Geldstrafe für 48-jährigen Obertshausener

Drogenhandel: Sie haben das falsche Grün gegossen

Termin vor Gericht: Die Rechtsanwälte Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger (Zweiter von links) und Ferhat Tikbas (rechts) mit ihren Mandaten. Foto: Mangold
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Termin vor Gericht: Die Rechtsanwälte Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger (Zweiter von links) und Ferhat Tikbas (rechts) mit ihren Mandaten.

Obertshausen – Es passiert vor dem Schöffengericht in Offenbach selten, dass drei nicht mehr ganz junge Männer im Kontext von Drogenhandel auf der Anklagebank sitzen, und niemand ist einschlägig vorbestraft. Von Stefan Mangold

Nur den Obertshausener aus dem Trio erwischte die Polizei einmal beim Fahren ohne Führerschein. Er muss wegen Beihilfe zum Drogenhandel sechzig Tagessätze zahlen, ein Mitangeklagter neunzig. Der dritte im Bunde bekommt wegen Beihilfe und Besitz von Betäubungsmitteln 20 Monate Haft auf Bewährung.

Richter Manfred Beck hatte zwei Tage für den Prozess angesetzt und Polizisten als Zeugen geladen. Letztlich musste niemand erscheinen. Die Anwälte hatte im Vorfeld signalisiert, ihre Mandanten seien geständig. Staatsanwalt Dirk Schillhahn trägt bei der Verlesung der Anklageschrift einiges vor. Unter anderem ist von einer Plantage mit 66 Pflanzen die Rede.

Sein Mandant habe quasi die falschen Leute gekannt, betont Pflichtverteidiger Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger, der den Angeklagten aus Obertshausener vertritt. Der 48-jährige habe lediglich als „Schlüsselhalter“ agiert. Wenn sonst niemand Zeit hatte, habe er die Pflanzen in Offenbach bewässert. Kost-Stenger stellt jedoch nicht in Abrede, „dass er zumindest billigend in Kauf nahm, dass die Drogen am Ende in den Handel gelangen sollen“. Der Obertshausener erklärt seine Motivation, zumindest hin und wieder zur Gießkanne gegriffen zu haben. Er habe gehofft, von der Ernte ein bisschen was abzubekommen, „damals habe ich noch Cannabis geraucht, heute nicht mehr“. Für ihn wird Staatsanwalt Dirk Schillhahn schließlich 60 Tagessätze á zehn Euro fordern. Das kommentiert Verteidiger Kost-Stenger scherzhaft mit den Worten, er müsste jetzt auf 40 Tagessätze á acht Euro gehen, „weil ich aber weiß, dass der Vorsitzende so einen Blödsinn nicht schätzt, schließe ich mich dem Staatsanwalt an“. Das gilt dann auch für Richter Beck und die Schöffen.

Damit konnte der zweite Angeklagte nicht rechnen. Der Mann half dem gesondert verfolgten Hauptmieter, die Ausrüstung zum Anbau zu besorgen. Außerdem stand er beratend zur Seite. Zudem fand die Polizei in seiner Wohnung ein gutes Kilo Cannabis-Produkte. Der Angeklagte kann jedoch glaubwürdig versichern, alles sei komplett für den Eigenbedarf bestimmt gewesen. Der Mann erzählt von seinem Studium in den USA, wo er im Football-Team der Universität spielte. Schon damals habe er an Neurodermitis gelitten. Gegen den ständigen Juckreiz habe ihm ein Arzt eine Salbe mit dem Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC) verschrieben, der in Cannabis steckt. Wieder in Deutschland, sei es unmöglich gewesen, sich die Salbe verschreiben zu lassen, weshalb er angefangen habe, Haschisch zu rauchen, auch gegen seine „chronischen Rücken- und Hüftschmerzen“.

Seitdem die Polizei ihn erwischte, habe er auf Kortison umgesattelt, „mit dem Ergebnis einer deutlichen Gewichtszunahme“, erklärt sein Rechtsanwalt Ferhat Tikbas. Wegen des Geständnisses und weil die eher kümmerlichen Pflanzen nicht in den Handel gelangten, plädiert Tikbas auf ein Jahr Haft mit Bewährung. Der Staatsanwalt hatte 22 Monate gefordert. Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen verhängen schließlich 20 Monate, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung sowie eine Geldstrafe von 1000 Euro in Raten an das Suchthilfezentrum Wildhof.

Verteidiger Bernd Schuster spricht sich gegen die 120 Tagessätze á 45 Euro aus, die der Staatsanwalt für seinen Mandaten verlangt hatte. Der Bruder des eigentlichen Plantagenbesitzers hatte ebenfalls hin und wieder nach den Pflanzen geschaut. In seiner eigenen Wohnung fanden sich acht kleine Setzlinge, im Verhältnis kaum der Rede wert. Schuster kommt es darauf an, „dass er nicht mehr als 90 Tagessätze bekommt, um nicht vorbestraft zu sein“.

Dem folgen die Schöffen und Richter Manfred Beck. „Das Gericht lässt noch mal Gnade vor Recht ergehen, um ihnen das Leben nicht zu verbauen“, erläutert er. Alle Prozessbeteiligten nehmen die Urteile sofort an.

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