Obertshausener feiern Dreifach-Geburtstag

„Ei Gude“ schallt’s zum Jubiläum in Hausen

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Fast 40 Gruppen beweisen, dass Obertshausen zusammengerückt ist.

Bei drei triftigen Gründen zu feiern reicht es nicht, Biertische und Bänke aufzuschlagen. Ein ausgewachsener Festzug muss her. Und fast 40 Gruppen beweisen, dass Obertshausen zusammengerückt ist.

Obertshausen – Und, dass es durchaus noch rege Vereine gibt, deren Mitgliedern es Freude macht, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Diese Erfahrung versucht der Vereinsring seit zehn Jahren zu fördern.

Das größte Jubiläum war freilich der 950. Geburtstag Hausens. Der Heimat- und Geschichtsverein dokumentierte, dass „Villa Hyson“ vermutlich noch viel älter ist, doch die bekannte Gründungsurkunde der Siedlung an der Rodau schuf jetzt die Gelegenheit, den Zusammenhalt von Stadtteilen und Vereinswelt zu stärken. Drei Tage feierten unerwartet viele Besucher am und im Bürgerhaus, und nach der Dusche zum Auftakt unterstützte das Wetter das Freiluft-Programm. 

Gemeinsamkeit stellte bereits der Auftakt der Feiern in den Vordergrund: Der evangelische Pfarrer Michael Zlamal und seine katholischen Kollegen Christoph Schneider und Norbert Hofmann beteten auch für alle, die sich um das Wohl der Stadt bemühen, Politiker, Vereine und den Vereinsring. Sein Vorstand in den königsblauen Hemden assistierte Bürgermeister Roger Winter beim Bieranstich. Der gelang trocken, nicht so jedoch der Auftritt der Karl-Mayer-Big-Band.

950 Jahre Hausen mit Festzug durch Obertshausen: Bilder

Die junge Truppe von Dietmar Schrod spielte zwar auf der überdachten Bühne, dem Publikum unter den Schirmen aber wurde es bald zu feucht. Also zogen die Verbliebenen in den Saal des Bürgerhauses, um den zehn Men In Blue, dem Polizeiorchester Rheinland-Pfalz aus Mainz, zu lauschen.

Nach dem kernigen Rock der Hausener Band Jay K. löste die Band Doktor Blond einen lauten Lockruf aus, der am Samstag viele Fans auf die Tempelhofer Straße bewegte. Tom Jets Schlager Giganten begleiteten den sonntäglichen Frühschoppen und auch die Groove Agents kommen aus Heusenstamm und der Region. Sie rissen zum Ausklang die Festgäste mit kräftigem Gebläse, Gesang und Tanz mit – allerdings nur bis 20.30 Uhr …

Angezapft: Der Fassanstich zur Eröffnung am Freitag gelang im Gegensatz zum Wetter am Abend tropfenfrei.

Der Festzug ließ zuvor Teilnehmer und Zuschauer staunen. „Mit so viel Zaungästen haben wir nicht gerechnet“, freute sich Vereinsring-Chef Luis Galvez. Empfingen in Heusenstammer und Bahnhofstraße eher weniger Anwohner die Wagen und Fußgruppen, standen sie an markanten Stellen gar in mehreren Reihen auf dem Bürgersteig. Bürgermeister und Stadträte liefen zur Hochform auf, gaben vom Wagen die Parole aus – ein dreifaches „Ei, Gude!“.

Auf die Elektro-Fahrzeuge von Hauptsponsor Maingau Energie folgten Ami-Schlitten, in denen sich die Ehrenbürger Hildegard Bühl, Heide Heß und Ulrich Mayer sowie die Alt-Bürgermeister Josef Seib und Bernd Roth mit Parlamentschefin Julia Koerlin chauffieren ließen. Der Heimat- und Geschichtsverein stellte die Protagonisten der historischen Szenen in ein rollendes Gewölbe. CDU und Grüne leuchteten orangefarben und knallgrün, Glaabsbräu präsentierte sein Festgespann, der Kleingärtnerverein Obertshausen einen prächtigen Erntewagen.

Fahnen, Musik und ein Wagen: Mit rund 90 Aktiven stellten die Elf Babbscher die größte Gruppe beim Festzug.

Sowohl Sängerlust als auch Sängervereinigung ließen so manches Lied erklingen, der FC Oberschlesien und der Deutsch-Türkische Kulturverein riefen sich in Erinnerung. Der Türkisch-deutsche Kultur- und Freundschaftsverein wählte wie die Meister-Teutonen und der griechische Verein Megas Alexandros einen Auto-Corso, der spanische Elternverein marschierte mit einer Stiermaske, die Stenotastler des ZVB mit Mammut-Bleistiften. Zu den ganz großen Gruppen zählten die Tänzer und Turner des TV Hausen, die schweißtreibende Übungen auf dem Asphalt vollführten. Mit 90 Teilnehmern waren die Babbscher die stärkste – und mit ihren Nodebabbschern auch die lauteste Gruppe. Daneben begleiteten das TGS Blasorchester und Musiker aus Ober-Roden den Zug.

Der Schlachtruf des Vereins für Schutz- und Gebrauchshunde hieß wuff-wuff, lernten die Zuschauer. Rotkreuzler fuhren einen alten Bulli, uralte Trecker folgten, die TGO-Vorderen vergnügten sich auf einem Hänger mit Theke, gefolgt von den großen Karts der Waldschule, die 60. Geburtstag feiert, und den Diana-Schützen. Beide kroatischen Klubs marschierten gemeinsam, auch die Kolpingfamilien hatten sich zusammengetan. Karate-Dojo und die Obertshausener Wehr waren ebenfalls dabei, ebenso das Atelier-Theater, der Eventclub und die Seniorenhilfe. Den „Vogel abgeschossen“ aber hat der Rassegeflügelzuchtverein, der mit zwei Volieren die Blicke auf seine Wagen lenkte.

Einziges Manko in den Augen so manchem Hauseners war der Umstand, dass die Gruppen nicht auch über die Seligenstädter Straße zogen. Denn ein Festzug zum Hausener Jubiläum ohne durch die Mitte des eigenen Ortsteils zu ziehen, gehe nun einmal gar nicht.

VON MICHAEL PROCHNOW

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