Theaterclub Elmar führt das Märchen im Waldpark auf

Hänsel und Gretel in der Grillhütte

Gummibär, Lebkuchenmann, Lolli- und Zuckerwattenfrau am Lebkuchenhaus der Hexe aus dem vom Theaterclub Elmar aufgeführten Märchen Hänsel und Gretel.
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Gummibär, Lebkuchenmann, Lolli- und Zuckerwattenfrau am Lebkuchenhaus der Hexe aus dem vom Theaterclub Elmar aufgeführten Märchen Hänsel und Gretel.

Es spielt eigentlich keine Rolle, was sie spielen, wo und unter welchen Bedingungen. Der Offenbacher Theaterclub Elmar glänzt mit seinen Aufführungen immer mit einem hohen Maß an Professionalität, mit viel Kreativität und vor allem mit glühender Leidenschaft fürs Bühnenspiel. Die „Bretter, die die Welt bedeuten“, stehen diesmal im Waldpark Ste. Geneviève des Bois, über einem Laubteppich, vor hölzernen Unterständen und sogar auf dem Sprühfeld in dem beliebten Treffpunkt.

Obertshausen – Diesmal ist es das Coronavirus, das Hänsel und Gretel in den Wald getrieben hat. Anstelle ihres traditionsreichen Märchentheaters vor rund 700 Zuschauern in zwei Vorstellungen an einem Wochenende spielt eine kleinere Gruppe des Vereins unter Bäumen im Hausener Nordwesten. Dort geben sie an Samstag und Sonntag insgesamt vier Vorstellungen, und die sind alle mit jeweils 55 Kindern und Eltern komplett ausgebucht, informiert Kulturamtsleiter Jürgen Hofmann, der mit einem Team am Eingang die Tickets kontrolliert.

Es sind „Jakob und Wilhelm Grimm“ persönlich, die ihr Gefolge durchs Unterholz führen. An der ersten Station, dem alten Waldfestplatz, erarbeiten die beiden Schreiber mithilfe der Kinder, wie ein Märchen beginnt: Natürlich mit „Es war einmal“. Um auf den rechten Pfad zum Haus des alten Holzhackers und zu seiner Familie zu gelangen, bedienen sich die einstigen Hanauer Bürger weiterer Helfer, eines schneeweißen „Hasen“ und einer „Eule“, die in der Nacht den Durchblick behält, wie sie prahlt.

Hänsel und Gretel leben mit ihren Eltern in der Grillhütte. Sie gefällt im Stück mit einer neuen Fassade, für die jüngsten Zuschauer legt ein weiterer Elmarianer Sitzkissen auf die Bänke vor dem Eingang. „Aber nur für Kinder.“ Zwei Viertel des „letzten Brots“ in den Ranzen gesteckt, dann folgt die ganze Gesellschaft der keifenden Mutter und dem jammernden Vater sowie deren Sprösslinge „in den tiefen Wald“, zurück zum einstigen Festplatz. Dabei lässt Hänsel weiße Kieselsteine fallen, wie es das Werk vorschreibt.

In der Grillhütte im Waldpark haben die Elmarianer kurzerhand das Heim von Hänsel und Gretel eingerichtet.

Die Kinder finden also den Weg heim, mit den Brotkrumen beim nächsten Anlauf klappt’s nicht mehr, die haben wohl die Vögel aufgepickt. Das Schicksal führt die traurigen Gestalten ans Lebkuchenhaus der Hexe. Dort entfalten die Talente die ganze Elmar-Philosophie, wuchern mit phantasiereichen Kostümen und einer prächtigen Kulisse. Die bereichern Gummibär, Lebkuchenmann, Lolli- und Zuckerwatten-Frau.

An diesem Ort sind für alle Zuschauer Klappstühle aufgestellt. Die Ebene, die im Sommer für Erfrischung sorgt, beherbergt jetzt auch den Käfig für Hänsel und den Ofen, in den Gretel die Furie mit der Hakennase schubst. Vorher wird sie noch von den süßen Bewohnern mit Blumenduft betört. Natürlich gehört zu einer Märchen-Bearbeitung der Offenbacher auch Musik und Gesang, auch wenn im Freien Playback die bessere Lösung ist.

Den Darstellern gelingt es mit der nötigen Technik, ihre Gäste mit Spannung und viel Gefühl zu fesseln. Die Spieler müssen langsamer und lauter reden, im Freien fehlt eben der Widerhall. Aber die Profis aus der Lederstadt haben alles akribisch vorbereitet. Die Familien freuen sich, dass findige Talente damit einen Weg zu festlicher Unterhaltung gefunden haben. (Michael Prochnow)

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