Erzählcafé

Hits für OFC und Eintracht

+
Hans Otto Vetter erinnerte im Erzählcafé an die Nußknacker.

Obertshausen - „Helau“-Rufe und 100 Senioren, die Ende April im Kleinkunstsaal aus voller Brust „Humba-humba täteräää“ schmettern: Das war das jüngste Erzählcafé der Seniorenhilfe Obertshausen (SHO). Von Michael Prochnow

Deren Vorsitzende Hildegard Ott wollte die Idee, Ortshistorie in geselliger Runde von Zeitzeugen vermitteln zu lassen, einem größeren Kreis vorstellen und legte die jüngste Veranstaltung vom Karl-Mayer-Haus an die Jahreshauptversammlung des Vereins. Hans Otto Vetter stellte am Donnerstag die Nußknacker vor, von denen er selbst einer war. Die Band, die mit deutschen Schlagern und Stimmungshits bald im ganzen Land bekannt war, hatte sich aus einem Jugendquartett des Volkschor Germania zusammengesetzt. Sie trafen sich mit dem späteren Chorleiter Robert Pappert und waren „Feuer und Flamme“, schilderte Vetter.

Die Nußknacker waren die 1. Tenöre Hans Rupp und Peter Mennig, im 2. Tenor Walter Pappert und Willy Becker, Robert Flügel, Dr. Dietmar Tenschert und Karl Groß als 1. und Willi Reinig und später Hans Otto Vetter im 2. Bass. „Wir waren freitags, samstags und sonntags unterwegs und nicht immer gleich nach Hause gefahren“, verriet der frühere Schreibwarenhändler. Einst fand einer von ihnen einen Zettel auf dem Kopfkissen mit der süffisanten Notiz, „Hier ruhte einst mein Mann“.

Die größten Senstationen der Sportgeschichte

Die größten Sensationen der Sportgeschichte

Die Formation wurde 1955 gegründet, ‘56 bestritt sie bereits ihren ersten Fernsehauftritt im damals noch französischen Saarbrücken. Für die Sendung „Wer will, der kann“ mit Peter Frankenfeld wählte sie das Publikum in Stuttgart unter 180 Kandidaten auf Platz Zwei. Bei der Funkausstellung ‘57 in Frankfurt bewährten sie sich erstmals beim „Blauen Bock“ mit Otto Höpfner.

„Du hast noch Worscht gemacht, da haben wir schon gesungen“, wehrte sich Willy Becker gegen Reglementierungen. Dann folgten die ersten Schallplatten-Aufnahmen - so das „Humba Täterä“ mit Ernst Neger. Die Nußknacker haben mit den Fernsehmachern um den teuersten Sekt gewettet, dass es ein Hit wird – ein Jahr später wurden die Flaschen im Bürgerhaus geköpft ...

„Wir haben alles mitgenommen“, erinnerte Vetter an die neun Freunde, „es hat einfach viel Spaß gemacht“. Sie luden das Tanzorchester Kurt Edelhagen und Margot Eskens in die alte Turnhalle der TGO ein, später das Max- Greger-Orchester in die Offenbacher Stadthalle. „Wir haben Omas Sparbuch geplündert, dass die überhaupt kommen“. Um das nötige Geld in die Kasse zu bekommen, haben sie jede Nacht von 11 bis 3 Uhr im Studio gesungen - und in acht Tagen den Kredit zurückbezahlt.

Für das Fußball-Endspiel 1959 in Berlin haben sie zwei Fan-Lieder geschrieben, eines für Kickers Offenbach und eines für Eintracht Frankfurt. „Das war für uns Kickers-Fans schwer!“ 1962 und ‘63 folgten vielfältige Auftritte in den Fastnachtssendungen des hr, „Das Karussell“. Trotz ihres Lebens mit all den Promis sind sie immer ihren Berufen treu geblieben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare