Handel mit Amphetaminen und Marihuana:

„Wenn ich saufe, drehe ich durch“

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Wegen Drogenhandels ist ein Mann aus Obertshausen zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Obertshausen - Meist wird ein Urteil von unter zwei Jahren Haft zur Bewährung ausgesprochen. Diesen Spielraum sahen Richter Manfred Beck und die Schöffen vor dem Amtsgericht in Offenbach für einen Angeklagten aus Obertshausen jedoch ausgeschöpft. Von Stefan Mangold 

Der mehrfach Vorbestrafte muss nun wegen Drogenhandel für 16 Monate ins Gefängnis. Die Staatsanwältin wirft einem Obertshausener vor, im März des vergangenen Jahres mit Marihuana und dem Amphetamin MDA gehandelt zu haben. Der 23-Jährige tauchte damals besoffen auf dem Geburtstag einer Bekannten auf. Sein Benehmen kam nicht gut an, was sich erklärt, als der Angeklagte von sich sagt: „Wenn ich saufe, dann drehe ich durch.“ Die Bekannte wusste sich nicht anders zu helfen, als die Polizei zu rufen. Die durchsuchte ihn und fand 46 MDA-Pillen. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung – der Angeklagte lebt bei seiner Mutter – stießen die Ermittler auf 106 Gramm Marihuana in einer Tupperware-Box. Der Rausch erzeugende THC-Gehalt lag bei 14 Prozent.

Der Angeklagte lässt über seinen Verteidiger Bernd Schuster erklären, die verbotenen Substanzen in der Absicht besessen zu haben, sie zu verkaufen, „mein Mandant übernimmt die Verantwortung für sein Fehlverhalten“. Später wird Schuster in seinem Plädoyer erwähnen, dass die Mutter des Angeklagten gegenüber der Polizei bereit war, das Gras in der Tupperbox als das ihre auszugeben, was der Sohn nicht zugelassen habe.

„Mein Mandant war damals schräg drauf“, erklärt Schuster. Durch den Handel habe er seinen eigenen Drogenkonsum finanzieren wollen. Richter Manfred Beck fragt den Angeklagten, wie lange er schon an seiner Sucht laboriere. Der spricht von zehn Jahren, womit er auch sein Alkoholproblem meint. 2016 absolvierte er eine stationäre Alkoholtherapie, die er als erfolgreich wertet. Anonyme Alkoholiker interpretierten das anders. Denn der Angeklagte erklärt, es sich „ab und zu mal auf Geburtstagsfeiern“ durchaus schmecken zu lassen. Mit Folgen. Nach seiner vermeintlich erfolgreichen Entziehungskur hatten Passanten wegen seiner Pöbeleien am Mühlheimer Bahnhof die Polizei gerufen. Die nahm ihn nach massiver Beamtenbeleidigung in Gewahrsam. Sein Blut wies einen Alkoholgehalt von 2,45 Promille aus.

Schon zweimal saß der Angeklagte im Gefängnis, wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten. Im Prozess benimmt er sich aber einwandfrei, hat keine Probleme damit, über seine Situation zu reden.

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In Folge von Beleidigungs- und Körperverletzungsdelikten brummte ihm das Gericht zuletzt Geldstrafen auf. Weil er die nicht zahlen kann, leistet er bei der Stadt Obertshausen derzeit 1 400 Arbeitsstunden ab. Der Schulabbrecher betont, an der festen Struktur und dem sozialen Verbund Gefallen zu finden. Im Publikum sitzt ein Vertreter der Stadt, den er als „mein Lieblingsbeamter“ bezeichnet. Er konsultiere zudem eine Psychologin: „Ich bekomme erstmals clean mit, was für ein Mensch ich bin.“

In einer Verhandlungspause erzählt der Angeklagte von seiner Generationen übergreifenden Familienhistorie von Alkohol- und Drogenmissbrauch. Das Suchtrisiko von Kindern aus solchen Verhältnissen liegt achtmal höher als der Durchschnitt.

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Die Staatsanwältin hält dem Angeklagten zugute, „dass er reinen Tisch macht“. Er habe zwar Bewährungen vermasselt, „aber ich sehe jetzt eine gewisse Neigung, dass er sein Leben in den Griff bekommen will“. Sie beantragt deshalb Bewährung für die geforderten 16 Monate Haft. Bewährung will auch Bernd Schuster. Der Verteidiger betont, sein Mandant sei als Händler noch nie aufgefallen. Es habe sich zudem um weiche Drogen gehandelt.

Richter Beck begründet mit fehlender positiver Sozialprognose, dass für ihn die verhängten 16 Monate Haft auf Bewährung nicht in Frage kommen. Er habe keine Belege von Sitzungen bei einer Psychologin oder für Bemühungen, einen Therapieplatz zu ergattern, vorgelegt, „in ihrer Lage viel zu dünn“. Ansätze, ein straffreies Leben zu führen, hätten sich stets in Luft aufgelöst.

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