier auswirken und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft – Glyphosat ist einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe bei den Unkrautvernichtungsmitteln. Und steht, nicht zuletzt durch die bundesweite Debatte, derzeit stark in der Kritik.

Zum Einsatz kommt es vor allem bei der Bekämpfung von Unkraut in der Landwirtschaft sowie auf kommunalen Flächen wie etwa Parks. Erhältlich sind glyphosathaltige Mittel nach Angaben der Bündnisgrünen aber auch in verschiedenen Mischungen, die für Privatleute in nahezu jedem Baumarkt oder Gartencenter gekauft werden können.

Aus diesem Grund setzten sich die Obertshausener Grünen dafür ein, dass der Wirkstoff auf den Grün- und Ackerflächen entlang der städtischen Gemarkung künftig nicht mehr eingesetzt werden soll. So soll mit einem Antrag der Fraktion für die Stadtverordnetenversammlung bei der Pflege von kommunalen Flächen künftig auf den Einsatz von glyphosathaltigen Pestiziden verzichtet werden. Gleichzeitig sollen auch die Obertshausener Landwirte, Unternehmen und Bürger aufgefordert werden, diesem Beispiel zu folgen und ebenfalls auf Mittel mit jenen Inhaltsstoffen zu verzichten. Neben dem Glyphosat solle dies nach dem Willen der Grünen auch für die sogenannten Neonicotinoide gelten. Diese werden vor allem als Beizmittel für Saatgut und zur Bodenbehandlung verwendet, wirken ebenfalls tödlich für Nützlinge und Insekten auch jenseits der bewirtschafteten Flächen.

Beraten wurde der Antrag bereits im Umwelt-, Verkehrs- und Bauausschuss. Seitens der Verwaltung habe man bereits bei den betreffenden Landwirten angefragt, ob diese glyphosathaltige Produkte verwenden, berichtete Erster Stadtrat Michael Möser den Ausschussmitgliedern. Antworten habe man jedoch bisher noch nicht erhalten. Beim städtischen Bauhof komme der Wirkstoff bisher jedoch nicht zum Einsatz, informierte er.

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Zweifel am Nutzen des Grünenvorstoßes hegt man bei der Großen Koalition. So kam etwa die Frage auf, ob man jenen Landwirten, die Flächen von der Stadt zur Bewirtschaftung gepachtet haben, überhaupt vorschreiben könne, auf Glyphosat zu verzichten. Auch an die Bürger könne man bestenfalls appellieren, auf Glyphosat zu verzichten, und bei der Stadt käme der Wirkstoff ohnehin nicht zur Anwendung, hieß es aus den anderen Fraktionen.

Das sieht man bei den Grünen anders. „Es gibt bisher leider nur mündliche Aussagen zu diesem Thema“, sagt deren Fraktionsvorsitzender Klaus-Uwe Gerhardt. Die Beantwortung einer diesbezüglichen Anfrage seiner Fraktion stehe derzeit noch aus. Auch sei zu klären, ob zusätzlich zum Bauhof auch die von der Stadt mit der Pflege von Grünflächen beauftragten Unternehmen ebenso auf den Einsatz von Glyphosat verzichten. In Bezug auf die Verpachtung städtischer Äcker ist sich Gerhardt sicher: Als Verpächter könne die Stadt über den Pachtvertrag sehr wohl festlegen, dass bestimmte Substanzen auf diesen Flächen nicht zum Einsatz kommen dürfen. Zusätzlich gehe es aber auch um die Signalwirkung für die Bürger, wenn die Stadt beim Verzicht auf Glyphosat mit gutem Beispiel vorangeht.

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