Quidditch-Turnier bei Ferienspielen

Auf Harry Potters Spuren

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Während vorne der Kampf um den Quaffel beginnt, machen sich im Hintergrund die Treiber bereit, um ihr eigenes Tor mit den Stoffbällen zu sichern.

Obertshausen -  In eine völlig neue Sportart sind rund 80 Kinder bei den städtischen Ferienspielen eingetaucht. Beim Quidditch, bekannt aus den Büchern und Filmen um Zauberer Harry Potter, sind neben Sportlichkeit auch viel Geschick und Taktik gefragt. Von Patrick Eickhoff 

„An die Besen. Fertig. Los!“ Die Kinder spurten zu den vier Bällen, die in der Mitte des Feldes platziert sind. Dann beginnt das bunte Treiben auf dem Sportgelände an der Badstraße. Einzelne werfen sich mit Schaumstoffbällen ab, andere versuchen den großen Spielball, genannt Quaffel, vors gegnerische Tor zu bringen. Immer mit dabei: der Besen. „Zwar fliegen die Kinder nicht wirklich, aber es ist ja angelehnt an die Zauberer aus Harry Potter“, erläutert Oliver Spahn von der städtischen Kinder- und Jugendförderung Obertshausen, der die Ferienspiele gemeinsam mit Kai Hennig leitet.

Bevor die Betreuer den Startschuss geben, warten die Kinder auf das Signal, um in die Mitte des Feldes zu rennen.

Bei einer Partie Quidditch stehen jeweils sechs Spieler einer Mannschaft auf dem Platz. Ziel ist es, den Quaffel, durch einen der im Tor befestigten Reifen zu werfen. Gelingt dies, gibt es einen Punkt und alle Spieler starten wieder in der eigenen Hälfte. Die Aufgabe des Hüters, ist es, Tore zu verhindern. Unterstützt wird er von den Treibern, die eine spezielle Rolle einnehmen. „Sie können mit separaten Bällen, die Jäger daran hindern, Tore zu erzielen“, sagt Spahn. Denn wird ein Kind von einem der sogenannten Klatscher erwischt, muss der Besen abgelegt und eine Strafbahn zum eigenen Tor gelaufen werden. Erst danach geht es weiter.

Rund 20 Kinder verbringen die ersten drei Ferienwochen mit der Kinder- und Jugendförderung auf dem Sportgelände an der Badstraße. „Wir haben das ganze wie ein Camp aufgebaut, mit verschiedenen Zelten und Angeboten“, sagt Spahn. „Aber es gibt auch genug Freizeit und wer lieber toben will als beispielsweise Tassen gestalten, kann das auch machen.“ Auffällig seltener Begleiter ist das Smartphone. „Die Kinder können jederzeit an ihre Handys gehen, aber sie sind mit so viel Ehrgeiz und Spaß dabei, dass diese oft einfach keine Rolle spielen“, freut sich Spahn. „Heute treten sie in Trikots an, die sie selbst gestaltet haben.“

Immer dienstags unternehmen alle Ferienkinder etwas gemeinsam. Sie spielten die Olympischen Spiele nach, starteten ein Seifenkistenrennen oder kickten beim Fußballgolf in Wölfersheim. Auch ein Ausflug zur Ronneburg, wo sie eine Führung erhalten, sich im Bogenschießen und in historischen Spielen üben werden, steht noch auf dem Programm. Bei einzelnen Aktionen wie dem Seifenkistenrennen oder dem Quidditch nehmen außerdem die Kinder einzelner Grundschulen teil. „Wir betreuen den Nachwuchs der fünften bis siebten Klassen“, erläutert Spahn. Aber auch die Kleineren sind nach kurzer Zeit im Quidditch-Fieber. „Wir haben gestern selbst geprobt, sodass die etwas Älteren heute auch Fragen beantworten und Tipps geben können“, sagt Spahn.

Bilder: Quidditch-WM in Frankfurt

Die Organisatoren setzen bewusst auf vereinfachte Regeln. „Wir haben uns vorher im Internet informiert und da wir ja mit Kindern spielen und viele heute zum ersten Mal dabei sind, wussten wir, dass wir es etwas vereinfachen müssen.“ Eine Änderung, die dem geneigten Harry-Potter-Fan schnell auffällt, ist das Fehlen des Goldenen Schnatzes. Jene kleine goldene Kugel, die in den Filmen die Protagonisten auf spannende Verfolgungsjagden schickt, gibt es bei den hiesigen Ferienspielen als Hauptpreis zu gewinnen.

Quidditch erfreut sich steigender Beliebtheit, hat einen eigenen Verband sowie Vereine in ganz Deutschland hervorgebracht. Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Frankfurt nahmen mehr als 20 Nationen teil. Dort ist Quidditch ein Vollkontaktsport. „Bei uns darf man zwar versuchen den Ball aus der Hand zu schlagen, aber nicht übertreiben, denn es geht ja schließlich um Spaß“, betont Spahn.

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